Der Informant!

  1. Ø 2
   2009
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Filmhandlung und Hintergrund

Der Informant!: Inspirierte Farce über den Zustand des Big Business in den USA, in der Matt Damon als übereifriger Angestellter alles daran setzt, seine Kollegen vor dem FBI hinzuhängen.

Marc Whitacre arbeitet in Illinois als Vizepräsident bei dem Landwirtschaftskonzern Archer Daniels Midland. Er löst eine weit verzweigte Kette von Ereignissen aus, als er seinem Chef anvertraut, er habe einen Maulwurf in der Firma entdeckt, der einen japanischen Konkurrenten mit exklusiven Nachrichten versorgt. Als die Company das FBI anschaltet, das mit Marcs Einverständnis sein Telefon anzapft, erwacht der Geheimagent in dem übergewichtigen Spießer. Mit Wanzen verdrahtet tut er alles, um andere Kollegen Geheimnisse zu entlocken.

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Der chronische Lügner Marc Whitacre arbeitet als Vizepräsident bei dem Landwirtschaftskonzern ADM in Illinois. Als er seinem Chef anvertraut, dass er den Verdacht auf einen Maulwurf in der Firma hegt, wendet sich dieser an das FBI. Doch das darauf folgende Doppelspiel des neurotischen Familienvaters Marc und sein Auftrag als FBI-Informant zu dienen, lösen eine verzweigte Kette von packenden Ereignissen aus und bringen immer neue Ungereimtheiten ans Licht. Der neue Film von Steven Soderbergh erzählt mit viel Witz ein sehr charmantes Gaunermärchen, das auf wahren Begebenheiten beruht. Dabei überzeugt der Film neben einem unterhaltsamen Genremix und konterkarierender Musik vor allem durch den brillant besetzten und wandlungsfähigen Matt Damon. Die Jury ist hundertprozentig überzeugt und sagt: besonders wertvoll!

    Jurybegründung:

    Die Geschichte von einem, der immer lügt. Matt Damon spielt diesen Spießer Mark Whitacre aus der Provinz von Illinois auf eine in jeder Hinsicht unfassbare Art und Weise.
    Nicht nur, dass er mit Perücke, Brille, dicker Nase, schwer ausgestopften Wangen und 20 Kilo Übergewicht daherkommt, nein, wir merken schnell, dass nichts so ist, wie er es gerade eben gesagt hat. Es gibt immer noch eine neue Variante der Wahrheit; nichts ist so, wie es scheint.
    Vordergründig geht es in diesem auf einem authentischen Fall aus den 90er Jahren basierenden Film um Kartellabsprachen und Bestechung in einem international operierenden Agrarkonzern. Spätestens mit den inneren Monologen des Hauptdarstellers, in denen er das Gesehene und Gesagte ins Absurde verdreht oder konterkariert, wird klar, dass wir den mitten in diesen Skandal verstrickten Mark Whitacre sympathisch und witzig, aber auch reichlich neben der Spur finden. Achtung! Hier stimmt etwas nicht.

    Als er sich zum Spitzel und Kronzeugen von FBI und amerikanischem Finanzministerium machen lässt, erkennen wir, dass es immer mehrere Wahrheiten in dieser Geschichte geben wird, und machen uns gerne mit dieser nach allen Seiten vergnüglich vor sich hin persiflierenden Krimikomödie auf eine zweistündige Reise.

    Sätze wie 'Seien Sie 100% ehrlich.' Oder 'Ach ja, ich habe Ihnen noch nicht alles gesagt.' werden zum amüsanten Running Gag. Und als wir am Ende glauben wollen, die wirklich wahre Wahrheit und den Helden der Geschichte im Gefängnis wahrhaft geläutert vorgefunden zu haben, müssen wir feststellen, dass dem nicht so ist. Mark Whitacre ist Opfer und Täter zugleich. Dass selbst die Ärzte und Psychiater ihm eine 'bipolare Persönlichkeitsstörung' attestieren, ist im Zweifelsfall von ihm selbst auf entsprechend amtlichem Briefpapier gefaked worden. Wer weiß, vielleicht plappert er auch nur so vor sich hin...
    Steven Soderbergh scheint eine unbändige Lust anzutreiben, dem Zuschauer durch souverän gesetzte Stilmittel wie absurde Dialoge, Filmzitate, eine elegant-ironische Mischung aus 50er Jahre-Tanzorchester, James-Bond-Musik und Country-Swing eine 'Gangsterschnurre' vorzusetzen, die durchaus als augenzwinkernder Kommentar zur aktuellen weltweiten Finanzkrise gesehen werden kann. Und manchmal beschleicht einen das Gefühl, der Co-Produzent George Clooney würde gleich um die Ecke kommen. Aber das ist ein anderer Film...

