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Der große Tom

Filmhandlung und Hintergrund

TV-Drama um einen Zwölfjährigen, der geheim zu halten versucht, dass er alleine für sich und seine jüngeren Schwestern sorgen muss.

Weil die Mutter kaum noch zuhause ist, müssen sich der zwölfjährige Tom und seine jüngeren Schwestern irgendwie allein durchschlagen. Verzweifelt versuchen sie, gegenüber Nachbarn und Jugendamt den Schein zu wahren. Doch das wird immer mühsamer, zumal das ältere der beiden Mädchen mehrfach abhaut. Als Tom seine Mutter zufällig in Begleitung ihrer neuen Familie im Zirkus sieht, bricht die mühsam aufrecht erhaltene Fassade endgültig zusammen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der große Tom: TV-Drama um einen Zwölfjährigen, der geheim zu halten versucht, dass er alleine für sich und seine jüngeren Schwestern sorgen muss.

    Die Erkenntnis, das Leben schreibe die besten Geschichten, ist eine abgedroschene Binsenweisheit; manchmal aber passt sie einfach. So wie in diesem Fall: Die Idee zu seinem Film „Der große Tom“ kam Niki Stein, als er in der Zeitung las, wie ein Junge ein Jahr lang völlig auf sich allein gestellt für sich und seine Geschwister gesorgt hat.

    Niemand, so Stein, „hat die hoffnungslose Situation der Kinder auch nur erahnt“; eine größere Heldentat sei kaum vorstellbar. Und so setzt der Schöpfer einer Vielzahl erstklassiger „Tatort“-Beiträge diesem ungewöhnlichen Jungen nun ein filmisches Denkmal. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die Mutter nicht zu dämonisieren: Barbara Berger ist regelmäßig überfordert, wenn sie ihre Kinder erziehen soll, und flüchtet sich in eine Beziehung zu ihrem neuen Chef (Herbert Knaup). Eine Erklärung für dieses seltsame Verhalten bleibt Stein (Buch und Regie) schuldig. Ein cleverer Besetzungstrick verhindert jedoch, dass man die Mutter als Monster sieht: Aglaia Szyszkowitz legt die Frau bei ihren kurzen Auftritten derart sympathisch an, dass man sich vorübergehend der irrigen Hoffnung hingibt, alles sei nur ein Missverständnis. Barbara scheint ihre Kinder tatsächlich zu lieben, aber nur, wenn sie sie sieht, und das ist ziemlich selten der Fall. Der zwölfjährige Tom versucht verzweifelt, die Fassade zu wahren, und übernimmt daher Mutter- und Vaterrolle. Das bringt ihm zwangsläufig regelmäßig Ärger ein: mal mit seinem Lehrer, weil er erst seine Schwestern zur Schule bringen muss und deshalb ständig zu spät kommt, mal mit Nachbarin Cora (Sandra Borgmann), weil Barbara bei einer ihrer Stippvisiten neben etwas Geld auch eine übergelaufene Waschmaschine hinterlassen hat.

    Kaum weniger imposant als die übermenschliche Tat des Kindes aus dem Zeitungsartikel ist die darstellerische Leistung von Wolf-Niklas Schykowski. Der Junge war vor allem deshalb ein Glücksfall, weil man ihm den Zwölfjährigen ohne Weiteres abnimmt; in Wirklichkeit geht er schon in die zehnte Klasse. Mit seinem stillen Ernst gelingt es ihm scheinbar mühelos, den Film zu tragen. Auch seine Filmgeschwister (Elisa Schlott, Lotte Becker) sind ausgezeichnet geführt worden.

    Trotzdem ist die Geschichte natürlich eine Zumutung. Stein versucht gar nicht erst, eine Handlung im klassischen Sinn - Einführung, Konflikt, Happy End - zu gestalten. Der Konflikt schwelt permanent, das Ende ist von Anfang an absehbar. Für Abwechslung sorgen allenfalls emotionale Tiefschläge, wenn Tom beispielsweise die Tür zum Zimmer seiner Mutter aufbricht und schockiert feststellen muss, dass ihr Kleiderschrank leer ist; oder wenn die Kinder mit Cora und ihrem Freund (Stephan Kampwirth) in den Zirkus gehen und Tom dort Barbara sieht: in Begleitung ihres Freundes und dessen Kinder. Trotzdem nimmt der Junge seine Mutter immer wieder in Schutz. Bereitwillig spielen die Kinder Theater, als eine Frau vom Jugendamt (Anke Sevenich) nach dem Rechten sieht. Auch zwei hilfsbereite Polizisten lassen sich überzeugen, alles sei in Ordnung, obwohl Toms elfjährige Schwester Sophie mehrfach abhaut, um sich irgendwie zu ihrem Vater nach Kapstadt durchzuschlagen. Aber als sie das erste Mal ihre Periode bekommt, ist verständlicherweise selbst Tom überfordert. Alles andere als ein leichter Stoff also und auch kein Film, der auftrumpfend daherkommt; dank der intensiven Inszenierung und der großen kleinen Darsteller jedoch unbedingt sehenswert. tpg.

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