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Der Herr der Wüste

Filmhandlung und Hintergrund

Komödie nach einer Episode aus Uwe Timms Roman "Johannisnacht": Eine Ehefrau bekommt unerwarteten Besuch von einem Tuareg, den sie im Afrika-Urlaub kennengelernt und ohne ernste Absicht eingeladen hatte.

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Kritikerrezensionen

  • Der Herr der Wüste: Komödie nach einer Episode aus Uwe Timms Roman "Johannisnacht": Eine Ehefrau bekommt unerwarteten Besuch von einem Tuareg, den sie im Afrika-Urlaub kennengelernt und ohne ernste Absicht eingeladen hatte.

    Man sollte Einladungen eben nur dann aussprechen, wenn man sie auch ernst meint. Falls er mal in München sei, hatte Lehrerin Annette Bucher bei ihrer Bildungsreise zu dem schmucken Scheich gesagt, könne er sich ja das Foto abholen, das sie beide in der Wüste zeigt. Der Scheich, nicht faul, steht irgendwann tatsächlich vor der Tür; und das ist bloß der Beginn einer verrückten Geschichte mit mancher Moral, skurrilen Einfällen und vielen hübschen Ideen.

    Wie so oft fördert der unverhoffte Gast Dinge zu Tage, mit denen sich das Ehepaar Annette und Richard Bucher (Anica Dobra, Herbert Knaup) schon längst hätte auseinandersetzen sollen. Auch hier funktioniert der alte dramaturgische Trick bestens: Man sieht das Leben durch die Augen des Fremden, für den natürlich vieles völlig unverständlich ist. Erdal Yildiz, bestens in Erinnerung als Mitarbeiter von Eva Blond in den Sat-1-Krimis, stattet Moussa mit ganz viel Würde aus. Seine gewählte Sprechweise und seine Grundsätze machen ihn zudem zu einem vorbildlichen Menschen. Natürlich fühlt er sich heftig zu Annette hingezogen; doch selbstredend ziemt es sich nicht, die Frau eines anderen zu begehren.

    Geschickt gelingt Regisseurin Vivian Naefe und Autorin Ruth Toma (das Drehbuch ist nach einer Episode aus dem Uwe Timms Roman „Johannisnacht“ entstanden) der Balanceakt zwischen Komödie und Drama. Der Humor ist ohnehin eher subtiler Natur, doch auch die melodramatischen Aspekte drängen sich nur selten in den Vordergrund. In erster Linie erzählt „Herr Wüste“ von den Absurditäten, die die Grundkonstellation mit sich bringt. Ein ganz in Blau gewandeter Tuareg, dessen Vermummung allein einen Schlitz für die Augen offen lässt: Das ist selbst für eine Weltstadt wie München durchaus ungewöhnlich. Gastfreundlich nehmen die Buchers Moussa in ihr Haus auf, wenn auch sehr zum Unmut der halbwüchsigen Tochter (Marie-Luise Schramm), die den armen Mann hemmungslos mit sämtlichen Vorurteilen konfrontiert. Alsbald bereut Richard Bucher seine Großzügigkeit, doch Moussa beschämt seine Gastgeber immer wieder durch seine Langmut.

    Natürlich hat Yildiz mit Abstand die besten Dialoge. Mit Wüstenweisheiten wie „Zeit gehört einem selbst, nicht anderen“ erfüllt Moussa nicht nur die Sehnsucht nach einer ursprünglichen Klarheit, sondern sorgt tatsächlich dafür, dass die Buchers sich selbst mit anderen Augen sehen. tpg.

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