Filmhandlung und Hintergrund

Familiendrama in der Tradition von "Das Fest" und "Hierankl" über vier Geschwister, die sich nach dem Tod des Vaters in dessen Landhaus treffen und sich an ihre Kindheit erinnern.

Als ihr Vater Hans stirbt, versammeln sich im halbverfallenen Landhaus in einem österreichischen Tal die vier (Halb-)Geschwister. Zusammen übernachten sie samt Anhang bei Hans‘ jüngerer Lebensgefährtin in der heruntergekommenen Kindheitsstätte - und schnell brechen alte Wunden wieder auf. Die Geschwister, die sich seit Langem aus den Augen verloren haben, erinnern sich an die gemeinsamen Kindertage, die nach außen hin wie ein 68er-Paradies wirkten, in Wirklichkeit aber mehr einer Hippie-Hölle glichen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Die Vaterlosen“ ist ein Drama über die Beziehung zwischen Vätern und Kindern. Dass die Generation des Zweiten Weltkriegs als Vater in den meisten Fällen versagt hat, ist bereits ausreichend filmischen ausgeschlachtet worden. Deshalb zeigt die Österreicherin Marie Kreutzer in ihrem Spielfilmdebüt die Folgegeneration in ihrer Vaterrolle. Angespornt vom Versagen ihrer eigenen Väter wollten sie an die Erziehungsfrage grundlegend anders herangehen. Wobei sich das komplette Gegenteil aber nicht unbedingt als das komplett Richtige erwiesen hat: Dreh- und Angelpunkt der Dramenhandlung ist Hans – ein klassischer (Alt-)Hippie mit langen Haaren und dem Wunsch nach freier Liebe und einem Leben ohne die gängigen gesellschaftlichen Konventionen. Für den Zuschauer wird erst durch das Zusammensetzten der immer wieder eingestreuten Rückblenden (und das Lesen diverser Kritiken zu diesem Film) ersichtlich, dass die Erwachsenen und die Kinder aus der ersten vergilbten Rückblende des Films in einer Kommune zusammenleben. Da ihm das Haus gehört, ist Hans irgendwie das Oberhaupt der Gruppe und zumindest scheint für ihn das Konzept der freien Liebe aufzugehen. Die Rückblenden setzten allerdings erst ein, als das Projekt Kommune bereits zu scheitern droht. Was in der Theorie so schön und geradezu paradiesisch klingt, lässt sich in der Praxis nicht ganz so paradiesisch umsetzen. Wie beim Zusammensetzen eines Puzzles zeigt Regisseurin und Drehbuchautorin Kreutzer Stück für Stück – jedoch nicht chronologisch –, wie es zu der Endkonstellation in dem großen Haus gekommen ist, warum Kyra das Haus verlassen musste und welches Kind von welchen Eltern stammt. Dabei beweist sie Mut für leise Töne und eine durch und durch ruhige Kamera, die stets nah an den Figuren bleibt.

      Kreutzers große Stärken sind die Figurenzeichnung und die Auswahl ihrer Darsteller: Johannes Kirsch als Hans, der mit jeder Faser seines Körpers Autorität ausstrahlt und der den Kindern so viel Freiraum lässt, dass sich immer mehr Distanz zu ihnen aufbaut. Trotzdem glaubt man den Kindern, dass sie diese Vaterfigur sehr lieben, dieses distanzierte, unterkühlte Verhalten sie aber auch schnell dazu veranlasst, sich – weit weg – ein eigenes Leben aufzubauen. Aber auch die Nebenfiguren sind keineswegs eindimensional. Miguel, Kyras Freund, gespielt von Sami Loris zum Beispiel: Vom sympathischen, verständnisvollen Freund entwickelt er sich gekonnt zu einem nervenden Blödian, den die Situation bald heillos überfordert, weil er sich von den Klischees über das Kommunenleben einfach nicht lösen kann. Wunderbar unsympathisch ist auch Marion Mitterhammer als Anna, eine möchtegern-antiautoritäre Version der bösen Stiefmutter mit Humphrey-Bogart-Pulli. Still und geduldig wartet sie ab und ergreift ihre Gelegenheit beim Schopf, fest entschlossen, diese Gelegenheit zu einem Dauerzustand werden zu lassen.

