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Die Diebin von Saint Lubin

Kinostart: 23.05.2002

Filmhandlung und Hintergrund

Zorniges Drama über eine alleinerziehende Mutter, die nach einem Ladendiebstahl in die Mühlen des Gesetzes gerät.

Die beinahe mittellose Francoise Barnier muss ihre Kinder alleine erziehen. Bei einem Einkauf im Supermarkt gibt sie einem Impuls nach und lässt ein paar Waren mitgehen. Sie wird geschnappt und kommt vor Gericht. Dort hält sie eine flammende Rede über ihre Verhältnisse und wird freigesprochen. Die Presse lässt den Fall jedoch nicht auf sich ruhen und fordert eine Neuverhandlung.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Diebin von Saint Lubin: Zorniges Drama über eine alleinerziehende Mutter, die nach einem Ladendiebstahl in die Mühlen des Gesetzes gerät.

    Unprätentiös und berührend dieser entlarvende Blick auf Armut in einem reichen Land: eine alleinerziehende Mutter begeht aus Not Ladendiebstahl, um ihren zwei Kindern nicht immer nur Nudeln vorsetzen zu müssen und gerät in die Mühlen der Justiz. Der Fall wird politisch ausgeschlachtet.

    Ihr Pflicht-Anwalt nennt sie „altmodisch“. Und das ist sie vielleicht auch: Françoise Barnier läuft sich die Hacken ab von einer Beratung zur anderen. Sie lebt mit ihren zwei Töchtern von der Hand in den Mund, schon eine simple Busfahrkarte bringt das Budget durcheinander. Mit dem harten Reinigungsjob verdient sie weniger als ihr an Sozialhilfe zustehen würde. Aber sie pocht auf ihren Stolz, will ihre Würde bewahren und nicht um Almosen betteln oder das soziale Netz ausnützen. Als sie eines Tages Fisch und Fleisch für ihre Kinder stiehlt („wegen der Proteine“), landet sie vor Gericht. Die mitfühlende Richterin spricht sie frei, weil sie nach alter Rechtsprechung „Mundraub“ begangen hat. Doch die Presse kriegt Wind von der Sache, der Fall wird politisch aufgebauscht, die Staatsanwaltschaft legt Berufung ein und in einem neuen Verfahren verurteilt ein rein männlich besetztes Gericht die Angeklagte zu einer saftigen Geldstrafe.

    Claire Devers beruft sich auf eine wahre Begebenheit aus dem Jahre 1996, reduziert die Psychologie der Figur auf das Wesentliche. Die „Diebin“ steht repräsentativ für eine große Gruppe von Bürgern an der Schwelle zum Existenzminimum. Absurd die Justiz-Finessen. So versteht die juristischer Rhetorik ausgelieferte Frau nicht, dass es weniger strafbar ist, mit einem ungedeckten Scheck zu zahlen als Nahrungsmittel mitgehen zu lassen. Eine politische Dimension erhält der Film, als sich die Verzweifelte an die rechtsradikale Front National wendet, sich aber nicht als Propagandabeispiel benutzen lassen will. Die Regisseurin legt den Finger auf die Wunde, zeigt wie das rigide Wohlfahrtssystem Menschen, die nicht rassistisch denken, in die Arme rechter Rattenfänger treibt und definiert die viel beschworene „égalité“ als Chimäre. Durch sogenannte Gleichbehandlung zementiert sich soziale Ungerechtigkeit, lautet die Aussage. Geschickt verbindet Devers individuelles Schicksal und Auswüchse der Sozialpolitik, ohne jedoch in ideologische Krakelerei zu verfallen. Über kleinere Klage-Klippen hilft die Präsenz der starken Hauptdarstellerin Dominique Blanc hinweg. Dass Rechtssprechung nicht unbedingt etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat, sondern mit Recht haben, ist nicht neu. Selten aber wurde diese Erkenntnis so eindringlich vermittelt. mk.

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