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Das Menschenmögliche

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Filmhandlung und Hintergrund

Das ZDF wird seine Gründe haben, warum es die Reihe „Shooting Stars - Junges Kino im Zweiten“ erst um Mitternacht zeigt. Dabei wäre das Drama „Das Menschenmögliche“ ein probater „Fernsehfilm der Woche“; der Film hatte ohnehin gar keine Kinoauswertung. Eva Wolf (Buch und Regie) erzählt in ihrem Spielfilmdebüt von der jungen Assistenzärztin Judith (Alissa Jung), die in der Notaufnahme eines Stuttgarter Krankenhauses...

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Kritikerrezensionen

  • Das ZDF wird seine Gründe haben, warum es die Reihe „Shooting Stars - Junges Kino im Zweiten“ erst um Mitternacht zeigt. Dabei wäre das Drama „Das Menschenmögliche“ ein probater „Fernsehfilm der Woche“; der Film hatte ohnehin gar keine Kinoauswertung.

    Eva Wolf (Buch und Regie) erzählt in ihrem Spielfilmdebüt von der jungen Assistenzärztin Judith (Alissa Jung), die in der Notaufnahme eines Stuttgarter Krankenhauses arbeitet und völlig übermüdet einen fatalen Fehler begeht: Die falsche Etikettierung einer Blutprobe hat zur Folge, dass eine Patientin an Blutvergiftung stirbt. Weil der Witwer die Klinik verklagen will, wird Judith „aus der Schusslinie“ genommen und zum Dienst als Notärztin versetzt.

    Entstanden ist „Das Menschenmögliche“ in Zusammenarbeit mit dem Kleinen Fernsehspiel. Die Produktionen dieser Redaktion werden stets zu nachtschlafender Zeit ausgestrahlt, weil sie oft inhaltlich oder stilistisch nicht mehrheitsfähig sind. Für Eva Wolfs Arbeit gilt das jedoch gerade nicht, im Gegenteil; ihre unauffällige Inszenierung sieht derart nach Fernsehen aus, dass der Film im Kino vermutlich ohnehin kaum Chancen gehabt hätte. Allerdings hat er auch deutliche Schwächen, denn Wolf will zu viel. Dass Judiths traumatische Erfahrung Folgen für ihr Privatleben hat, ist nachzuvollziehen. Wenig Erkenntnisgewinn bringt dagegen das komplizierte Verhältnis der Hauptfigur zu ihrer Mutter Hedi (Astrid M. Fünderich), zumal diese Rolle allzu klischeehaft ausfällt. Viele weitere Figuren sind ähnlich überzeichnet. Gerade der ärztliche Leiter der Klinik (Marcus Calvin) ist ein blasierter Halbgott in Weiß, der darüber schwadroniert, dass Frauen wegen ihrer Gefühligkeit für den Beruf nicht geeignet seien. Die Dialoge der Arztgespräche sind zudem nicht gut geschrieben; manche dienen vor allem der Information des Publikums, andere klingen wie deklamierte Lehrsätze, und einige sind schlicht phrasenhaft („Ärzte sind auch nur Menschen“).

    Ein weiteres Manko ist die thematische Überfrachtung, denn Judith wird als Notärztin ständig mit Ausnahmesituationen konfrontiert. Es ist zwar aller Ehren wert, dass die Regisseurin diese Missstände anprangert, aber ihr Film legt die Vermutung nahe, der Alltag bestünde nur aus solchen Extremen. Andererseits fehlt diesen Szenen ein gewisser Biss; Kameraführung und Schnittfrequenz könnten ruhig packender sein. Womöglich wollte sich Wolf, die zuvor vor allem Dokumentarfilme gedreht hat, bei ihrer ersten szenischen Regiearbeit nicht dem Vorwurf aussetzen, die Einsätze allzu plakativ inszeniert zu haben.

    Sehenswert ist „Das Menschenmögliche“ allerdings wegen Alissa Jung, die die seelischen Nöte der Hauptfigur sehr nachvollziehbar verkörpert. Die einst durch die Sat.1-Telenovela „Schmetterlinge im Bauch“ (2006/2007) bekannt gewordene Schauspielerin ist wegen ihrer sympathischen Grübchen geradezu prädestiniert für Romanzen wie die Rollentauschkomödie „Im Brautkleid meiner Schwester“ (Sat.1, 2012), aber sie überzeugt auch in dieser dramatischen Rolle. Dass sie promovierte Ärztin ist, verleiht dem Dilemma eine besondere Authentizität: Natürlich bangt Judith um ihren Traumberuf, aber dass ihre Vorgesetzten den Todesfall vertuschen und keinerlei Anstalten machen, die Missstände zu beheben, will sie auch nicht akzeptieren. Berichte über die Überforderung von Ärzten, deren Erschöpfung nach 24 Stunden Dauerdienst fast zwangsläufig zu Fehlern führt, kann es gar nicht genug geben. Ein Spielfilm erreicht außerdem erfahrungsgemäß weitaus mehr Menschen als eine Reportage; aber natürlich nicht um Mitternacht. tpg.
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