Die Tränen meiner Mutter

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   2008
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Filmhandlung und Hintergrund

Als Alex (Adrian Goessel) 10 Jahre ist, flüchten seine jungen Eltern mit ihm aus dem von der Militärjunta unterdrückten Argentinien ins demokratische Westberlin. Vater Carlos (Rafael Ferro) und Mutter Lizzy (Erica Rivas) beziehen eine Fabriketage und richten mit Freunden und Bekannten eine WG ein. Diese wird Alex‘ Familie, in der er aufwächst. Aber auch seine telekinetischen Fähigkeiten können die Eheprobleme der Eltern nicht entschärfen.

Beeindruckendes Spielfilmdebüt von Alejandro Cardenas-Amelio, der in Rückblenden vom Erwachsenwerden vor gesellschaftspolitischem Hintergrund erzählt. Wohldosierter Spott, Nostalgie und Melancholie prägen die vom magischen Realismus beeinflusste Familiensaga.

Alex flieht zusammen mit seinen Eltern Anfang Alex flieht zusammen mit seinen Eltern Anfang der Achtzigerjahre vor der Militärjunta aus Argentinien in eine skurrile WG in Westberlin. Sein Vater Carlos vergeht vor Heimweh und kann sich nie im kalten Deutschland akklimatisieren, während seine Mutter Lizzy obsessiv das Elend der Welt dokumentiert und ihn derweil vernachlässigt. Alex hingegen entwickelt auf wundersame Art telekinetische Fähigkeiten.

Alex flieht zusammen mit seinen Eltern Anfang der Achtzigerjahre vor der Militärjunta aus Argentinien in eine skurrile WG in Westberlin. Sein Vater Carlos vergeht vor Heimweh und kann sich nie im kalten Deutschland akklimatisieren, während seine Mutter Lizzy obsessiv das Elend der Welt dokumentiert und ihn derweil vernachlässigt. Alex hingegen entwickelt auf wundersame Art telekinetische Fähigkeiten, womit er zunächst verhindert, dass Carlos‘ Affäre mit der spanischen Mitbewohnerin Anita auffliegt.

In einer skurrilen Westberliner WG entwickelt das Kind einer argentinische Flüchtlingsfamilie wundersame Fähigkeiten. Alejandro Cardenas Amelios nostalgisch-melancholisches Regiedebüt zieht trotz kleinem Budget in seinen Bann.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Eine ungewöhnliche Familiengeschichte wird über viele Jahre aus der Sicht des jungen Alex' erzählt. Alex wächst in den 1980er Jahren als Sohn argentinischer Flüchtlinge in Berlin auf. Dem Regisseur Alejandro Cardenas-Amelio gelingt es mit seinem Debütfilm, eine Welt voller Magie und Poesie zu entwerfen. In groß-artigen Bildern, mit virtuosen Kamerafahrten und einer grandiosen Ausstattung beschreibt er eine zunächst aus der Not zusammengewachsene Lebensgemeinschaft vieler faszinierender Persönlichkeiten. Dabei fängt er auch den Alltag und die daraus entstehenden Konflikte auf ernsthafte und zugleich heitere Weise ein. Immer ist ihr Umgang geprägt von Liebe und Toleranz - ein kleiner Beitrag zu Völkerverständigung. Ein Sehgenuss der besonderen Art.

    Jurybegründung:

    In Buenos Aires beginnt und endet der Film. In diesem Rahmen wird die Geschichte einer argentinischen Familie erzählt, die während der Militärdiktatur das Land verlassen muss und ihre Wahlheimat in Berlin findet.

    Gemeinsam mit einer Reihe von außergewöhnlichen Menschen bewohnen sie eine ausgebaute Fabriketage, die Atelier, Arbeitsplatz, Wohnraum und Schlafraum zugleich ist. Ein ideales Spiel- und Beobachtungsfeld für den jungen Alex, aus dessen Sicht das von Heimweh, Existenznöten und Beziehungskrisen geprägte, bunte Miteinander geprägt ist. Sehr schön sind auch die historischen Bezüge als Background für das Leben auf Zeit der zusammen gewürfelten Großfamilie.

    Mit Spannung verfolgt der Zuschauer diese Familiengeschichte der besonderen Art, die durch eine gute und typgerechte Besetzung und ihr intensives Spiel viel an Authentizität gewinnt. Der sehr guten Kamera gelingt es gemeinsam mit einer stimmigen Ausleuchtung, Perspektiven zu zaubern, welche die besondere Atmosphäre dieses Mikrokosmos' innerhalb der Weltstadt Berlin entstehen lässt.

    Musik und Montage passen sich der Qualität des sicher inszenierten Films an.

    Einwände hatte der Ausschuss lediglich gegen die inhaltliche Überfrachtung mit zu vielen Handlungssträngen, was aber letztlich den positiven Gesamteindruck nicht schmälern soll.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • „Die Tränen meiner Mutter“ ist so sicher inszeniert, dass man kaum glauben kann, dass es der erste Spielfilm des jungen Regisseurs Alejandro Cardenas-Amelio ist. Erfährt man dann jedoch, dass er seinen ersten Zeichentrickfilm bereits im Alter von fünf Jahren realisiert hat und mit 20 Jahren schon mit mehr als 20 Preisen für seine Videokurzfilme ausgezeichnet wurde, wundert man sich über die Qualität dieses Debüts nicht mehr. Und noch zwei weitere Personen haben im Zusammenhang mit dem Film eine kleine Lobhudelei verdient. Zum einen Kameramann Florian Schilling, dessen schwerelos erscheinende Kamera die Geschichte mit ebenso ausdrucksstarken wie zielgenauen Bildern einfängt, zum anderen Kinderdarsteller Adrian Gössel, der die Rolle des jungen Alex in idealer Weise ausfüllt. Fairerweise muss man aber auch den anderen Hauptdarstellern offensichtliches Talent zugestehen.