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Matt Damon ist so was von auf der Höhe in diesem Film, er ist Marc Whitacre, er ist das Herz des Films, und er genießt es, darstellerisch so richtig Platz zu haben, sich zu entfalten. Ja: Damon, das merkt man, weiß genau, was er mit dieser Figur anzufangen hat. Auf eine merkwürdige Weise, vielleicht gar nicht bewusst, lässt er Manierismen einfließen anderer Schauspieler, er spielt eine Art Mischung aus Philipp Seymour Hoffman (wie er die Brille hochrückt!), aus Leonardo DiCaprio (das Spiel mit den Augenbrauen! Mit den Mundwinkel!), und aus John C. Reilly, der das ganz alberne so ernst rüberbringen kann. Das alles natürlich einerseits auf Damon-Art; andererseits passt diese eklektische Vielfalt des Spiels auch auf Marc Whitacre. Denn der weiß selbst nicht so recht, wer er ist und was er ist. Und warum.

    Er füllt sich wie in einem Crichton-Roman, Tom Cruise in „The Firm“ ist immer wieder ein Referenzpunkt; außerdem sieht er sich als Agent 0014, „doppelt so schlau wie 007“: weil er die Preisabsprachen, die illegalen Machenschaften seines Arbeitgebers an das FBI verrät. Und dabei im Herzen ganz loyal zu seiner Firma, zu ADM steht. Dort veranstaltet er das große Aufräumen, das ihm dann letztlich an die Konzernspitze katapultieren soll, ihn, der die Firma in den Abgrund reißt. Aus Gewissensgründen kann er nicht mitansehen, wie der Verbraucher im Supermarkt beim Lebensmitteleinkauf durch widerrechtliche Absprachen, durch Kartellgründung und überhöhte Preise über den Tisch gezogen wird. Durch Bestechungsgelder und Unterschlagungen hat er freilich seine Schäfchen längst ins Trockene gebracht. Für ihn ist das Informationensammeln für das FBI ein Nervenkitzel, etwas Aufregendes, Anderes, ja, vielleicht gar etwas Sinngebendes. Er ist ein notorischer Lügner, eine bipolare Persönlichkeit, die Widersprüchlichkeit in Person, einer, der gar nicht anders kann als andere und sich selbst zu täuschen, zu beschwindeln, der Illusionen aufrechterhält mit unerschütterlichem Optimismus und dabei dummerweise sich selbst in den Abgrund schleudert.

    Wenn Damon das Herz des Films ist, ist Steven Soderbergh das Gehirn. Er ist hier ebenfalls auf der Höhe, und das, wo er doch derzeit Filme raushaut wie nix: neben der zweigeteilten Guevara-Biographie, in der der Realismus immer wieder mit dem Mythos zusammenstößt, gibt es auch noch das Experimentalstück „The Girlfriend Experience“, das bisher noch gar nicht in Deutschland rausgekommen ist. Und während seine erfolgreichen „Ocean’s“-Filme witzige Hyperironien waren, geht er nun in „Der Informant“ ganz direkt ran, geradezu geradlinig, beinahe wie ein echter Mainstream-Film. Nur dass er aus diesem Wirtschaftskrimi kein Drama, keinen Thriller, sondern eine feine Komödie macht. Weil all das, was da in den 90ern tatsächlich passiert ist, so lächerlich, so irrwitzig ist.

