Filmhandlung und Hintergrund

Dramatische Dreiecksgeschichte, die Catherine Corsini in einer langen Rückblende mit einem starken Darstellertrio erzählt.

Suzanne ist um die 40 und lebt beschaulich mit ihrer Familie in Südfrankreich, ihre Ehe mit Arzt Samuel ist auf Sparflamme. Sie verliebt sich Hals über Kopf in den spanischen Bauarbeiter Ivan, der aus dem Gefängnis kommt. Gegen jegliche Ratio erliegt sie der sexuellen Lust und tiefen Emotion. Sie verlässt Mann und Familie und versucht mit Ivan einen Neuanfang. Samuel will sich nicht damit abfinden, verfolgt hasserfüllt das Paar und sorgt schließlich dafür, dass der Nebenbuhler wieder ins Gefängnis muss.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Auf die Frage, ob in ihrem Debüt „Die Schachspielerin“ eigentlich auch eine Liebesaffäre zwischen dem Zimmermädchen Hélène und ihrem Mentor Doktor Kröger möglich gewesen wäre, verneinte die in Deutschland geborene Regisseurin Caroline Bottaro, da dies ein anderer Film geworden wäre. Diesen Film drehte dagegen Catherine Corsini. In ihren Arbeiten, teils als Komödie, teils als dramatischer Stoff, lieferte die Ex-Schauspielerin stets Porträts von Frauen, die konsequent ihren Weg gehen und bei der Selbstverwirklichung auf Widerstände stoßen.

      So lakonisch wie der Originaltitel „Partir“ („Verlassen“) wirkt ebenso Corsinis kompakte Inszenierung des in einer langen Rückblende erzählten Dramas. Aufgrund der Eingangssequenz, in der während einer Nachts in der luxuriösen Villa eines wohl situierten Ehepaares ein Schuss fällt, weiß der Zuschauer von Beginn an, dass es kein positives Ende geben wird. Damit verrät die Autorin und Regisseurin zwar schon etwas zu viel vom weiteren Handlungsverlauf. Trotz anfänglicher malerischer Postkartenansichten des südfranzösischen Landstrichs hält sich bei der Alltagsbeschreibung aber eine untergründige Spannung, da der schöne Schein bald Risse bekommt. Wie brüchig die Harmonie ist, zeigt sich darin, dass die vernachlässigte Mutter eine heimliche Affäre mit einem sympathischen spanischen Hilfsarbeiter beginnt, der im Gegensatz zum desinteressierten Gatten in ihr erloschene Leidenschaften weckt.

      Anfänglich stellt sich durchaus die Frage, ob Suzanne es sich nicht zu leicht macht, wenn sie ihrem Gefühlen schlicht nachgibt und die Verantwortung für ihre Familie verdrängt. An die Kinder verschwendet sie zu diesem Zeitpunkt kaum einen Gedanken, allerdings ebenso wenig an ihre finanzielle Zukunft. Als Motto könnte ein Zitat aus der „Schachspielerin“ gelten: „Wer etwas riskiert, kann verlieren. Wer nichts riskiert, verliert immer“. Genau dies tritt bald ein. Nach unbeschwerten Tagen holt die harte Realität das Paar ein, als die Mitvierzigerin ohne eigene Rechte zum Spielball ihres rachsüchtigen Mannes wird. Zwar verlor der gestresste Geschäftsmann Samuel im Grunde längst das Interesse an seiner Frau, doch ihre Zurückweisung will er keineswegs akzeptieren. Mit Hilfe von Geld und Macht setzt er alles daran, „sein Eigentum“ zurück in den bourgeoisen Käfig zu lotsen.

      Zu den Stärken des intensiv entwickelten Dramas gehört es, dass wandlungsfähige Darsteller die durchaus ambivalent angelegten Charaktere mit Leben füllen und dabei mögliche Stereotypen überspielen. Bis zu einem gewissen Grad sind die Motive der drei Protagonisten gewiss nachvollziehbar. Corsini überlässt es dem Zuschauer, ob er ihr Handeln gutheißen will. Allerdings kritisiert sie, dass der Staat es einer einflussreichen Person zu einfach macht, eine andere ins Abseits zu manövrieren.

      Fazit: Präzise inszeniertes Drama eines konsequenten, aber problematischen Ausbruchsversuchs, bestechend fotografiert und überzeugend gespielt.
    2. Die Affäre: Dramatische Dreiecksgeschichte, die Catherine Corsini in einer langen Rückblende mit einem starken Darstellertrio erzählt.

      Für eine Amour Fou mit einem Gelegenheitsarbeiter setzt Kristin Scott Thomas Ehe und Familie, ihre ganze bürgerliche Existenz aufs Spiel.

      Eine Frau, der Mann, der Liebhaber: Die klassische Dreiecksgeschichte, von der das Kino lebt mit Heldinnen wie Anna Karenina bis Madame Bovary. Catherine Corsini wagt es, mit dem Ende des Dramas zu beginnen, mit einem Schuss, wobei offen bleibt, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Der Zuschauer ahnt sofort die Tragödie. Im Rückblick entwickeln sich die Stationen einer nicht zu kontrollierenden „amour fou“ aus der Perspektive der Protagonistin.

      Eine Arztgattin um die 40 lebt beschaulich mit ihrer Familie in Südfrankreich, die Ehe glüht auf Sparflamme, er hantiert mit dem Handy im Bett, sie liest Fachlektüre, um als Physiotherapeutin wieder in den Beruf einzusteigen. Und dann erwischt es sie wie ein Blitzschlag, sie verliebt sich in einen spanischen Bauarbeiter, der aus dem Gefängnis kommt, und versinkt gegen jegliche Ratio in einen Strom aus sexueller Lust und tiefer Emotion, die ihre bisherige bürgerliche Existenz mit Wucht in Stücke schlägt. Der Hass des verlassenen Ehepartners, der sie finanziell aushungert, verfolgt das Paar beim geplanten Neuanfang in einer Idylle hoch über dem Meer. Als er dafür sorgt, dass der Nebenbuhler wieder ins Gefängnis muss, mündet „Die Affäre“ in eine tödliche Passion.

      Mit der charismatischen Kristin Scott Thomas als verletzliche Frau, die rigoros mit gesellschaftlichen Konventionen bricht, dem bodenständigen und immense Körperlichkeit ausstrahlenden Lover Sergi Lopez und dem in seinem Stolz getroffenen Provinz-Macho Yvan Attal ist die Besetzung präzise und optimal. In manchen Szenen erinnert Scott Thomas in ihrer mysteriösen Art und der wie in Stein gemauerter Schönheit an ihre Rolle der Juliette in „So viele Jahre liebe ich dich“, wo sie ebenfalls eine Frau, die das Leben neu erobert, spielte. Auf den leidenschaftlichen Szenen lastet ein Hauch von Verzweiflung, die Gefahr ist permanent präsent, auch wenn Kamerafrau Agnès Godard die Lovestory in ein mediterranes Licht taucht und damit die Sinnlichkeit der Leidenschaft und Glücksmomente in der pittoresken Landschaft des Südens unterstreicht. Einstellungen in der Totalen erzeugen ein Gefühl von Freiheit, von kurzfristiger und vorgegaukelter Freiheit. Catherine Corsini legt Wert auf den sozialen Kontext, den Stellenwert der Frau als Statussymbol in dieser Ehe, den Preis, den sie für den Ausbruch aus dem Goldenen Käfig zahlt und die am bitteren Ende für ihre Liebe zu allem bereit ist. Diese Affäre ohne Happy End geht unter die Haut. mk.

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