Filmhandlung und Hintergrund

Die Titel der ARD-Donnerstagskrimis beinhalten stets auch das Versprechen illustrer Schauplätze. Im ersten der beiden neuen „Prag-Krimis“ („Wasserleiche“) wird es mehr als eingelöst. Als der Krimi einst das Fernsehen eroberte, waren die Titelfiguren der ZDF-Klassiker „Der Kommissar“ oder „Derrick“ korrekte Beamte ohne Eigenschaften oder gar Privatleben. Hunderte von Ermittlern später ist es eine echte Herausforderung...

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  • Die Titel der ARD-Donnerstagskrimis beinhalten stets auch das Versprechen illustrer Schauplätze. Im ersten der beiden neuen „Prag-Krimis“ („Wasserleiche“) wird es mehr als eingelöst.

    Als der Krimi einst das Fernsehen eroberte, waren die Titelfiguren der ZDF-Klassiker „Der Kommissar“ oder „Derrick“ korrekte Beamte ohne Eigenschaften oder gar Privatleben. Hunderte von Ermittlern später ist es eine echte Herausforderung, Protagonisten zu erschaffen, die es nicht schon dutzendfach gegeben hat. Früher reichte es, einen Kommissar „unkonventionell“ ermitteln zu lassen; heute muss seine Vorgehensweise derart extravagant sein, dass er in den Augen seiner Mitarbeiter eine Macke hat. Deshalb staunt die brave Prager Polizistin Klára (Gabriela Maria Schmeide) nicht schlecht, als der Kollege aus Deutschland mit den Tatverdächtigen ein Theaterstück aufführt. Der Mann ist die Hauptfigur der neuen „Prag-Krimis“ und heißt Jan Koller, ein Name, bei dem Fußballfans zunächst mal an einen erfolgreichen tschechischen Mittelstürmer denken. Einzige Parallele zwischen dem Kicker und dem Kommissar ist jedoch die Tatsache, dass beide gebürtige Tschechoslowaken sind. Der Ermittler hatte in seiner Kindheit ein offenbar traumatisierendes Erlebnis; entsprechende Alpträume deuten an, dass es da noch Einiges aufzuarbeiten gibt.

    Roeland Wiesnekker, ohnehin wie geschaffen für Figuren, die ein bisschen neben der Spur sind, ist die perfekte Besetzung für den deutschen BKA-Kommissar, der nach Prag geschickt wird, weil dort die Leiche seines Freundes und früheren Partners Frank Müller gefunden worden ist. Und weil Dirk Borchardt diese Rolle selbstredend nicht nur für die Szene in der Rechtsmedizin übernommen hat, ist klar, dass die Drehbuchautoren (Jaroslav Rudis, Martin Behnke, Felix Benesch) viel mit Rückblenden arbeiten werden. Wie sie das tun, ist allerdings eine in der Tat originelle Idee, zumal die beiden Zeitebenen kunstvoll miteinander verwoben sind: Müllers letzter Lebensabend war der Junggesellenabschied seines Bruders (Hendrik Heutmann). Um den Beteiligten langwierige Vernehmungen zu ersparen, schlägt Koller vor, den Abend minutiös zu rekonstruieren, wobei er selbst die provokante Rolle des toten Müller übernimmt. Wiesnekker hat spürbar Spaß an diesem Koller, hinter dessen guter Laune sich jedoch Tief- und Abgründigkeit gleichermaßen verbergen. Eine weitere Hauptdarstellerin ist selbstverständlich Prag. Gerade die Nachtaufnahmen machen dem Beinamen „Goldene Stadt“ all Ehre. Kameramann Hannes Hubach gehört zu den bevorzugten Mitstreitern von Regisseur Nicolai Rohde, der in den letzten Jahren viele gute und einige sehr gute Krimis gedreht hat, darunter „Brandmal“ (2015), der dritte Film aus der Craig-Russell-Reihe der ARD.

    Der Schluss des ersten Films schürt erfolgreich die Neugier auf die Fortsetzung, aber Koller muss sich im zweiten Film keineswegs seinen Dämonen stellen; die Alpträume sind überhaupt kein Thema mehr. Nicht nur deshalb ist Teil zwei zunächst eine gelinde Enttäuschung. „Der kalte Tod“ erzählt zudem eine Geschichte, die keinesfalls in Prag spielen müsste. Trotzdem entwickelt auch dieses Drehbuch (Nils Morten Osburg, Marc Terjung) einen gewissen Reiz, aber der ist völlig anderer Art als in „Wasserleiche“: Auf der Suche nach seinem vermeintlich verstorbenen Vater landet Koller in einem Altenheim. Verbittert muss der Sohn feststellen, dass der Alte (Albert Kitzl) nichts mit ihm zu tun haben will. Weil die Senioren ein fröhlicher Haufen sind, verbringt Koller trotzdem einen feuchtfröhlichen Abend mit den alten Herrschaften. Als er wieder zu sich kommt, liegt er auf einem Toten. Die plötzlich gar nicht mehr sympathischen Bewohner der Villa schwören Stein und Bein, dass Koller ihn umgebracht hat. Außer den beiden Hauptfiguren und dem Schauplatz verbindet die beiden Teile inhaltlich wie auch stilistisch im Grunde nichts. Gerade die erste Hälfte des Films besteht fast ausschließlich aus Innenaufnahmen. Die Goldene Stadt spielt praktisch keine Rolle mehr; „Der kalte Tod“ wirkt, als hätte sich die Produktionsfirma den ersten Teil zu viel kosten lassen und beim zweiten sparen müssen. Sehenswert ist die Fortsetzung trotzdem: weil es ein Vergnügen ist, dem Ensemble zuzuschauen. tpg.

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