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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      János Orsós stammt aus einer Roma-Familie. Er ist Lehrer. In dem ungarischen Dorf Sajókaza hat er eine buddhistische Schule gegründet. Sein Ziel: Er möchte Kindern aus den Roma-Ghettos eine anständige Schulbildung und später die Chance auf eine Lehre oder ein Studium ermöglichen. Dafür scheut er keine Kraft oder Mühe, sich mit Behörden und Ämtern auseinanderzusetzen, die seine Pläne immer wieder durchkreuzen. Und auch die Jugendlichen sind nicht immer so motiviert wie János sich das wünschen würde. Sie wissen, dass es das eine ist, auf der Schule etwas zu lernen und ein gutes Zeugnis zu erhalten. Doch es ist etwas anderes, mit diesem Zeugnis dann nach draußen zu gehen, wo die harte Realität wartet, die viele Träume zum Platzen bringen kann. Drei Jahre lang begleitete der Filmemacher Stefan Ludwig die Arbeit von János Orsós an der Schule. Dabei wird deutlich, wie entschlossen dieser ist, die Welt, die auch die seine ist, zum Guten zu ändern. Auch wenn sich János stets darüber im Klaren ist, dass hier noch ein langer Weg vor ihm liegt, den er nur beginnen kann und den andere nach ihm weitergehen müssen, damit sich etwas tut. Jedoch stellt der Film nicht nur ihn, sondern auch die Schüler ins Zentrum der Geschichte. Viele verschiedene Schicksale werden hier gezeigt. Da ist Amál, die mit 18 Jahren als älteste Schwester den Haushalt der Großfamilie führt, mit Schule eigentlich nichts anfangen kann, sich dann aber doch für die neuen Möglichkeiten, die das Leben ihr bietet, begeistert. Da ist Ferenc, dem die Schule kurzfristig nichts bieten kann und der mit 17 bereits zum zweiten Mal Vater wird. Er weiß, dass Bildung wichtig ist. Aber für ihn ist sie auch Luxus. Und für Luxus ist in seinem Alltag kein Platz. Und da ist Mónika, die ihre ganze Energie in ihren Abschluss steckt. Und dann einsehen muss, dass dieser allein ihr noch keine Türen im Arbeitsmarkt öffnet. Trotz seiner klaren Botschaft, ein Projekt wie das in Sajókaza zu unterstützen, lässt der Film auch Bilder und Momente voller Desillusion zu. Er verklärt nicht, zeigt die Wahrheit, ungeschönt und doch mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Die Kamera ist immer ganz nah bei den Menschen, der Film erzählt aus der Mitte der Gesellschaft, blickt nicht auf sie drauf oder herab. DER ZORNIGE BUDDHA ist eine sorgfältig beobachtete und ausgewogene Langzeitdokumentation, die ihr Thema genau hinterfragt und dennoch ein klares Plädoyer für die Bedeutung von Bildung ausspricht.

      Jurybegründung:

      In einer Region im Osten Ungarns versuchen eine Handvoll Lehrer, Roma-Jugendliche zum Abitur zu führen. Der Schulleiter hat dabei zwei Haupthindernisse zu überwinden: Erstens die fremdenfeindliche Politik im eigenen Land und zweitens das Misstrauen gegenüber Bildung, das in der Kultur der Roma verankert zu sein scheint. Und so engagiert die Arbeit dieser Lehrer ist, genau so engagiert ist auch diese gelungene Langzeitdokumentation.

      Beeindruckend vor allem die enorme Nähe, die zu den Protagonisten hergestellt wurde: zu dem Lehrer János, dem eigentlichen Protagonisten des Films, selbst ein Roma, dem die psychische Belastung ins Gesicht geschrieben steht, der aber dennoch nicht aufgibt; oder zu einer Schülerin wie Monika, die sich bemüht, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Die Personen sind präzise ausgewählt, auf ihre je spezifische Art interessant und der Film widmet sich ihnen auf dramaturgisch ausgewogene Weise. Einige Episoden konnten von Teilen der Jury nicht ganz nachvollzogen werden, wie etwa die Sequenz in Wolfsburg, die als eher unnötig angesehen wurde. Auch der Dreh in Indien wäre in den Augen der Jury nicht zwingend gewesen, weil es natürlich eine sehr komplexe Herausforderung ist, die Philosophie des politischen Buddhismus, auf der die Philosophie der Schule fußt, nachvollziehbar zu machen. Insgesamt handelt es sich aber bei DER ZORNIGE BUDDHA um einen enorm wichtigen und hochengagierten Dokumentarfilm, der für seinen Gegenstand mit einer Langzeitbeobachtung genau die passende Vorgehensweise gefunden hat.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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