Filmhandlung und Hintergrund

Drama um einen Familienausflug in die italienischen Dolomiten, der sich als gefährlicher Machtkampf vor beeindruckender Naturkulisse entpuppt.

Um die Beziehung zu Freundin Lea (Bérénice Bejo) und deren Sohn Tristan (Arian Montgomery) zu stärken, kommt Aaron (Alexander Fehling) auf die Idee, einen gemeinsamen Familientrip zu unternehmen. Das Ziel sind die italienischen Dolomiten. Wilde Natur, raue Berge, eine beeindruckende Naturkulisse, vor der man als Patchworkfamilie zusammenfinden kann. Doch während des Trips geraten Aaron und Tristan immer heftig aneinander.

Während Leo versucht, zwischen ihrem achtjährigen Sohn und dem neuen Freund zu vermitteln, verhärten sich die Fronten zwischen den Männern. Bald geht es um Autorität und die Position innerhalb der Familie. Der kurze Urlaubstrip gerät vollends zum Machtkampf, als Aaron beschließt, eine Wanderung mit Tristan zu unternehmen. Dabei wird er von dem Jungen konfrontiert. Vor dem Hintergrund der Alpen spielt sich ein riskantes Familiendrama ab.

„Drei Zinnen“ - Hintergründe

Die titelgebenden Drei Zinnen sind ein Gesteinsgruppe in den italienischen Sixtiner Dolomiten. Gleichzeitig sind des die drei Charaktere in Jan Zabeils Familiendrama, das ebenso wie sein vorangegangener Film „Der Fluss war einst ein Mensch“ die Naturkulisse nutzt, um psychologische Dramen zu verbildlichen. Vor der extremen Naturkulisse fallen die Hemmungen der Zivilisation ab, zeigen sich die Charaktere so, wie sie wirklich gemacht sind - roh, liebesbedürftig, auf der Suche nach Sicherheit, einem festen Platz und nicht zuletzt nach Macht. „Drei Zinnen“ ist ein Familiendrama über die Begegnung mit der (eigenen) Natur.

Die deutsch-italienische Koproduktion „Drei Zinnen“ wurde auf dem Filmfest von Locarno 2017 uraufgeführt.

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Kritiken und Bewertungen

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18 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Beeindruckend gespieltes und mit starken Bildern erzähltes Drama, in dem Alexander Fehling einen Mann spielt, der für den Sohn seiner Freundin ein Vater sein will - und daran scheitert.

      Es soll ein schöner gemeinsamer Urlaub in den Südtiroler Bergen werden. Ein Urlaub, der aus Aaron, Lea und dem achtjährigen Tristan vielleicht endlich eine Familie macht. Denn Aaron ist nicht Tristans leiblicher Vater. Und Tristan kann den neuen Mann in Mamas Leben auch nach zwei Jahren noch nicht wirklich akzeptieren. Nun, in der Abgeschiedenheit der Berge, hofft Aaron auf Annäherung. Als die beiden jedoch einen Ausflug zu den „Drei Zinnen“ unternehmen, werden sie voneinander getrennt. Und als dann auch noch ein Unwetter aufzieht, steuert alles auf eine Katastrophe zu. In dem Familiendrama DREI ZINNEN von Regisseur und Autor Jan Zabeil spielt Sprache - und das Fehlen derselben - eine wichtige Rolle. Nur wenig reden die Figuren miteinander. Viel mehr wird über Blicke, über Gesten und Haltungen zueinander kommuniziert. Wenn Tristan sich immer aggressiver gegenüber Aaron verhält, Lea distanziert und kühl reagiert und Aaron immer stärker seine Körperlichkeit einsetzt, um zu verarbeiten, dass er nie ein wirklicher Teil der Familie sein wird, setzt Zabeil dies alles mit klug durchdachter Kamerakomposition in Szene und lässt so jedes Wort und jeden Blick bedeutsam werden. Intensiv verkörpert werden die drei Figuren, die sich einem Kammerspiel gleich aneinander reiben, von Berénice Bejo als Lea, dem großen Nachwuchstalent Arian Montgomery als Tristan und Alexander Fehling, der Aaron entschlossen stoisch spielt und doch immer wieder durchscheinen lässt, dass es ihm wirklich am Herzen liegt, ein Teil der Familie zu sein. Eine wichtige Rolle in DREI ZINNEN spielt auch die Natur. In großen und beeindruckenden Kinobildern erheben sich die Berge majestätisch und drohend über der einsamen Hütte, das Wetter symbolisiert die Gefühlslagen der Protagonisten und bietet den perfekten Rahmen für eine fast schon im Stil eines Showdown inszenierte Begegnung zwischen Tristan und Aaron am Ende des Films. Ein Ende, das vieles offen lässt und ohne viele Worte viel Bedeutsames erzählt.

      Jurybegründung:

      Beim Schwimmen im Strandbad erscheinen Aaron, die Französin Lea und deren Sohn Tristan als die perfekte und harmonische Familie. Aaron zeigt dabei deutlich, wie sehr er den Jungen in sein Herz geschlossen hat, obwohl er nicht der leibliche Vater ist. Dieser jedoch hält nach wie vor den Kontakt per Telefon zu Tristan und zeigt, dass er auch weiterhin eine Rolle im Leben seines Sohnes spielen möchte. Ein gemeinsamer Urlaub in den Dolomiten soll die Drei nun zu einer richtigen Familie zusammen führen, was vor allem Aarons inniger Wunsch ist, der immer mehr die Nähe zu Tristan sucht. Ist dieser aber bereit, einen neuen Vater zu akzeptieren? Und zielt Lea vielleicht gar nicht auf eine Ehe mit Aaron, auch mit dem Gedanken, dass für ihren Sohn Aaron lediglich als väterlicher Freund zählen kann und soll?

