Die andere Hälfte des Glücks

Filmhandlung und Hintergrund

Familiendrama nach einem authentischen Fall: Ein Ehepaar findet nach elf Jahren seinen als Baby entführten Sohn wieder, aber die Wiedervereinigung ist für alle Beteiligten schwer zu verarbeiten.

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  • Die andere Hälfte des Glücks: Familiendrama nach einem authentischen Fall: Ein Ehepaar findet nach elf Jahren seinen als Baby entführten Sohn wieder, aber die Wiedervereinigung ist für alle Beteiligten schwer zu verarbeiten.

    Der pure Horror für alle Eltern: Nur kurz wendet man dem Kinderwagen den Rücken zu, doch der Moment genügt; das Baby ist verschwunden, einfach weg. Wie gut dem Autor, Martin Rauhaus („Die Luftbrücke“), das Drehbuch zu dem Drama „Die andere Hälfte des Glücks“ gelungen ist, zeigt die große Dichte des nur wenige Minuten langen Prologs, in dem die Eltern von unbeschwerter Harmonie bis zu grenzenloser Verzweiflung eine enorme Fallhöhe erleben.

    Auch zwölf Jahre später hat die Mutter den Verlust noch nicht verkraftet. Während ihr Mann Wolfgang (Hans-Werner Meyer) endlich ein neues Leben beginnen will, fertigt Lena Breuer (Katharina Böhm) nach wie vor heimlich Steckbriefe an. Selbst wenn es den Anschein hat, als spiele Rauhaus die Figuren in dieser Phase etwas klischeehaft gegeneinander aus: Die unübersehbaren Risse im ehelichen Gefüge sind nicht nur realistisch, sie bereiten bereits den Weg für ein Finale, in dem das Drama beinahe zur Tragödie wird.

    Zuvor aber geht Lenas sehnlichster Wunsch in Erfüllung: Ein Schulhausmeister erkennt im Jugendfoto ihres Mannes tatsächlich den verlorenen Sohn. Der DNA-Test beseitigt letzte Zweifel: Die Krankenschwester Carola Weber (Anneke Kim Sarnau) hat vor zwölf Jahren ihr Baby verloren und kurzerhand zugegriffen, als sie in den verwaisten Kinderwagen schaute. Der Familienzusammenführung scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Doch wo andere Geschichten nun „happy“ enden würden, geht diese eigentlich erst richtig los. Im zweiten Teil des Films beschreibt Rauhaus, dass die Webers nun ein Problem ganz anderer Art haben: Wie würde es der Junge (Jonathan Elias Beck, ausgezeichnet geführt und dank beispielsweise der „Wilden Kerle“ ohnehin fast ein Profi) Lena wohl danken, wenn die Frau, die er für seine Mutter hält, wegen ihr ins Gefängnis muss? Juristisch mag der Fall klar sein. Menschlich aber ist Lena Weber mit der Ungeheuerlichkeit konfrontiert, ihren Sohn fortan teilen zu müssen.

    Anders als die berühmte Parabel Salomons oder Brechts „Kaukasischer Kreidekreis“ begnügt sich der Film nicht mit einer vordergründigen schlichten Lösung. Deshalb sind Gut und Böse auch nur scheinbar klar verteilt. Dank Anneke Kim Sarnau hegt man selbst für den Schmerz der Entführerin ein gewisses Verständnis. Erzählt aber wird die von Christiane Balthasar sehr behutsam inszenierte Geschichte konsequent aus der Sicht von Lena Weber, deren hasserfülltes Misstrauen schließlich fast zur Katastrophe führt: Wenn beide „Mütter“ an dem Jungen zerren, bleibt am Ende das Kind auf der Strecke. tpg.

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