Die Lincoln Verschwörung (2010)

Originaltitel: The Conspirator
Die Lincoln Verschwörung Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Lincoln Verschwörung: Spannendes Gerichtsdrama um den Anwalt von Mary Surratt, die in die Ermordung Abraham Lincolns verwickelt sein soll, der in die Tochter seiner Mandantin verliebt ist.

Kriegsheimkehrer Hauptmann Frederick Aiken wird von seinem Mentor, dem ehemaligen Generalbundesanwalt, dazu gedrängt, die Witwe Mary Surratt zu verteidigen, die beschuldigt wird, in ihrer Pension die Attentäter Präsident Lincolns beherbergt zu haben. Die Frage lautet: Hat sie vom Komplott gewusst? Der fanatische Kriegsminister Edwin Stanton ist von ihrer Schuld überzeugt, drängt auf ein rasches (Todes-)Urteil und wird in seiner Ansicht von den meisten Nordstaatlern unterstützt. Ist ein fairer Prozess überhaupt möglich?

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Zahlreiche Western spielen in der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges zwischen 1861 und 1865. Vor diesem historischen Setting schickte John Ford seine Kavallerie ins Feld, gerne angeführt von John Wayne, und auch Sergio Leone siedelte seinen Italo-Western „The Good, the Bad and the Ugly“ in dieser Epoche an.

    Mit seinem neuen Film beweist Robert Redford eindrucksvoll, dass das Szenario sich auch hervorragend für andere Genres eignet. „Die Lincoln Verschwörung“ ist ein bisschen Politthriller, ein bisschen Familien- und vor allem ein klassisches Courtroom-Drama. Die Handlung kreist um den Prozess gegen Mary Surratt und findet immer wieder zurück in den Gerichtssaal. Es ist keiner dieser erhabenen, herrschaftlichen Orte, an denen das Militärgericht über Schuld oder Unschuld der Angeklagten befindet, sondern ein recht heruntergekommener, schlecht beleuchteter, provisorisch eingerichteter Raum innerhalb der Mauern eines Armeegefängnisses. Und Justizia ist nicht blind in diesem speziellen Fall: sie hat in Person des Anklägers Joseph Holt (Danny Huston) ein recht deutliches Bild der Ereignisse Anfang April 1865 vor Augen, ein Bild, das nur einen Schluss zulässt: Mary Surratt ist schuldig – zumindest, solange es ihrem Verteidiger nicht gelingt, den als Richter fungierenden Offizieren unter dem Vorsitz von General David Hunter (Colm Meaney) ihre Unschuld zu beweisen.
    Die Unschuldsvermutung ist einer der zentralen Grundsätze der modernen Rechtsprechung. Im Prozess gegen Mary Surratt wird sie ins Gegenteil verkehrt.

    Indem er sich in „Die Lincoln Verschwörung“ mit diesem fundamentalen Thema auseinandersetzt, gelingt Robert Redford ein beeindruckender Spagat zwischen einem historischen Portrait und der zeitlosen Frage nach der Allgemeingültigkeit der Werte, auf denen die amerikanische und eigentlich jede moderne Verfassungen basiert. Mit einer erstaunlichen Liebe zum Detail inszeniert er die Ereignisse des Jahres 1865 und gibt dabei einen sehr authentisch wirkenden Einblick in die Epoche – nicht in den Wilden Westen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sondern in den vermeintlich zivilisierten Osten der Vereinigten Staaten zu jener Zeit. Die Stadtansichten Washingtons, die Kostüme, sogar Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass der großgewachsene Lincoln in dem Haus, in dem man ihn nach dem Attentat schwerverletzt zu behandeln versuchte, nur diagonal auf das Bett gepasst hat: all das zeugt von der Akribie, mit der Redford für den Film recherchiert hat.