      In der eindrucksvoll schönen wie auch bedrückenden Weite und Größe der Dolomiten- Landschaft baut sich ein spannendes und psychologisch konsequent inszeniertes Drama auf, das den Zuschauer emotional bis an die Grenze des Ertragbaren zu bringen vermag. Man leidet mit Aaron und gleichzeitig noch mehr mit dem Jungen, der durch die Ambivalenz seiner Gefühle zwischen zwei „Vätern“ immer stärker hin- und her gerissen wird. Und das Drama, dass etwas, was zusammen kommen soll, nicht zusammen passen kann, baut sich schicksalhaft im Kontext durch die sich verändernde Wetterlandschaft mit Schnee und Nebel auf, in denen Aaron und Tristan schließlich herum irren. Und wie eine Metapher stehen die „Drei Zinnen“ darüber, welche eine Bergeinheit bilden, aber letztlich doch drei voneinander getrennte Bergzinnen sind.

      Große schauspielerische Leistungen der drei Protagonisten gründen auf einem präzisen Drehbuch, das sich auf sparsame Dialoge - zum Teil dreisprachig - beschränken kann. Dies auch, weil eine hervorragende Kamera mit eindrucksvollen Panoramen wie auch sensibler Nähe Bilder schafft, die auf viele Worte verzichten lässt.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Drei Zinnen: Drama um einen Familienausflug in die italienischen Dolomiten, der sich als gefährlicher Machtkampf vor beeindruckender Naturkulisse entpuppt.

      Intensives Psychodrama über drei Menschen, die ein Aufenthalt in einer Hütte zur Familie zusammenschweißen soll. Handelt es sich bei den Drei Zinnen in den Dolomiten um drei separate Berge oder um einen Berg mit drei Gipfeln? Diese Frage, gestellt von einem Mann an einen Jungen, scheint töricht und unbedeutend. Und doch steht sie im Zentrum von „Drei Zinnen“, dem zweiten Spielfilm des Berliner Regisseurs Jan Zabeil, wie in „Der Fluss war einst ein Mensch“ wieder mit Alexander Fehling in der Hauptrolle, der so direkt und offensichtlich selten zur Sache kommt. Was nicht heißt, dass das herausragende Psychodrama, das in Locarno mit dem Prix Piazza Grande ausgezeichnet wurde, keine klare Sprache sprechen würde. Meistens hält es der Regisseur nur nicht für nötig, das Publikum mit der Nase darauf zu stoßen, was er sagen will. In diesem einen Fall tut er es dennoch. Weil es genau darum geht: Sind Aaron, Lea und Tristan nun eine Familie - oder nicht? Kann es dem Deutschen Aaron gelingen, der seit zwei Jahren mit der Französin liiert ist, ein Vater für den neunjährigen Jungen sein? An Aaron und seinem ehrlichen Bemühen um den Jungen kann es nicht scheitern. In den ersten Szenen sieht man, wie er, dieser Vorzeigemann, attraktiv, sportlich, selbstbewusst, verständnisvoll, aufmerksam - kurz: perfekt! -, dem Jungen das Schwimmen beibringt. Ein gemeinsamer Aufenthalt in einer abgelegenen Berghütte in Südtirol soll die fragilen Familienbande zusätzlich festigen, soll aus den drei Bergen einen Berg mit drei Gipfeln formen. Immer wieder scheint es zu gelingen. Bei einer gemeinsamen Bergwanderung haucht Tristan dem neben ihm schlafenden Aaron „Papa“ zu, und der beseelte Gesichtsausdruck von Fehling in diesem Moment ist unbezahlbar. Doch es ist nur eine Momentaufnahme. Denn da ist noch eine vierte Figur, die sich nur per Telefon einschaltet und dessen Worte man nicht hören kann, ihre Wirkung dagegen schon: Tristans Vater lässt seinen Sohn mit seinen gut gemeinten Anrufen niemals vergessen, dass er auch noch da ist. Als würde er eine Landkarte des Herzens vermessen, etabliert Zabeil die Situation, in der sich seine drei handelnden Figuren befinden, während sie sich vor den prächtigen Bergmassiven, die Zabeil einsetzt wie einst Raoul Walsh, ihrer Gefühle klar werden müssen. Dann erst setzt sich die Handlung in Bewegung, die einen mächtigen Sog entfacht: Als Aaron und Tristan bei einem ihrer Ausflüge getrennt werden und sich neben nicht vereinbarer Gefühle auch noch eine massive Nebelbank zwischen sie schiebt, wird aus dem psychologisch fein austarierten Drama ein Horrorfilm, allerdings mit ganz anderer Stoßrichtung und anderem Ausgang, als man es erwarten würde. Schon bei „Der Fluss war einst ein Mensch“ haben Zabeil und Fehling Extremsituationen ausgelotet. Eine Reise ins Herz der Finsternis ist nun auch ihre zweite Zusammenarbeit geworden. Für den Berliner Filmemacher markiert sie einen Quantensprung. Und auch Fehling bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, seine attraktive Erscheinung in den Dienst der Darstellung eines Mannes zu stellen, der besser und perfekter nicht sein könnte und dennoch zum Scheitern verurteilt ist. Der französische Superstar Bérénice Bejo kann weniger glänzen als noch vor Kurzem in ihrer nicht gänzlich anderen Rolle in „Le passé„, aber wichtiger ist Arian Montgomery, der den neunjährigen Tristan, gefangen zwischen drei Erwachsenen und drei Sprachen, einfach umwerfend spielt, als unschuldiges, neugieriges und schließlich auch überfordertes Kind, das zum Todesboten wird. ts.

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