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Der Musterschüler

   Kinostart: 24.06.1999

Filmhandlung und Hintergrund

Beklemmender Thriller nach einer Novelle aus Stephen Kings Geschichtensammlung "Frühling, Sommer, Herbst, Tod".

Todd Bowden ist vom Nationalsozialismus fasziniert und beginnt, sich eingehender mit den Greueln des Dritten Reichs zu beschäftigen. Er stößt dabei zufällig auf ein altes Foto, auf dem er einen Bewohner seiner Heimatstadt als den ehemaligen KZ-Offizier Kurt Dussander zu erkennen glaubt. Er zwingt der alten Mann, ihm alles über seine Vergangenheit zu erzählen, und läßt sich damit auf ein Spiel mit dem Feuer ein.

Die „Banalität des Bösen“ erschließt sich dem 16jährigen Todd Bowden erstmals, als er an seiner Schule einen Kurs über den Holocaust besucht. Vom Thema fasziniert, beginnt er, sich mit dem Grauen des Nationalsozialismus zu beschäftigen und stößt dabei auf ein Foto, auf dem er einen Bewohner seiner Heimatstadt als den ehemaligen KZ-Offizier Kurt Dussander erkennt. Tags darauf steht Todd vor der Tür des Kriegsverbrechers und zwingt ihn - mit der Drohung ihn anzuzeigen, falls er nicht kooperiere -, ihm alles über seine Vergangenheit zu erzählen…

Katz- und Mausspiel um einen Schüler, der seinen ältlichen Nachbarn mit seiner Nazi-Vergangenheit konfrontiert. Nach Stephen King.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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2 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

    1. Bryan Singer, Regisseur des großartigen Noir-Thrillers "Die üblichen Verdächtigen" hat sich eine von Stephen Kings subtilsten Geschichten gegriffen, um einen ebenso subtilen Film zu drehen. Schade nur, dass ihm dies nicht gelingt. Das Hauptproblem ist die Psychologie des Films, die leider oberflächlich und nicht nachvollziehbar bleibt.

      Warum tut Todd von Anfang an dies alles, wodurch definiert sich für ihn seine Faszination? Was animiert ihn dazu, am Ende gemeinsame Sache mit einem Nazi zu machen, warum ist es einem Jungen wie Todd Bowden, der anstänig erzogen wurde und ganz genau weiß, was Recht und was Unrecht ist, nicht möglich diese Bestie von Mensch zu denunzieren?

      Todds Ausgangssituation wird nicht richtig betont. Es wird zwar gezeigt, dass er wie besessen ist, alles über jene Zeit zu erfahren, aber was in seinem Kopf vorgeht erfährt der Zuschauer niemals. Und so bleibt ein zwar sehr unterhaltsamer, schnörkelloser, aber recht unmotivierter Psycho-Drama-Thriller-Mix. Der Film will zeigen, dass die manipulative Art, wie die Nationalsozialisten sie benutzten, überall anders auch wieder Fuß fassen könnte, auch im patriotischen Amerika. Dieser Anspruch wird jedoch nicht ernst genug genommen, um zu überzeugen.

      Der Film lebt hauptsächlich von dem grandiosen Schauspielduell, dass sich der alte Hase Ian McKellen mit dem jungen Spund Brad Renfro liefert. Die beiden Herren ergeben ein verdammt gutes Team. Aber zwei brilliante Schauspieler und ein gut gemeinter Film reichen halt nicht, wenn die Ausführung nicht dementsprechend ist.

      Fazit: Ein zwar subtiler und sehr unterhaltsamer aber recht unmotivierter Film, der seinem eigenen Anspruch nicht genügt.
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    2. Der Musterschüler: Beklemmender Thriller nach einer Novelle aus Stephen Kings Geschichtensammlung "Frühling, Sommer, Herbst, Tod".

