Filmhandlung und Hintergrund

Peter Simonischek bringt in dieser stacheligen Komödie als ungebetener Gast Ordnung in eine Familie.

Als sich ein Mann auf der Beerdigung ihres Vaters als letzter Freund des Verstorbenen vorstellt, bittet Thea den Fremden in ihr Haus, nicht ahnend, dass sie den Gast so schnell nicht mehr los wird. Ihr anfängliches Zutrauen weicht dem Verdacht, dieser Heinrich sei ein Hochstapler oder Hochzeitsschwindler. Der Schmarotzer entpuppt sich jedoch als guter Geist, der all das zum Vorschein bringt, was in der Familie schon seit Jahren nicht mehr stimmt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Kaktus: Peter Simonischek bringt in dieser stacheligen Komödie als ungebetener Gast Ordnung in eine Familie.

    Der Mann ist ein Geschenk des Himmels, aber das findet die oberbayerische Familie Cronpichel erst später raus. Zunächst mal wirkt Heinrich Bittner, Sterbebegleiter von Thea Cronpichels unlängst dahingegangenem Vater, bloß wie ein Schnorrer, der angeblich ein Hotel auf Mallorca besitzt, aber klaut wie ein Rabe.

    Eigentlich will er nur kurz bleiben, doch nach einer Fußverletzung werden Tage zu Wochen; und allmählich zeigt sich, wie gut der Gast, der Thea als letztes Geschenk des Vaters einen Kaktus überreicht, der Familie tut.

    Eine Weile lang lebt die Komödie von der Frage, welche Absichten der ominöse Fremde wohl verfolgen mag und ob er ein Hochstapler oder gar Hochzeitschwindler ist. Dank seiner enormen Bühnenerfahrung haben die Darbietungen Peter Simonischeks eine Leichtigkeit, die nicht mal im Ansatz verrät, wie viel Arbeit sich dahinter verbirgt. Außerdem legt er den Charmeur alter Schule angenehm vielschichtig an: Mal ist Heinrich unterwürfig, mal ein väterlicher Freund; mal wirkt er wie ein Betrüger, mal wie ein würdevoller Weiser, der im Hintergrund still die Fäden zieht. Das Ehepaar Cronpichel ist dagegen deutlich leichter zu durchschauen: Kfz-Mechaniker Rainer (Heio von Stetten mit ungewohntem Dialekt) trauert seiner verpassten Karriere als Rock-Sänger nach, Thea (Nadja Uhl als ewig junges Girlie) ihrer Jugend, die sie Rainer nach viel zu früher Schwangerschaft geopfert hat. Nun ist sich das Ehepaar fremd geworden. Rainer sucht Trost bei Theas bester Freundin Miriam, und Thea ist dankbar, bei Heinrich endlich eine starke Schulter zu finden.

    Der Reiz der Geschichte (Buch: Gerlinde Wolf, Harald Göckeritz) liegt vor allem in den Folgen, die Heinrichs Gegenwart auslöst: Wie ein Katalysator verstärkt er Entwicklungen, die sich die Familienmitglieder bislang nicht eingestehen wollten. Nun treten die Konflikte zutage und müssen bewältigt werden. Der Gast wiederum zeichnet sich durch eine begnadete Anpassungsfähigkeit aus und bildet der Reihe nach erst mit Thea, dann mit der halbwüchsigen Tochter Janina (Sofie Eifertinger) und schließlich sogar mit Intimfeind Rainer wechselnde Solidargemeinschaften. Regisseurin Franziska Buch gibt den Schauspielern viel Gelegenheit, sich zu entfalten; gerade bei den Jugendlichen macht sich ihre große Erfahrung mit jungen Darstellern („Emil und die Detektive“) bezahlt. Während Nadja Uhl Theas Trauer hinter der burschikosen Fassade der Berlinerin verbirgt, beeindruckt Katharina Müller-Elmau in einer ungewohnten Rolle: Theas Freundin Miriam ist eine Tussi mit Tattoo auf dem Busen und Betreiberin eines Nagelstudios.

    Seine Qualität verdankt der routiniert inszenierte Film nicht zuletzt den diversen Handlungssträngen. Immer wieder schafft das Drehbuch neue Schauplätze: mal wird Heinrich von einem Obdachlosen verfolgt, mal sorgt Janina bei den reichen Eltern ihres Freundes für Ärger; und Kosmetikberaterin Thea möchte verpasstes Glück im Umweg über den Sohn nachholen, dem sie eine rauschende Hochzeit ausrichten will. Trotz gelegentlicher Slapstick-Einlagen ist „Der Kaktus“ alles andere als eine krachende Komödie, sondern ein eher leiser Film, der seine Stacheln auf angenehm subtile Weise ausfährt. tpg.

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