Der Krieger und die Kaiserin

  1. Ø 5
   2000
Der Krieger und die Kaiserin Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Krieger und die Kaiserin: Gefühlsdrama um zwei nach Liebe Suchende, die der Zufall und Autor-Regisseur Tom Tykwer ("Lola rennt") zusammenführt.

Sissi arbeitet in der Psychiatrie, hat nie eine andere Welt gesehen. Bodo, der arbeitslose Ex-Soldat, hat eben diese verloren. Ein Autounfall schweißt die vermeintlich Inkompatiblen für einen Moment zusammen, als Bodo Sissi das Leben rettet. Danach ist die Welt verändert, und Sissi will mehr als einen Augenblick. Doch Bodos aufgestellte Mauern sind hoch.

Sissi und Bodo – zwei Menschen mit Geheimnissen. Sie kennen einander nicht, dennoch verweben sich ihre Schicksalsfäden eng miteinander: Bei einem Autounfall rettet ein mysteriöser Fremder Sissis Leben und verschwindet. Doch der Krankenschwester einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt gelingt es, ihren Schutzengel aufzuspüren – den arbeitslosen, an einem seelischen Trauma leidenden Bodo. Der aber weist sie brüsk zurück. Als er ihr bei einem missglückten Banküberfall in den Weg läuft, versteckt sie ihn in ihrer Klinik…

Tom Tykwers Nachfolger zu „Lola rennt“: Nach einem Autounfall rettet Ex-Soldat Bodo Sissi das Leben. Während Sissi ihre aufkeimende Beziehung festigen will, umgibt sich Bodo mit Geheimnissen.

Darsteller und Crew

Bilder

Kritiken und Bewertungen

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    Sissi, die Kaiserin aus der Psychiatrie in Wuppertal, will es wissen, was es mit dem Zufall und dem Mann auf sich hat, der ihr das Leben rettete. Sie sucht das Glück.

    Bodo, der Krieger, hat seine Frau bei einer Explosion verloren. Er will vergessen. Seitdem ist er verloren für die Welt, stößt Sissi zurück. Aber sie gibt nicht auf. Und als ihre Lage gemeinsam hoffnungslos verzweifelt ist, springen die Krankenschwester und der arbeitslose Ex-Soldat gemeinam vom Dach, dem Schicksal von der Schippe und geradewegs in ein Happy-End hinein. Aber das ist ein neuer Film.

    Tom Tykwer zeigt, wie die beiden zueinander finden, zeigt den langen,schwierigen Weg. Nichts ist zufällig, was er da inszeniert, jede Kleinigkeit noch wichtig und verknüpft. Alles scheint bei Tykwer möglich. Mitten in Wuppertal. Das Leben, ein kleines Wunder - nicht nur in Mailand, woran das entsprechende Filmzitat erinnert.

    Dramaturgisch bleibt der Regisseur und Autor durchgängig auf dem Hochseil. Fortwährend geht er Risiken ein, gibt sich mit simplen Handlungsmustern nicht zufrieden und meistert auch den riskanten Filmort Psychiatrie, ohne Schaden zu nehmen oder anzurichten. Tykwer liebt seine Figuren, und er hat Darsteller, die dem Film Kraft und Ausdruck geben. Auch noch die Nebenfiguren sind präsent, und sei es nur durch kleine Blicke und Gesten.

    Die Atmosphäre ist dicht, manchmal beklemmend dicht. Der Umgang mit filmischen Formen und Mitteln ist souverän, der Film spielt mit Zeit und Tempo. Dabei sind die Szenen stets in sich stimmig. Etwa wie Sissi mit Hilfe eines blinden Begleiters die richtige Ladenklingel ortet, den Besitzer erfolglos befragt, dann Gelegenheit zum Herumschnüffeln bekommt, die richtige Idee für eine kleine Adressenerpressung hat, und sie so zu ihrem Lebensretter findet. Immer wieder gibt es verblüffende Kleinigkeiten, und auch für Orte und Landschaften gibt es einen aufmerksamen Blick. Alles ist möglich, nichts ist egal.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Deutschland im Herbst – ein Märchen für Erwachsene. Nach Winter in „Winterschläfer“ und Sommer in „Lola rennt“ erreicht Tom Tykwers Jahreszeitenzyklus seine dritte Station. Eine gegen alle Widerstände ertrotzte Liebe ist das Thema, Tykwers Heimatstadt Wuppertal der im deutschen Film selten ausgestellte Schauplatz. Stilistisch deutlich zurückgenommener als „Lola rennt“ konzentriert sich „Der Krieger und die Kaiserin“ auf eine Krimi, Psychodrama und Romanze verschweißende Geschichte, auf die man sich trotz aller Bemühungen des Autors um einen erzählerischen Sog schwerer als in den beiden Vorgängern einlassen kann.