    Gleichzeitig behandelt er Fragen, die gerade in einem Amerika nach 9/11 aktueller denn je sind und die wohl nie an Aktualität verlieren werden. Es geht um Gerechtigkeit und Menschenwürde, um die Grundsätze von Gesellschaften, die sich als zivilisiert bezeichnen, und darum, dass diese Grundsätze auch und gerade in schwierigen Zeiten ihre Gültigkeit haben müssen.

    Fazit: Spannend und authentisch inszeniertes Courtroom-Drama, das trotz des historischen Backgrounds eine aktuelle Relevanz hat. Sehr sehenswert!
  • An Hand des historischen Prozesses hält Robert Redford in seinem sorgfältig gehandhabten Gerichtsfilm ein aufrüttelndes Plädoyer auf die US-Verfassung.

    Er ist der letzte Aufrechte des amerikanischen (Independent-)Kinos, das ewige Sundance Kid, der unbeirrbare Streiter für Gerechtigkeit: Robert Redford. “Von Löwen und Lämmern”, vom Krieg in Afghanistan und an der Heimatfront hat er zuletzt erzählt und nun ist er noch weiter in die US-Geschichte zurück gegangen. Um die “Lincoln Verschwörung” geht es ihm diesmal, um die Folgen des tödlichen Attentats auf den charismatischen 16. Präsidenten der USA, der die Sklaven befreite, sein Land vom Bürgerkrieg in die Neuzeit führte.

    Auf einem Schlachtfeld lernt man den verwundeten Hauptmann Frederick Aiken (energisch: James McAvoy), einen überzeugten Nordstaatler, kennen. Es folgt die Ermordung des Staatsoberhaupts durch John Wilkes Booth und dann ist der Regisseur beim Thema: Dem auf Tatsachen basierenden Prozess gegen die drei Mitverschwörer und deren Wirtin Mary Surratt (stark: Robin Wright), die die Männer beherbergt und sich so zur Mittäterin gemacht hat. Aber hat sie vom Komplott gewusst? Aiken, im Zivilberuf Anwalt, übernimmt auf Drängen seines Mentors (wuchtig: Tom Wilkinson) widerwillig deren Verteidigung.

    Ein Gerichtsfilm mit klassischen Parametern, basierend auf der Buchvorlage von James D. Solomon und Gregory Bernstein, ein Plädoyer auf die US-Verfassung, die sowohl in Zeiten des Kriegs und des Friedens Bestand haben sollte. Die Vergangenheit spiegelt die Moderne, im Subtext geht es natürlich um Abu Guhraib und Guantanamo, um das Recht des Stärkeren oder wie der Ankläger es auf den Punkt bringt: “Inter arma silent leges” – “Unter Waffen schweigen die Gesetze”. Sorgfältig beleuchtet Redford die Standpunkte, Kläger und Beklagte kommen gleichermaßen zu Wort, den Gerichtssaal verlässt er immer wieder, um in Rückblicken die verschiedenen Aussagen zu bebildern, sie zu belegen oder ihnen zu widersprechen.

    Wahrheitssucht ist eine komplexe Sache und auch Frage der Perspektive. Die einzelnen Figuren repräsentieren die verschiedenen Meinungen, die Schauspieler sind gut gewählt und agieren in Topform. Kevin Kline glänzt als fanatischer Kriegsminister, Evan Rachel Wood als Tochter der Angeklagten, Alexis Bledel als Frau an Aikens Seite. Funktional sind Kameraarbeit (Newton Thomas Sigel) und Soundtrack (Mark Isham), das eher karge Produktionsdesign ist dem 25-Millionen-Dollar-Budget geschuldet. Ein Film über Mutterliebe – ihr Sohn ist der einzige flüchtige Komplize -, Soldatenehre und den Durst einer Nation nach Rache. Und als Mahnmal leuchtet im Hintergrund immer wieder die Kuppel des Kapitols, dem Sitz des Kongresses, der Legislative der Vereinigten Staaten von Amerika.

    geh.

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