    Nach Angaben des gebürtigen Peruaners Cardenas-Amelio sind weite Teile des Films autobiographische Versatzstücke seiner eigenen Kindheit, die er in Argentinien, Brasilien, Italien und Deutschland verbrachte. Dementsprechend glaubwürdig geraten die im Film dargestellten Migrations-Existenzen zwischen verlorener Heimat, permanentem Neuanfang und dem Leben zwischen unterschiedlichen Welten. „Die Tränen meiner Mutter“ ist jedoch nicht nur eine Migrations- und Beziehungsgeschichte. Gewissermaßen durch das Hintertürchen erhascht man auch einen Blick in die politische Zeitgeschichte der 80er Jahre.

    Doch da der Film aus dem Blickwinkel des jungen Alex erzählt wird, kann es passieren, dass das Unspektakuläre – wie ein Blick in die Mädchenumkleide – plötzlich spektakulär wird und das scheinbar Wichtige – wie der gewaltsame Tod des Onkels durch die argentinische Militärjunta – ganz in den Hintergrund gerät. Und bei einer solchen Sicht auf die Dinge werden die Beziehungskrisen der Eltern eben nicht durch die Unwägbarkeiten der Realität, sondern durch kleine telekinetische Tricks ausgelöst, die Alex sonderbarerweise beherrscht. In ihnen spiegeln sich wohl vor allem seine eigenen Schuldgefühle, die Ehe seiner Eltern nicht retten zu können.

    Wie die meisten persönlichen Rückblicke auf die Vergangenheit ist auch „Die Tränen meiner Mutter“ ein wenig nostalgisch verklärend. Doch Cardenas-Amelio bemüht sich, trotz dramatischem Unterton und zunehmender Hoffnungslosigkeit, einen leichten und humorvollen Ton zu finden, mit der er seine Geschichte erzählt. Und so überwiegt trotz Krisenstimmung immer wieder das Gefühl von glücklicher Kindheit. Ein wenig unpassend gestaltet sich die Rahmenhandlung, welche die lange Rückblende einklammert, doch davon abgesehen ist der Film ein wirklich gelungenes Spielfilmdebüt.

    Fazit: Das sicher inszenierte, ausdrucksstark gefilmte und mit sehr guten Darstellern ausgestattete Migrations- und Beziehungsdrama ist gleichzeitig ein gelungenes Spielfilmdebüt. Den Namen des Regisseurs sollte man sich merken.
  • Kindheitserinnerungen und Familiengeschichte ergänzen sich auf höchstem Niveau im Drama über eine Exil-Familie, die in eine Berliner Kommunen-Gemeinschaft geflüchtet ist.

    Das Politische als Motor der Geschichte bleibt immer präsent und lässt Menschen Dinge tun, die sie nie gewollt haben: Argentinien hat den Eltern von dem als Ich-Erzähler auftretenden Alex (Adrian Goessel als Kind, später Fabian Busch) das Herz gebrochen – wegen der folternden Militärjunta, die Mutter Lizzys Bruder verschleppt hat. Deshalb sind sie und ihr Mann Carlos mit dem Jungen von Buenos Aires nach Alemania ausgewandert und leben mit Freunden und anderen (Lebens)Künstlern in einer geräumigen Fabriketage in Westberlin – Anfang der 80er Jahre auch so eine Insel inmitten einer Diktatur.

    Die skurrile WG ausgefallener Gestalten wird zu Alex‘ Elternhaus, weshalb er verklärt, was nicht immer so angenehm ist: Carlos vergeht vor Heimweh und kann sich nie im kalten Deutschland akklimatisieren, Lizzy dokumentiert obsessiv das Elend der Welt und vernachlässigt ihn – beide entfremden sich im Laufe der Jahre. Auf wundersame Art entwickelt Alex telekinetische Fähigkeiten, womit er zunächst verhindert, dass Carlos‘ Affäre mit der spanischen Mitbewohnerin Anita auffliegt. Später wird sein Talent ausgerechnet zum Sargnagel für die längst zerrüttete Beziehung.

    Diesen bitterschönen, tragischen Tango vermengt der kosmopolitisch aufgewachsene Alejandro Cardenas Amelio in seinem ersten Spielfilm mit ironischen-satirischen Skizzen, komischen Intermezzi und immer wieder auch kurzen Oden an die kindliche Fantasie und die Magie des Kinos – wenn sich die Kommune mit eigenem Filmprojektor Murnaus „Nosferatu“ anschaut. Diese wiedergefundene Zeit rafft Amelio mit viel Geschick und erzeugt ein einfühlsames Auf und Ab der Emotionen, wobei er im Mikrokosmos des Lofts immer genau den richtigen Ton trifft.

    So erzählt er vom Erwachsenwerden und beruft sich auf die Tradition des magischen Realismus, erinnert aber auch im guten Sinne an renommierte Familienepen wie „Antonias Welt“ und „Das Geisterhaus“ – als eine alternative Kammerspielversion von Allendes Welterfolg. Trotz kleinem Budget zieht das handwerklich in jeder Beziehung erstklassige und dramaturgisch ausgereifte Werk in seinen Bann. Ein wahrer Genuss, der Gesellschaftsgeschichte und persönliche Rückschau nostalgisch-melancholisch verquickt – das cineastische Äquivalent zum Blättern in einem Familienalbum, wo man lieb gewonnene Menschen wiederfindet, die nicht mehr unter uns weilen. tk.

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