Der Rote Kakadu

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   2005
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Rote Kakadu: Dramatische Liebesgeschichte, die vom Aufbegehren der Jugend in der DDR zur Zeit des Berliner Mauerbaus handelt.

In den frühen 60er Jahren kommt der junge Siggi (Max Riemelt) nach Dresden, um als Handwerker am Theater anzuheuern. Schnell fühlt er sich hingezogen zur lokalen Bohème, besonders die schöne, junge Dichterin Luise (Jessica Schwarz) aus der Künstlerclique im „Roten Kakadu“ hat es ihm angetan. Doch die Zeiten sind nicht günstig für Freigeister: Während Siggi träumt, nimmt der Druck des Staates und seiner Sicherheitsorgane auf die bunte Truppe stetig zu.

Vom Aufbegehren der Jugend im Osten Deutschlands zur Zeit von Beat und Mauerbau erzählt Dominik Graf in dieser lose an das Leben der Dichterin Brigitte Reimann angelegten, dramatischen Liebesgeschichte.

1961 kommt der 20-jährige Siggi nach Dresden. Hier verliebt er sich Hals über Kopf in die junge, verheiratete Dichterin Luise und lernt durch sie auch das berühmt-berüchtigte Tanzlokal „Roter Kakadu“ kennen. Dessen Gäste, eine freiheits- und lebenshungrige Clique, wird von der Staatssicherheit zunehmend in die Enge getrieben.

1961, das Jahr des Mauerbaus. Siggi kommt von der Provinz nach Dresden, wo er Bühnenbild studieren möchte. Und während er seine neue Heimat erkundet, verändert sich um ihn herum die Welt. Die DDR manifestiert sich endgültig und am sozialistischen Einheitsmenschen wird eifrig gearbeitet. Was Siggi kaum wahrnimmt, nachdem er die Hobby-Poetin Luise erstmals erblickt. Ihr gehört fortan sein Herz. Obwohl sie mit dem rauflustigen Wolle verheiratet ist. Die drei schließen schnell Freundschaft, verbringen fortan gemeinsam ihre Zeit.

Darsteller und Crew

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    Dresden 1961, die Monate vor dem Mauerbau, "subversive" Musik und eine ungewöhnliche Liebesgeschichte: Dominik Graf inszeniert in seinem sehens- und diskussionswerten Film ein jugendliches Lebensgefühl, das sich nie und nirgends einsperren lässt.

    Der beschwingte, bonbon-bunte Vorspann stimmt ein auf ein leichtfüßig daherkommendes Zeitpanorama. Schnell transportiert uns die Kamera in einen Park, in dem Hunderte von Teenagern ohne Musik, aber erkennbar "westlich" tanzen. Lastwagen fahren vor, Vopos jagen durch die Büsche, die turbulente Flucht der jungen Leute bei der Razzia reißt den Betrachter mit, nimmt ihn dramaturgisch geschickt mit hinein in eine kleine-große, gewöhnlich-ungewöhnliche Geschichte.

    Der Handlungsstrang folgt dem jungen Siggi, einem in seiner Unschuld an Gottfrieds Kellers berühmte literarische Figur "Der grüne Heinrich" erinnernden jungen Mann, der reif für seine erste große Liebe ist, aufs Innigste verkörpert von Max Riemelt. Der Zauber eben dieser Gefühle ereilt ihn in Gestalt der jungen Dichterin Luise. Jessica Schwarz gibt hier eine herausragende und zudem bezaubernde Darstellerleistung. Spannungsreich in der Schwebe gehalten werden diese zarten Bande von der Unsicherheit der Verhältnisse, aber auch von Luises Ehemann Wolle, dem Ronald Zehrfeld die physische Präsenz eines "Helden der Arbeit" verleiht.

    (...) Der Film hält die Balance zwischen Leichtigkeit und schwierigem Stoff, zeigt politische und gefühlsmäßige Ambivalenzen, findet anrührende Bilder und gibt den hervorragenden Darstellern Raum und Präsenz, so etwa die "große Szene" mit Siggi und Luise im Café. Die Aufbruchstimmung der damaligen Zeit und das Lebensgefühl einer Generation evoziert "Der Rote Kakadu". Er leistet eine Geschichtsschreibung, die scheinbar einfach daherkommt. Der Film ist für heutige Jugendliche interessant und kommunizierbar, er dient dem historischen Verständnis.