    Kernproblem ist die Liebesgeschichte, die das große Gefühl nicht transportieren kann, weil sie im Stadium der Annäherung festgehalten ist. Ob Sissi (Franka Potente in ihrem zweiten Tykwer-Film), Krankenschwester in der Psychiatrie, und Bodo (Benno Fürmann), der arbeitslose Ex-Soldat, wirklich zusammenpassen, erfahren wir hier nicht, weil zunächst alte Wunden heilen und Vereisungen aufgebrochen werden müssen. In erster Linie geht es darum, Kontakt zu schaffen – somit ist der Gewinn am Ende nicht mehr als angedeutete Zuneigung und eine vage Hoffnung auf Liebe. „Der Krieger und die Kaiserin“ ist also eher die Möglichkeit einer Romanze als ihr tatsächliches Erleben oder Bewahren, was den Kontakt zum großen Publikum etwas erschwert, das Gefühle gerne in üppigen Portionen serviert bekommt. Die Geschichte Tykwers wirkt wie in einen realitätsfernen Raum platziert, hat Züge eines Märchens, die nicht nur im Titel angedeutet sind. Ihr Beginn ist gewohnt eindrucksvoll, mysteriös, mit hypnotischen Klängen unterlegt und einigen optisch eindrucksvollen Sequenzen geschmückt, die ein frühes Kino-Ausrufezeichen setzen. Fürmanns Einführung auf einer Autobahnbrücke spiegelt mit einer brillanten Kamerafahrt dessen eigenen Orientierungsverlust, den er nach dem tragischen Tod seiner Frau, für den er sich verantwortlich fühlt, erlebt. Nicht minder spektakulär eine Jagd durch Wuppertals Straßen – Bodo rennt nach einem Diebstahl zwei Verfolgern davon -, die Potente nach einer Zufallskette mit noch nie gesehenen Bildern unter einen LKW bringt, wo ihr Fürmann das Leben rettet und dann aus diesem verschwindet. Nach 53 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen, sucht Potente nun nach ihrem Schutzengel, dem selbst geholfen werden muss. Sein Geheimnis wird am Ende enttarnt, wie auch jenes von Potente, die mehr an ihren Arbeitsplatz bindet, als man ursprünglich annimmt. Sprache und Verhalten ihrer Figur tendieren anfangs zwischen rätselhaft und gewöhnungsbedürftig, erklären sich aber später, kommt sie doch schließlich aus einer anderen, hermetisch versiegelten Anstaltswelt, in der sie auch sozialisiert wurde.

    Dramaturgische Lunten brennen in der psychiatrischen Klinik, in Fürmanns Vergangenheit, aber auch seiner Gegenwart, weil er sich der Hartnäckigkeit Potentes stellen muss und mit seinem Bruder (Joachim Król) einen Banküberfall plant. Alle aufgenommenen Fäden verknüpft Tykwer erwartungsgemäß miteinander, findet immer wieder Bilder, die einfühlsam Gefühle illustrieren. Ein interessanter Film präsentiert sich hier, aber auch einer, der nicht ganz rund wirkt, dem man das Ringen um Originalität und den Zuschauer anmerkt. Wie im Film selbst ist es also keine Liebe auf den ersten Blick, wohl aber deutliche Zuneigung, die man bei einer zweiten Sichtung überprüfen möchte. Wofür hierzulande, aber auch im Ausland die wenigsten Filme die Voraussetzung schaffen. kob.

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