      Bereits mit seinem zweiten Spielfilm, „Die üblichen Verdächtigen“, einem intelligenten Vexierspiel im Gewande eines Thrillers, konnte sich Regisseur Bryan Singer international einen Namen machen. Wer nun erwartet hat, daß sich der hochtalentierte Filmemacher - wie in Hollywood inzwischen eigentlich üblich - wegen seines überwältigenden Erfolges an einem big budget movie versuchen würde, sieht sich getäuscht. Singer hat vielmehr mit eher bescheidenem Aufwand eine Stephen-King-Kurzgeschichte adaptiert, die auf den Filmfestspielen von Venedig in der Reihe „Notti e stelle“ ihre europäische Premiere erlebte.

      In „Der Musterschüler“ begibt sich der amerikanische Bestseller-Autor, wie auch schon bei „Die Verurteilten“ (von Frank Darabont 1994 kongenial verfilmt), auf ein für ihn eher ungewöhnliches Terrain. Es geht einmal nicht um Monster und Untote, Paranormales und Extraterrestrisches, sondern schlicht um das Böse an sich, oder, um mit Hannah Arendt zu sprechen, um die Banalität des Bösen. Diese erschließt sich dem 16jährigen Schüler Todd Bowden erstmals, als er an seiner Highschool einen Kurs über den Holocaust besucht. Vom Thema fasziniert, beginnt er sich eingehender mit den Greueln des Nationalsozialismus zu beschäftigen und stößt dabei zufällig auf ein altes Foto, auf dem er einen Bewohner seiner Heimatstadt als den ehemaligen KZ-Offizier Kurt Dussander erkennt. Tags darauf steht Todd vor der Tür des zurückgezogen lebenden Mannes und zwingt ihn - mit der Drohung ihn bei den Behörden anzuzeigen, falls er nicht kooperiere -, ihm alles über seine Vergangenheit zu erzählen, insbesondere das, was im Unterricht den Schülern vorenthalten wird.

      Singer unterteilt seinen Film, der im Original „Apt Pupil“, was sich mit „Gelehriger Schüler“ treffend übersetzen läßt, in zwei Teile. In der ersten, eindeutig spannenderen Stunde konzentriert er sich darauf zu zeigen, wie der Teenager dem ehemaligen Kriegsverbrecher seinen Willen aufzwingt. Der kettenrauchende, heruntergekommene Dussander, vorzüglich gespielt von Ian McKellen („Richard III“), wird erstmals in seinem Leben zur Rechenschaft gezogen. Brillant die Szene, in der Todd seinen neuen „Freund“ zum Abendessen ins Elternhaus einlädt. Dussander erweist sich hier als redegewandter, charmanter Gast, der vorgibt, den Krieg wegen einer langwierigen Krankheit in einem Hospital zugebracht zu haben. Als Todd, der McKellen ebenbürtige Brad Renfro aus „Der Klient„, zusehends unter den Einfluß des Nationalsozialisten gerät, seine schulischen Leistungen drastisch nachlassen und seine sozialen Kontakte verkümmern, wird „Der Musterschüler“ zu einer anderen Art von Film. Der Filmemacher interessiert sich plötzlich scheinbar nicht mehr für die Frage, was Menschen am Faschismus fasziniert, was sie zu Monstern werden läßt, sondern nur noch darum, wie Todd sich aus den Fängen Dussanders befreien kann. Dieser ist inzwischen wieder - nicht zuletzt wegen der SS-Uniform, die der Junge ihm geschenkt hat, Kleider machen bekanntlich Leute - zum hemmungslosen Machtmenschen mutiert, versucht eine Katze im Heizofen zu verbrennen und scheut auch nicht mehr vor Mord zurück, um seine falsche Identität zu wahren. Aus einem intelligenten, eher wortlastigen Kammerspiel ist ein mehrbödiger, verzwickter Thriller geworden, in dem sich Angst und Schrecken, Mord und Totschlag eher im Kopf der Zuseher als auf der Leinwand abspielen.

      In allen technischen Bereichen makellos, darf sich Columbia von „Der Musterschüler“ bei entsprechendem Marketing und der richtigen Kinowahl ein solides Geschäft versprechen.geh.
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