Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

  1. Ø 4
   2007

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford: Neuerzählung der mythischen Westerngeschichte von Jesse James, die auch einen Blick in das Privatleben des Outlaws wagt.

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Filmhandlung und Hintergrund

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford: Neuerzählung der mythischen Westerngeschichte von Jesse James, die auch einen Blick in das Privatleben des Outlaws wagt.

Der epische Western „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ von Andrew Dominik erzählt die Geschichte des Banditen Jesse James, der sich im Mittleren Westen der USA in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts als eine Art Robin Hood einen Namen gemacht hat.

Jesse James (Brad Pitt) ist in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ sowohl ein Gesetzloser als auch ein Volksheld, dessen räuberische Taten von der Öffentlichkeit verklärt und romantisiert werden. Auch der junge Robert Ford (Casey Affleck) gehört zu den Menschen, für die der Bandit Jesse James ein Idol ist. Im zarten Alter von 19 Jahren entschließt sich Robert, seinem großen Vorbild nachzueifern und ihn aufzusuchen. Robert Ford schließt sich der Truppe um Jesse James an und kommt seinem großen Idol sehr nahe. Doch der glorifizierte Robin Hood ist nicht der Mann, den sich Robert Ford in seinen Träumen und Vorstellungen erhofft hat.

Jesse James ist ein Egomane, vor dessen Wutausbrüchen niemand sicher sein kann und zudem ein übervorsichtiger Geselle, der niemandem traut und der kein edelmütigen Charakter aufweist, sondern eher paranoid und misstrauisch ist. Tief enttäuscht beginnt Robert Ford daraufhin mit seinem Gewissen zu ringen, da er vom Sheriff von Kansas City das Angebot erhält, nicht in das Gefängnis zu müssen, falls er seinen Kumpanen den Behörden ausliefert. Immer mehr wird Robert Ford klar, in welch einer Zwickmühle er steckt. Da ist es natürlich umso brisanter, als Jesse James ihn bittet, eine Weile bei ihm zu wohnen. Ein Nervenkrieg beginnt.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Brad Pitt in den Fußstapfen von Robert Redford - als ein Darsteller nämlich, der überlegt, welcher Figur und welcher Interpretation er Gestalt und Präsenz leiht. Zehn Jahre hat er diesen ungewöhnlichen Film mit vorbereitet, der eine Western-Figur mit ganz unheroischem Blick erfasst. Einen Großteil des Films lässt Pitt einem anderen Darsteller: dem Talent Casey Affleck (auch in \"Gone Baby Gone\" zu sehen). Eine Medien-geschichte ist dies, eine Modernisierung des Western-Genres. Und ein wunderschöner Film, wunderbar fotografiert. Jurybegründung: In seinen ersten Minuten erfüllt der Film noch die Erwartungen, die an einen Western gestellt werden. Der nächtliche Überfall auf einen Eisenbahnzug ist spannend inszeniert, es gibt eine überraschende Einstellung, in der sich der Zug zuerst auf die Kamera zu bewegt und diese dann auf ihn aufzuspringen scheint - es gibt Schüsse, Schläge, erschrockene Passagiere und davon reitende Outlaws. Aber dann löst Jesse James seine Bande auf und der Film verwandelt sich in eine Psychostudie, in deren Mittelpunkt Jesse James und sein späterer Mörder Robert Ford stehen. Jesse James ist so etwas wie der erste Medienstar Amerikas, der neunzehnjährige Robert Ford ist einer seiner fanatischen Verehrer. Andrew Dominik versucht hier, den Mythos um Jesse James zu demontieren und gleichzeitig von diesem Mythos zu erzählen. Jesse James wird als ein paranoider, von Depressionen geplagter Mann gezeigt. Brad Pitt verleiht ihm eine Aura, die spürbar werden lässt, warum dieser Mann zu solch einer mythischen Person werden konnte. Der beeindruckend präsente Casey Affleck spielt Robert Ford als sein negatives Spiegelbild. Wo James stark ist, ist er schwach, wo dieser wie ein Psychopath handelt, zögert jener wie ein Neurotiker. Die Einstellungen, in denen mit Unschärfen an den Rändern gearbeitet wird, so dass einzelne Bilder wie Fotografien aus jener Zeit aussehen, erinnern auch daran, dass hier der Mythos vom Westen hinterfragt wird. Auch der elegische Gestus und die epische Länge des Films, die eben nicht mit den gewohnten Genreszenen gefüllt wird, steht für solch eine Dekonstruktion. Entsprechend der Beschleunigung der Medien wird dann von Robert Fords Karriere nach dem Tod von James viel schneller und prägnanter erzählt. Ford hat nicht das Zeug zu einem Mythos, er ist stattdessen ein vorübergehend Prominenter, der auf Theaterbühnen immer wieder die eine Szene spielt, durch die er berühmt wurde. Er befriedigt die Sensationsgier des Publikums, weckt aber auch dessen Verachtung. Im letzten Akt zeigt sich, dass Robert Ford im Grunde die spannendere und interessantere Figur des Films ist. Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Robert Ford erschoss Jesse James am 3. April 1882, in Jesses eigenem Haus, von hinten, als Jesse gerade ein Bild abstaubte. Ford, Mitglied in Jesses Bande, war gerade 20 Jahre alt. Seit seiner Kindheit verehrte er sein Idol Jesse James, den Outlaw, den Verbrecher, dessen Abenteuer in Zeitungen und Groschenromanen weit verbreitet wurden, der den Ruf hatte, ein Robin Hood der Südstaaten zu sein. Auf den ein Kopfgeld ausgesetzt war, das höher war als alles Geld, das die James-Gang je erbeutet hatte.