    Und, nebenbei, ist er eben in manchen Szenen wirklich richtig Film, großer Film, Film pur. Etwa in der Szene im Dachstuhl, als erst die Tauben flattern und dann der Lichtstrahl golden auf Gesicht und Hals von Luise fällt. Oder der Blick auf Siggis knallgelbe Schuhe und seinen schnellen Gang auf der Straße oder die Figur im Regen, sich entfernend, Zeichen werdend.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Dominik Grafs „Sonnenallee“-Variante: Nach dem rundum stimmigen Drehbuch von Michael Klier und Karin Aström erzählt der deutsche Ausnahmeregisseur von jugendlicher Rebellion und Liebe in den Monaten vor dem Mauerbau in Dresden.

    Der Film beginnt mit einem Vorspann von so unbeschwerter Leichtigkeit, dass man kaum glauben möchte, dass es sich im Folgenden um einen Film von Dominik Graf handelt, von dem man eher eine emotionale Tour de Force erwart. Die Kompromisslosigkeit und die nüchterne Distanz, für die Graf bekannt ist, swingen jedoch schon bei den Anfangsklängen mit, wenn Max Riemelts Siggi die Erzählung übernimmt: Als verträumter Tagedieb voller künstlerischer Ideale und Lebenshunger kommt dieser im Frühjahr des Jahres 1961 kurz vor dem Mauerbau nach Dresden und freundet sich mit den „jungen wilden“ Stammgästen der Tanzbar „Der rote Kakadu“ an.

    Grafs Tonfall, der ironisch-zynische Humor der hinreißenden Dialoge erinnert an „Sonnenallee“; aber im Gegensatz zu den Schlaghosenträgern aus Leander Haußmanns Komödie nehmen Grafs Figuren ihre Alltagsrebellion Ernst. Es bleibt nicht nur bei popkulturellen Spielereien – auch wenn die Einblicke in den „Roten Kakadu“ (der tatsächlich existiert hat) viel über Rock’n’Roll und russisch beeinflusste Tanzmusik der 60er erzählen und sogar eine Szene aus „Sonnenallee“ zitiert wird: Wenn die Vopos auf den Schelllackplatten und damit dem jugendlichen Sturm und Drang herumtrampeln. Graf lässt die Anzeichen des beginnenden Überwachungsstaats und des Mauerbaus immer wieder in den kleinsten Details deutlich werden und zieht sie als roten Faden durch den Film, bis sie für niemanden mehr zu ignorieren sind.

    Doch damit seine Jugendlichen aus dem „Roten Kakadu“ auf diese Anzeichen mit entsprechendem Hass reagieren und ihren Idealismus und die Sehnsucht nach einem besseren, sozialistischen Staat aufgeben, müssen erst Herzen gebrochen werden. In diesem Fall die von Jessica Schwarzs Luise, die mit dem kampfeslustigen Rowdy Wolle (Ronald Zehrfeld) verheiratet ist, und Riemelts Siggi. Allen drei jungen Schauspielern in ihren Rollen zuzusehen, ist eine Freude. Dass gerade Jessica Schwarz unter Grafs Regie mit ihrer melancholischen und ungeschminkten Natürlichkeit wahre Wunder vollbringt, ist ja schon seit „Die Freunde der Freunde“ und „Kalter Frühling“ bewiesen. Ihre Authentizität und Ernsthaftigkeit ergänzen sich auch hier perfekt mit Grafs Inszenierung. „Der rote Kakadu“ verdankt seine Qualitäten jedoch nicht nur dem Talent seiner Schauspieler, sondern auch der Tatsache, dass sich hier ein westdeutscher Regisseur des Themas angenommen hat und frei von Verklärung und schwelgerischer Ostalgie tatsächlich noch ein neues Kapitel in der filmischen Aufarbeitung der DDR aufzuschlagen vermag. Letztlich ist „Der rote Kakadu“ eine Geschichte, die ohne weiteres die Größe von „Good Bye, Lenin!“ hat – und eine berührende und sanfte Geschichte über gesellschaftliche Umbrüche, die so sehr zum Scheitern verurteilt sind, wie die Liebe zwischen Siggi und Luise. deg.

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