Die Freundin meiner Mutter

Filmhandlung und Hintergrund

Im Ansatz originelle, in der Umsetzung aber unrunde Komödie über einen jungen Mann, der Vater seines Bruders werden soll. Die Bezeichnung „Trauma“ wäre vermutlich übertrieben, aber für eine prägende Erinnerung hat das Erlebnis in jedem Fall gesorgt: Buchhändler Jan war als Zwölfjähriger bis über beide Ohren in ein reizendes Au-pair-Mädchen verknallt und entsprechend schockiert, als er die für Marcel Proust...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Im Ansatz originelle, in der Umsetzung aber unrunde Komödie über einen jungen Mann, der Vater seines Bruders werden soll.

    Die Bezeichnung „Trauma“ wäre vermutlich übertrieben, aber für eine prägende Erinnerung hat das Erlebnis in jedem Fall gesorgt: Buchhändler Jan war als Zwölfjähriger bis über beide Ohren in ein reizendes Au-pair-Mädchen verknallt und entsprechend schockiert, als er die für Marcel Proust schwärmende Französin im Bett seiner Mutter Viktoria erwischte. Damals hat er ein Liebesideal entwickelt, das für jedes sterbliche Wesen unerreichbar ist. Umso entzückter ist Jan (Max Riemelt), als eines Tages Rosalie (Antje Traue) in seinen Laden schneit. Sie ist schön, liebt Literatur und zitiert Proust: die perfekte Seelenverwandte; bis sich rausstellt, dass sie die neue Lebensgefährtin von Viktoria (Katja Flint) ist. Endgültig kompliziert wird die Sache, als Jans Mutter ihn bittet, Samenspender für das gemeinsame Wunschkind der beiden Frauen zu werden. Zunächst ist er schockiert, dann willigt er ein. Als er nicht auf Knopfdruck liefern kann, schlägt er vor, die Befruchtung klassisch zu vollziehen. Viktoria reagiert empört, aber Rosalie ist bereit, sich darauf einzulassen; es wäre ihr erstes Erlebnis mit einem Mann.

    Vor einigen Jahren hätte der Film prima auf den Freitagstermin im „Ersten“ gepasst. Das war in der Übergangsphase, als die neue Degeto-Führung das Stammpublikum mit vergleichweise revolutionären Themen verstörte. Ein Paradebeispiel ist „Vier kriegen ein Kind“ (2015), eine Komödie über zwei gleichgeschlechtliche Paare mit Kinderwunsch. Würde die Degeto, heißt es in Autorenkreisen, diese Geschichte heute noch mal verfilmen, würden die beiden Paare am Ende über Kreuz zwei klassische heterosexuelle Beziehungen eingehen. Für „Die Freundin meiner Mutter“ hieße das wohl: Rosalie erkennt nach dem Zeugungsakt mit Jan, dass sie auf dem falschen Dampfer war. Der Film ist jedoch im Auftrag des NDR entstanden, weshalb das Drehbuch keinen Verrat an der Figur begeht; nicht Rosalie, sondern Jan ist es, der einen Lernprozess durchmacht.

    Obwohl die Konstellation alle Voraussetzungen für eine romantische Komödie erfüllt, ist der Film trotzdem nicht rundum gelungen. Die mitunter komplizierten Dialoge zum Beispiel werden nicht immer glaubwürdig vorgetragen. Dass die Kapitalismuskritik von Jans Vater (Ernst Stötzner) oder die feministischen Vorträge Viktorias deklamiert klingen, ist dabei das kleinere Manko; die Tiraden sind genauso formelhaft wie im wahren Leben. Aber auch die Kneipengespräche zwischen Jan und seiner Mitbewohnerin und besten Freundin Hannah wirken einstudiert, und das ist ein Problem, denn in diesen Szenen sollte es eigentlich knistern.

    Dass das nicht passiert, ist auch eine Frage der Besetzung. Regisseur Mark Monheim hat mit Jasna Fritzi Bauer sein Regiedebüt „About a Girl“ (2015) gedreht, eine wunderbar gespielte Tragikomödie über das ganz normale Dasein eines Teenagers zwischen Lebensmüdigkeit und Übermut. Die Titelfigur war wie geschaffen für Bauer, die seither eine ganze Reihe rotziger Rollen gespielt hat (allen voran in „Axolotl Overkill„, 2017). Das schließt eine Mitwirkung in einer romantischen Komödie natürlich nicht aus, hat aber zumindest eine gewisse Gewöhnungsbedürftigkeit zur Folge, zumal sie es auch als Hannah nicht darauf anlegt, sonderlich liebenswert zu erscheinen. Eine kleine Überraschung ist dagegen Antje Traue, die Rosalie nicht etwa als Vamp anlegt, sondern als leicht verhuschte schlummernde Schönheit. Einige Szenen sind allerdings unnötig klamottig und wirken, als seien im Zuge der Drehbuchbearbeitung immer neue Gags hinzugekommen. tpg.

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