    In seiner zweiten Hälfte wird der Film zu einem intensiven Drei-Personen-Stück zwischen Jesse James, Robert Ford und dessen Bruder Charlie, die eine neue Bande gründen und Banken überfallen wollen. Ein komplexes Beziehungsgeflecht besteht zwischen diesen, Jesse als Alphatier, das die Kontrolle hat, die Ford-Brüder schwanken zwischen freundschaftlicher Loyalität und Angst – und Bob, das schwärmerische Jüngelchen, sehnt sich nach Ruhm, nach Anerkennung. Zwischen Faszination für Jesse James und der Enttäuschung durch dessen Zuürckweisungen entschließt er sich, Jesse der Polizei in die Hände zu spielen. Und bringt ihn schließlich um.

    Woraufhin das Drama Robert Fords seinen Lauf nimmt, der sich Berühmtheit sichert, indem er seine Mordtat in ein Schmierentheaterstück vor stets ausverkauftem Haus nachstellt, und der feststellen muss, dass er als Verräter und Feigling gilt, weil er einen Kriminellen, der als Volksheld gefeiert wird, hinterrücks erschossen hat. Die Figur des Robert Ford, zwiespältig, komplex, hält den gesamten Film zusammen. Dieser schüchterne, unsichere Milchbubi, dieser naive Schwärmer, der immer von allen untergebuttert wird, der Kleine, der sich über all die Spötter so sehr erhaben sieht, der gerne im wirklichen Leben so wichtig wäre wie er sich fühlt, der die Freundschaft seines Idols Jesse James sucht, der enttäuscht wird und ihn dennoch weiter anhimmelt, dem dabei sein geltungssüchtiges Ego in die Quere komme: Casey Affleck spielt ihn ganz genau, jede Bewegung, jeder Blick aus verhangenen Augen sitzt, er geht ganz in seiner Rolle auf.

    Brad Pitt, ebenfalls hervorragend in seiner Rolle, gibt seinen Jesse James als Übervater, als undurchschaubares Phantom, als unberechenbare, bedrohliche Lichtgestalt, die mehr und mehr messianische Züge annimmt. Es scheint – und hier übernimmt der Film bewusst die pubertär-schwärmerische Sicht von Ford –, als wisse er wie Jesus um den Judas in seiner Nähe, er schenkt Ford den Revolver, mit dem er zwei Tage später erschossen wird, nach einem letzten Frühstücksmahl legt er erstmals in seiner Verbrecherlaufbahn seinen Pistolengurt ab vor dem finalen Schuss.

    Dem intensiven zweiten Teil des Films geht die detaillierte Beschreibung des Beziehungsgeflechtes voraus, aus dem die Motivation des Mordes erwächst. Die James-Gang in Auflösung, gezeichnet von inneren Spannungen zwischen den Mitgliedern, an deren Rand sich Robert Ford befindet: Das gerät dem Regisseur mitunter sehr verzettelt, ein allzu episodisches – wenn auch offenbar historisch genaues – Abspulen von kleinen Geschichten, die die große Geschichte von Bob und Jesse beeinflussen. Doch das ist eben doch zu viel, lenkt allzu sehr ab von der Zweierbeziehung Bob-Jesse, die das Rückgrat des Filmes bildet, und von deren permanentem Wechselspiel zwischen Überlegenheit, Ruhm, Freundschaft, Schwärmerei, Ego.

    Die Chronik der historischen Wahrheit beißt sich hier einerseits mit einer stringenten Dramaturgie, andererseits mit der mythischen Überhöhung, die der Film Jesse James angedeihen lässt. Eine Divergenz, die sich auch offenbart im Zusammen- (oder Gegeneinander-)Spiel von Voice-Over-Erzählung und den Bildern, die wir sehen. Da wird Jesse James vom Erzähler als körperliches Wrack geschildert, voll Paranoia und Depressionen; doch das sieht man den Bildern nicht an, hier spielt Pitt vor allem James’ Souveränität aus, seine Selbstinszenierung zwischen Bedrohlichkeit und Jovialität, bei dem Scherz unvermittelt, blitzartig in Brutalität und wieder zurück umschlagen kann.