    Er beweist ein sehr gutes Gespür für die Geschichte und die Figuren und dafür, wie der Film zu erzählen ist: nämlich über Whitacre selbst, dem man nie trauen kann. Was man erst nach einer Weile rausfindet. Zu dessen Handeln Soderbergh einen Voice-Over-Kommentar stellt, einen inneren Monolog, der immer wieder vom Geschehen abschweift und nur noch assoziativ mit dem Plot zusammenhängt, wenn Whitacre über deutsche Wörter, Eisbären, seine Hände oder Indoor-Swimmingpools philosophiert.

    Das Schöne ist, wie der Film einerseits Whitacres Sicht auf sich selbst und auf die Welt präsentiert und daneben das, was wirklich los ist, wie er sich wirklich verhält: in jedem Moment ist Whitacre wahrhaftig, auch wenn er diametral dem widerspricht, was er in der vorhergehenden Szene gesagt oder getan hat: der Lügner glaubt sich selbst. Und wie er dann irgendwann ganz nebenbei an seinen Haaren rückt: es ist alles falsch an ihm; und keiner um ihn herum bemerkt es.

    Fazit: Komödie über einen irrwitzigen Fall von Wirtschaftsverbrechen; und über eine höchst widersprüchliche Person, die alles ins Rollen bringt, auch sich selbst.
  • Steven Soderbergh verpackt Kapitalismuskritik in eine unterhaltende Farce über die Psyche eines Hochstaplers und die Praktiken des Big Business.

    Diese Geschichte soll sich so oder so ähnlich wirklich zugetragen haben. Man mag es kaum glauben. Da ist dieser adrett aussehende und langweilige Biotechniker Marc Whitacre, der beim Landwirtschaftskonzern Archer Daniels Midland (ADM) in Illinois arbeitet und den Ruf hat, keiner Fliege etwas zuleide tun zu können. Eines schönen Tages vertraut er seinem Chef an, dass er einen Maulwurf entdeckt habe, der mit einem japanischen Konkurrenten ins Geschäft kommen will und tritt damit eine Lawine los. Die Company lässt sein Telefon überwachen und der gute Mann informiert FBI-Detective Brian Shepard über einen internationalen Deal zur Preisabsprache bei der Mais-Verarbeitung. Wie ein kleiner Junge, der begeistert Räuber und Gendarm spielt, setzt er nun Abhörgeräte bei Meetings ein, verwanzt Büros und versorgt das FBI mit Informationen über zweieinhalb Jahre hinweg. Bald hebt er ab, glaubt an eine Verschwörung, zweigt Millionen aus der Firmenkasse in seine eigene ab, verheddert sich in ein Netz aus Lügen und Geheimnissen, wird zum Wirtschaftskriminellen, der am Ende im Gefängnis landet, weil seine Intrigen wie Luftballons platzen und sein aufgeblasenes Ego als Agent 0014 (doppelt so gut wie Bond) in sich zusammenfällt. Als er entdeckt wird, flippt er aus, erfindet immer neue Märchen, um sich reinzuwaschen und wichtig zu machen, gibt er der Presse Zucker und nervt seinen Anwalt. Fazit: einer der lügt, braucht immer jemanden, der ihm glaubt.

    Für Authentizitaet sorgen auch die teilweisen Original-Schauplätze. Sieben Jahre dauerte die Drehbuchentwicklung, da stimmt jede Kleinigkeit, jeder Dialog. Die schwarzhumorige Komödie mit einem Score von Marvin Hamlisch, der immer den richtigen Ton trifft, startet bedächtig, gewinnt dann sukzessive an Fahrt und wird auf den letzten Metern zum Kracher. Matt Damon, ein Biedermann als Brandstifter, der sich Übergewicht anfutterte und durch ein Kassengestell zwinkert, ist in seinem fünften Film mit Soderbergh als sympathischer Psychopath umwerfend – unsicher, durchtrieben und liebevoll, eine Mischung, die funktioniert. Und die Story passt bestens zur aktuellen Krise der Finanzen und Moral. Der echte Whitacre ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden, der Zuschauer sollte es auch sein. mk.

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