Filmhandlung und Hintergrund

In der Zukunft angesiedeltes Drama, über einen Berliner Arzt, der im Untergrund arbeiten muss.

In Berlin-Neukölln der kommenden Tage hat sich die soziale Not verschärft und eine Einbruchserie in Apotheken hält die privaten Sicherheitsdienste in Atem. Unerkannter Urheber ist Straßenarzt Dr. Ketel, der mit den gestohlenen Medikamenten Obdachlose, Junkies und Migrantenkinder wie den kleinen Hakan notfallmedizinisch versorgt. Sein Doppelleben bringt der Hausmeister nur mit Mühen unter einen Hut, was nicht nur seine Liebschaft zu Apothekerin Karo sabotiert, sondern auch Jungermittler Ercan und die amerikanische Sicherheitsexpertin Louise auf seine Spur bringt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Dr. Ketel: In der Zukunft angesiedeltes Drama, über einen Berliner Arzt, der im Untergrund arbeiten muss.

    Bizarrer Film Noir, in dem Neukölln der düsteren Schwarzweißzukunft als Pflaster für einen verzweifelnden Wohltäter dient.

    An Linus de Paolis dffb-Abschlussfilm ist alles unabhängig und eigenwillig. Dennoch wartet das Arthauswerk, das den Berliner Stadtteil als sozialen Brennpunkt beschreibt, der kaum anders aussieht als heute, mit Indie-Ikone Amanda Plummer („Pulp Fiction“) als Besetzungscoup auf - und diversen Preisen, darunter dem German Independence Award. In zwei Kapiteln porträtiert Paoli - Künstlername von Linus Hahn - den unlizensierten Armenarzt Dr. Ketel (Ketel Weber, „Lange Nacht“) und die US-Sicherheitsexpertin Louise (Plummer), die den an sich selbst Verzweifelnden wieder zu seiner humanitären Mission zurückbringt. Die besteht daraus, dass Ketel Medikamente aus Apotheken und Kliniken klaut, um damit Obdachlose, Junkies und Migranten wie den kleinen Hakan notfallmedizinisch zu versorgen. Damit steht der anonyme Straßendoktor im Visier der Sicherheitsfirmen und auch seine vielversprechende Beziehung zur Apothekerin Karo (Franziska Rummel) zerbricht, was den abgerissenen Gutmenschen psychisch ans Ende bringt.

    Das Portrait eines heimlichen Wohltäters, der als verkrachte Existenz nicht für sich selbst sorgen kann und obdachlos abtaucht, entwickelt fiebrigen Drive, der dem brüchigen Gemütszustand Ketels bis ins Delirium folgt, wo er einen tennisballgroßen Tumor ausspuckt. Gleichzeitig hat dieser Film Noir zwischen Wim Wenders und der Berliner Schule aber auch etwas Laienhaftes wie von einer Kleinkunstbühne an sich, künstlich und spannungsarm. Das betrifft vor allem den zweiten Teil, der die Ereignisse aus der Perspektive von Louise erneut aufrollt. Hier rückt die Kamera dicht an die Figuren, aber man kommt ihnen nicht nahe, was auch den hülsenartigen Dialogen geschuldet ist. Oft gleicht Paolis Social Fiction mit den Mitteln des Autorenfilms mehr einer improvisierten Etüde, denn einem ausgewachsenen Film - aber gerade diese experimentelle Filmsprache stellt eine faszinierende Herausforderung für Kenner vom Fach dar. tk.

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