      Vollkommen überflüssig hingegen ist der Handlungsstrang, der Mizzis neurologische Störung und vor allem die Frage nach ihrem Ursprung in den Vordergrund rückt. Es scheint fast so, als befürchte Kreutzer, ihr Publikum wisse einen Film ohne spannungsgeladene Twists nicht zu schätzen. Ein bisschen mehr Vertrauen hätte nicht geschadet, denn hin und wieder ist Kreutzer ein bisschen zu deutlich, lässt beispielsweise zu früh keinen Zweifel mehr über den Ausgang von Kyras und Nikis Wiedersehen.

      „Wurzeln sind überbewertet. Oder möchtest du ein Baum sein?“ heißt es in „Die Vaterlosen“ und obwohl die Pros und Kontras des Kommunendaseins zur Sprache kommen, dient diese alternative Lebensform nur als innovatives Gerüst, für einen altbekannten Stoff: Eine Familie kommt durch den Tod eines Elternteils nach langer Zeit wieder zusammen. Bald werden die Differenzen, die Gründe für die Trennung sichtbar – es kommt zum Konflikt. Aber letzten Endes gelingt es dann doch, die Vergangenheit aufzuarbeiten, um sie hinter sich lassen zu können und so den Weg für eine Annäherung zu ebnen.

      Fazit: Ein ruhiges, sehenswertes Spielfilmdebüt, das trotz kleinerer Schwächen vor allem durch die Figurenzeichnung und die Darsteller besticht.
    2. Die Vaterlosen: Familiendrama in der Tradition von "Das Fest" und "Hierankl" über vier Geschwister, die sich nach dem Tod des Vaters in dessen Landhaus treffen und sich an ihre Kindheit erinnern.

      Marie Kreutzer begutachtet das Erbe der 68er, indem sie vier (Halb)Geschwister nach dem Tod des Erzeugers über ihre Kindheit in einer Kommune nachsinnen und damit abrechnen lässt.

      Hans liegt im Sterben, doch freundliche Worte für seinen Sohn Niki hat er keine übrig. In den Stunden nach seinem Ableben finden sich die anderen drei erwachsenen Geschwister in dem halbverfallenen Landhaus in einem idyllischen Tal irgendwo in Österreich ein. Sie sind nun offiziell vaterlos, aber vielleicht waren sie das auch schon lange zuvor: Vito und die neurophysisch beeinträchtigte jüngste Tochter Mizzi staunen über das Erscheinen der vor 20 Jahren aus der WG verstoßenen Kyra, haben sich aber selbst längst aus den Augen verloren. Während der Vorbereitungen zur Beerdigung nächtigen sie samt Anhang bei Hans‘ jüngerer Lebensgefährtin in der heruntergekommenen Kindheitsstätte; jeder bockt gehörig und trägt seine Vorwürfe mit sich herum - eine gefährliche Gemengelage, die Züge von Vinterbergs „Das Fest“ und erst recht Steinbichlers „Hierankl“ trägt. Die Abrechnung kann beginnen.

      Es obliegt - der als einzigen wirklich sympathisch gezeichneten - Mizzi, die das Herz auf der Zunge trägt, die schwierige Familienhistorie zu ergründen. Denn die schwierigen Blutsverwandten geben sich maulfaul. Fragen sind unerwünscht, es wird verdrängt und vertuscht. Ein alternatives 68er-Paradies, wie die goldgelben Rückblenden zunächst suggerieren, war die Vergangenheit nicht. Schon mehr eine Art Hippie-Hölle, in der sich ein Kollektiv um den rücksichtslosen Selbstverwirklicher Hans gruppierte. Die emotional verheerenden Folgen dieses regellosen Miteinanders trägt die Nachfolgegeneration, die das verantwortungslose Verhalten ihrer Eltern ausbaden muss.

      Die verkorkste Familienbande scheitert nun selbst, diese Kommunen-Utopie wieder aufleben zu lassen, derweil Spielfilmdebütantin Kreutzer viele aufwühlende Geheimnisse aus lauter kleinen Puzzlestücken zusammensetzt. Dass sie kein Traktat im Sinn hat, sondern ein sehr menschlich nachvollziehbares Drama, das von den Charakteren angetrieben wird, ermöglicht ein Psychogramm um Schuld und Niedertracht, was andernfalls zur Kommunen-Seifenoper verkommen wäre. Wie sich die Erbengemeinschaft gegenseitig piesackt und so manche böse Überraschung erlebt, daran arbeitet sich Kreutzer mitunter etwas zu verbissen ab, im Schlussakt droht die Groteske. Aber ihre genau beobachtete Geschwisterstudie kennt jede Tücke des Miteinanders und das spielwütige Ensemble entlarvt alle Unverfänglichkeiten als pure Illusion. tk.

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