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Der Name der Leute

   Kinostart: 14.04.2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Unkonventionelle romantische Komödie um einen extrovertierten Freigeist und einen introvertierten Jospin-Anhänger.

Die junge hübsche Bahia muss immer darauf hinweisen, dass ihr Name nicht brasilianischen, sondern algerischen Ursprungs ist. Ansonsten ist das Energiebündel unbekümmert, diskutiert liebend gern über Politik, schläft auch mit politisch Rechten, um sie zu bekehren, provoziert gern. Ornithologe Arthur ist dagegen eine graue Maus, verschweigt seine jüdischen Wurzeln, will kein Risiko eingehen und ist Anhänger von Lionel Jospin. Trotz ihrer Gegensätzlichkeit verlieben sie sich.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Die Komödie von Regisseur Michel Leclerc thematisiert auf geistreiche und originelle Weise die Diskriminierung ethnischer Minderheiten in der französischen Gesellschaft. Der Titel spielt auf Arthurs Beobachtung an, wie leicht der Name einen Menschen in eine Schublade steckt: Seine Mutter wollte nie über ihre jüdischen Eltern aus Griechenland sprechen, er selbst wird ständig mit einem gleichnamigen Gerätehersteller in Verbindung gebracht. Bahia trägt ihren algerischen Namen mit Stolz und führt einen unermüdlichen Kampf gegen Faschisten und Menschen, die sie dafür hält. Das ungleiche Paar schlittert in eine turbulente Beziehung, die beiden hilft, ihre familiären Bande etwas zu lockern.

      Arthur und die viel jüngere Bahia stellen sich und ihre Herkunftsfamilie jeweils vor und schauen ihren Eltern manchmal auch zu, wenn die in Szenen aus der Vergangenheit lebendig werden. Bahia, die im Callcenter einer Rundfunkanstalt arbeitet, stürmt in das Studio und beschimpft Arthur, der gerade ein Interview zur Vogelgrippe gibt, wegen seiner Äußerungen. So beginnt die nicht ganz einfache Beziehung der beiden, die anfangs wenig mehr als eine linke politische Orientierung verbindet. Vor allem im Temperament und in der Einstellung zum Sex unterscheiden sich Arthur und Bahia deutlich. Arthurs jugendliche Ausgabe muss immer wieder ein Wörtchen mit seinem erwachsenen Ich sprechen, wenn dieses Gelegenheiten zu verbocken droht.

      Schon die ungewöhnlichen Einfälle dieses Films sorgen für spannende Unterhaltung und für Abwechslung. Dass Bahia sich den Hippie-Slogan „Make Love, not War“ aneignet, um mit ultrakonservativen Männern zu schlafen und deren Meinungen umzupolen, ist wirklich eine komische Idee. Sie wird an verschiedenen Beispielen zu satirischen Pointen ausgeformt. Der überdrehten Bahia stellt der Film das von Vermeidung und Pseudogesprächen geprägte Elternhaus von Arthur gegenüber. Wenn sich Bahia und Arthur lieben, tauscht der Film seinen komödiantischen Ton gegen warme Zärtlichkeit.

      Dieser Wechsel von Ironie, Sozialkritik und Romantik verleiht der Geschichte mehrere Ebenen, die sich gut ergänzen. Jacques Gamblin ist als Arthur der schauspielerische Hauptgewinn des Films. Er verfügt über so viel Charme und Sensibilität, dass er zeigen kann, wie es ist, von seiner Liebe um den Finger gewickelt zu werden. Auch als rücksichtsvoller Sohn und als seriöser Mann macht Gamblin eine gute Figur.

      Sara Forestier spielt die lebhafte, intelligente Bahia, die in der Verfolgung hehrer Ziele manchmal übertreibt. Während sie Vertrauen zu Arthur fasst, wird sie innerlich ruhiger. Der französische Politiker Lionel Jospin hat einen Gastauftritt als Geburtstagsüberraschung für Arthur. Die reiche Situationskomik des Films gipfelt in einem gemeinsamen Abendessen, bei dem die Eltern Arthurs auf die Eltern von Bahia stoßen und jahrzehntelang eingehaltene Verhaltensregeln der besorgten Kinder auf einmal nichts mehr nützen.

      Fazit: Gute Schauspieler und freche, ungewöhnliche Ideen machen diesen humorvollen Feldzug gegen ethnische Vorurteile sehenswert.
    2. Der Name der Leute: Unkonventionelle romantische Komödie um einen extrovertierten Freigeist und einen introvertierten Jospin-Anhänger.

      Unkonventionelle Komödie über die schwierige Suche nach Identität, eine ungewöhnliche Liebe und einen imponierenden Idealismus.

      Unter dem Titel kann man sich relativ wenig vorstellen, er klingt langweilig, die Geschichte ist es aber nicht, auch wenn es etwas Zeit braucht, sich hineinzufinden. Da heißt eine junge hübsche Frau Bahia und muss immer darauf hinweisen, dass der Name nicht brasilianischen, sondern algerischen Ursprungs ist, der dröge Ornithologe heißt Arthur Martin wie eine Küchenmarke und verschweigt seine jüdischen Wurzeln, will unauffällig durchs Leben gehen. Der Zusammenprall dieser unterschiedlichen Temperamente ergibt ein emotionales Feuerwerk. Bahia schläft kunterbunt mit politischen Gegnern, rechts stehenden Männern, um sie ideologisch zu überzeugen, redet viel Unsinn und marschiert auch schon mal nackt über die Straße oder hüllt sich in ein Kopftuch, um die Aggression gegen Araberinnen zu spüren: Ein Energiebündel mit großem Herz. Ihr männliches Gegenüber stolpert dagegen distanziert durchs Leben, strahlt Unflexibilität und Moralin aus und minimiert jegliches Risiko. Eine verklemmte graue Maus und überzeugter Jospin-Anhänger (der Politiker tritt sogar drei Minuten als „Geburtstagsgeschenk“ für Arthur auf).

      Wie die Extrovertierte und der Introvertierte (Sarah Forestier/Jacques Gamblin) sich dann doch finden, wird zum Gefühls-Hürdenlauf mit Happy End. Neben der romantischen Komponente, in der sich autobiografische Bezüge von Regisseur Michel Leclerc und Mit-Autorin Baya Kasmi spiegeln, streift der Film auch die Frage der Herkunft und des familiären Hintergrundes, der Zugehörigkeit zu einer religiösen oder ethnischen Gruppierung, die unsere Liebesbeziehungen prägen und denen in Frankreich oft große Bedeutung zugemessen wird. So sind die Eltern der Protagonisten Opfer von Traumata, wie dem Kolonialkrieg in Nordafrika oder dem Holocaust, und leiden unter den Wunden der Vergangenheit, was eine dunkle Farbe in die Heiterkeit bringt. Die Liebenden leiden unter dem Schweigen über das, was geschah. Leclerc scheut sich in seinem zweiten Film nicht, die heiklen Themen (auch Pädophilie-Erfahrung von Bahia) mit einer Portion Unbekümmertheit und Humor anzugehen und sich über „Ismen“ wie Antisemitismus, Rassismus oder Feminismus lustig zu machen. „Der Name der Leute“ ist eine wunderbare Entdeckung auf den zweiten Blick. mk.

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