Die lange Welle hinterm Kiel

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   2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Die lange Welle hinterm Kiel: Sehenswerte Verfilmung von Pavel Kohouts Parabel über Schuld und Sühne nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die steinreiche Witwe Margarete Kämmerer ist wie vom Donner gerührt, als sie 45 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf einem Kreuzfahrtschiff die ebenso vertraute wie verhasste Stimme von Martin Burian vernimmt. Margarete und ihr damaliger Mann Sepp waren Sudetendeutsche. Nach der Befreiung durch die Rote Armee war der Tscheche Burian für die Erschießung Sepps verantwortlich. Margarete will Rache; und sie hat eine Pistole.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Jede Medaille hat ihre Kehrseite, und kein Ereignis bleibt ohne Folgen: Schon der Titel verdeutlicht die Parabelhaftigkeit dieses mit großen Namen besetzten Dramas.

    Wie der Roman von Pavel Kohout, so beginnt auch der Film wie eine der üblichen Kreuzfahrtgeschichten, selbst wenn sich diese hier im Jahr 1990 zuträgt: Die Passagiere kommen an Bord, und zwei erfahrene Mitglieder der Besatzung tauschen böse Kommentare über ihre Gäste aus. Aber schon bald weicht die heitere Atmosphäre bitterem Ernst: Margarete Kämmerer (Christiane Hörbiger), deren Reichtum es ihr erlaubt, alle nur erdenklichen Bosheiten ausleben zu können, ist wie vom Donner gerührt, als sie am Tisch hinter sich eine altvertraute Stimme vernimmt. Dort sitzt Martin Burian, der 1945 für die Erschießung ihres ersten Mannes Sepp verantwortlich war. Margarete will Rache; und sie hat eine Pistole.

    Im Unterschied zum Buch kann ein Film auf ganz andere Weise mit Figuren spielen. Das beginnt schon mit der Besetzung. Weil Burian von Mario Adorf verkörpert wird, nimmt man ihn zunächst als sympathischen älteren Herrn wahr. Durch das Wissen um seine Vorgeschichte ändert sich der Blick naturgemäß; plötzlich entdeckt man die Schattenseiten dieser Figur. Aber Autor Klaus Richter und Regisseur Nikolaus Leytner treiben das Spiel noch weiter. Margarete Kämmerer ist in Begleitung ihres Großneffen Sigi (Christoph Letkowski), dem sie einen seltenen Einblick in ihr Gefühlsleben gestattet, als sie ihm erzählt, was sich damals zugetragen hat, als die Tschechen 1945 nach der Befreiung durch die Rote Armee blutige Rache an den Sudetendeutschen nahmen. Entsprechende Rückblenden untermauern ihre Sicht der Ereignisse, und Rückblenden dürfen einem ungeschriebenen Gesetz zur Folge nicht lügen. Geschickt nutzt Leytner allerdings das gleiche Bildmaterial, um ähnlich wie Akira Kurosawa in seinem Meisterwerk „Rashomon“ zu beweisen, dass nicht die Bilder über Lüge und Wahrheit entscheiden, sondern die Perspektive: Burian ist in Begleitung seiner Schwiegertochter Sylva (Veronica Ferres). Sigi, ohnehin angetan von der älteren Frau, zieht sie ins Vertrauen, und nun erfährt man die andere Seite: Für Margarete war Sepp vor allem ihr Mann; für den Tschechen Burian war er ein Nazi, der unter anderem seinen Bruder auf dem Gewissen hatte.

    Gerade das darstellerische Kräftemessen zwischen Christiane Hörbiger und Mario Adorf, die hier zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera stehen, macht „Die lange Welle hinterm Kiel“ zu einem ganz besonderen Film. tpg.

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