    Dabei wird freilich auch nicht der Unterschied zwischen Legende und Wirklichkeit ausgespielt, beide Ebenen – die Kommentierung wie die Bilderzählung – enthalten Elemente sowohl der Überhöhung als auch der realistischen Akkuratesse. Und wenn erzählt wird, dass Jesse James wegen chronischer Augenentzündung ständig habe blinzeln müssen, und man dann Brad Pitt sieht, der stets wachsam und mit offenen Augen seine Umwelt beobachtet, wird eine Spannung deutlich, die so vielleicht nicht gewollt war.

    Doch auch wenn Regisseur Andrew Dominik hier gelegentlich zuviel unter den Hut stecken will, so ist doch – jenseits der genauen Charakterisierung, dem konzisen psychologischen Porträt, jenseits der Ambivalenz der Figuren, der Qualität ihrer Darstellung, der Beziehungsstudie zwischen dem Outlaw und seinem Mörder – sein Film auch eine bezwingende Reise ins Amerika der 1880er Jahre. Nicht in den Wilden Westen, sondern nach Kansas und Missouri, wo die Zivilisierung vollzogen ist und die Verstädterung fortschreitet. Wo Berichte von Outlaws als letzte Bastion eines unbürgerlichen Individualismus von den arrivierten Städtern begeistert aufgenommen werden, wo Westernlegenden faszinieren, weil sie mit dem wirklichen Leben in den Südstaaten nichts mehr gemein haben. Wo in einer Szene ein Hochrad an der Wand lehnt und andeutet, dass auch Pferde bald nicht mehr zum Stadtbild gehören werden.

    Fazit: Der Film, der sich in seiner ersten Hälfte etwas im Beziehungsgeflecht der James-Gang-Mitglieder verzettelt, wird immer spannender, wenn er sich mehr und mehr zu einem bezwingenden psychologischen Doppelporträt aus Täter und Opfer entwickelt.
  • Ganz im Stil der desillusionierten Spätwestern der Siebzigerjahre hat Andrew Dominik mit seiner bitteren Elegie über den Mord an einer Legende und ihres Mörders ein Meisterwerk geschaffen, das stolz den Konventionen trotzt.

    Jesse James ist einer der zeitlosen Mythen des Wilden Westens, verewigt schon zu Lebzeiten in Groschenromanen, später in zahllosen Büchern und Filmen. Andrew Dominiks Annäherung an den Mann, „in dessen Gegenwart die Temperatur in den Räumen anstieg, der Regen gerader fiel und die Uhren langsamer liefen“, mag in seiner unmelancholischen Haltung zu einer alles andere als romantischen Zeit und seiner weit ausholenden, immer wieder fasziniert verharrenden Erzählung an die revisionistischen Western der Siebzigerjahre erinnern, als sich bereits „Der große Minnesota Überfall“ und „Long Riders“ auf denkbar ungerührte Weise mit Jesse James auseinandersetzten. Aber bei aller Hingabe zu unbedingter Authentizität, von einem genauen Ohr für Sprache hin zur letzten Hutkrempe, und trockenen, fast belustigten Härte wirft „Die Ermordung des Jesse James“ doch einen modernen Blick auf sein Sujet, das man hier auf der Höhe seines Ruhms und am Ende seiner Karriere erlebt tatsächlich ist ein fulminant realisierter Zugüberfall zu Beginn des Films James letzter Raubzug, nach dessen erfolgreicher Beendigung sich die Wege von Jesse und dem letzten verbliebenen Urmitglied der James-Gang, seinem Bruder Frank, trennen, und er gezwungen ist, mit einer Gruppe von Männern zu reiten, denen er nicht vertrauen kann zu Recht, wie sich herausstellt. Und doch nährt er die schlimmste Schlange an seiner Brust: Robert Ford, der jüngste von drei Brüdern, weicht kaum von seiner Seite: Von Casey Affleck in einer monumentalen Performance gespielt, ist dieser Robert Ford wie ein getretener Hund mit eingeklemmtem Schwanz, der sein Herrchen dennoch anhimmelt: Er sonnt sich im Glanz dieses Jesse James, den der ebenfalls grandiose Brad Pitt mit der genau richtigen gefährlichen Mischung aus Charisma, Melancholie und Unberechenbarkeit spielt. Ford will berühmt sein wie James, am liebsten wäre er selbst Jesse James. Und schließlich sieht er nur eine Möglichkeit, sein Ziel zu erreichen: Indem er den Mann, den er liebt und anhimmelt, hinterrücks ermordet. Damit ist der lange, aber nie überlange Film, der seine Szenen in bedächtiger Realzeit ausrollt, aber nicht zu Ende: Nun ist Robert Ford, wie er es sich erträumt hat, tatsächlich die Hauptfigur. Und doch gibt er weiterhin eine lächerliche Figur ab, bis er selbst einen erbärmlichen Tod stirbt. Von Roger Deakins in sensationellen impressionistischen, poetischen Bildern eingefangen, ist Dominiks zweiter Film nach „Chopper“ von 2000 ein Meilenstein des Genres, eine Ballade über die Unwägbarkeiten des Ruhms und das tragische Psychogramm zweier Männer, die für ihren gegenseitigen Untergang verantwortlich zeichneten. ts.

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