Der Ghostwriter

  1. Ø 3
   2010

Der Ghostwriter: Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

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Filmhandlung und Hintergrund

Der Ghostwriter: Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

Nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren wird ein renommierter Ghostwriter engagiert, das Verfassen der Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang zu übernehmen. Dazu erhält er das ursprüngliche, in seinen Augen unbrauchbare Manuskript und exklusive Sessions mit Lang, der sich mit seiner Entourage, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, in der Villa eines Mäzens auf Martha’s Vineyard befindet. In die ohnehin angespannte Atmosphäre platzt die Nachricht, dass Lang gemeinsame Sache mit der CIA gemacht haben soll. Der Ghostwriter sticht in ein Wespennest und ist sich schnell seines Lebens nicht mehr sicher.

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Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Der neue Ghostwriter für die Memoiren eines ehemaligen britischen Premierministers wird in Roman Polanskis aktuellem Geniestreich schnell in undurchdringliche Wirren politischer Intrigen und biographischer Ungereimtheiten verstrickt. Der polnisch-französische Regisseur erzählt die Geschichte nach einem Roman des englischen Starjournalisten Robert Harris als stimmungsvollen Politthriller voller Mysterien, rätselhafter Frauenfiguren und bedrohlicher Schatten der Vergangenheit. Kühle Settings und die regnerischen Küstenlandschaften Neuenglands schaffen ein intensives Gefühl der Beklemmung, der permanenten unterschwelligen Bedrohung. Scharfsinnige Wortgefechte, grandiose Darsteller und die Kunst der Anspielung mit unvorhersehbaren Wendungen zeichnen diese klassisch inszenierte Suspensegeschichte aus. Intelligenter, fein knisternder Thriller mit unentrinnbar subtiler Sogwirkung.

    Jurybegründung:

    Nacht. Im von heftigem Wind gepeitschten strömenden Regen ragt drohend der Bug einer Aufofähre ins Bild, bevor die Aussschiffung beginnt. Ein Auto bleibt, ohne Passagier dazu, auf dem Schiff. Eine düstere und spannungsgeladene Anfangsstimmung, die nichts Gutes verheißt. Die Bedrohung als Spannung vom ersten Bild an reißt nicht ab bis zum bitteren Ende des Protagonisten. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die Musik, wie sie die Bilder und das Geschehen emotional mitbestimmt. Sie drängt sich nicht auf, oft treibend bleibt sie trotzdem leise oder setzt auch auf musikalische Pausen.

    Rastlose Ruhe und altmeisterliche Präzision sind die Bausteine von Roman Polanskis Thriller DER GHOSTWRITER. Bilder wie gemeißelt beim Einsatz von Licht und Ausstattung. Radikale Typisierungen in einem undurchschaubaren Gespinst von Abhängigkeiten um Macht, Ohnmacht und Einflussnahme. Wer zieht die Fäden, wer sind die Marionetten. Politik wird bei Polanski zur Farce und zugleich zur klassischen Tragödie, in der der Held untergeht, weil er seinem Schicksal nicht entkommen kann.

    Ein Schriftsteller mit einem gutem Ruf willigt ein, als Ghostwriter (ausgezeichnet unterkühlt Ewan McGregor), die fast fertigen Memoiren des britischen Ex-Premiers Adam Lang für ein horrendes Honorar zu überarbeiten: Der Vorgänger als Ghostwriter wurde tot am Strand jener Insel aufgefunden, auf der Lang sich mit Mitarbeitern und Ehefrau in den USA abgeschottet unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen in einer luxuriös designten Betonvilla aufhält. Als 'Ghost' des Ex-Premiers entdeckt der Autor erste Ungereimtheiten zum Tod seines Vorgängers. Selbstmord oder Mord ist der Ausgangspunkt einer lebensbedrohenden Recherche, die ihn immer tiefer in den Sumpf der Einflusssphäre des CIA hineinbringt. Konsequent sehen wir seine Perspektive, leiden und zittern mit ihm, wie er mit einer Mischung aus Mut und Angst die Geschichte mit ihren überraschenden Wendungen voran treibt und weitere Verflechtungen zur CIA aufdeckt.

    Der konkrete politische Hintergrund mit seinen scheinbaren Bezügen zu Tony Blair und dem Irakkrieg und dessen Rolle ist die Folie von DER GHOSTWRITER. Diese Bezüge werden überhöht und durch eine Typisierungsstrategie der Akteure entwirklicht. Der Ex-Premier (sehr gut naiv überpointierend Pierce Brosnan) wird als politischer Schauspieler dekonstruiert und seine Ehefrau Ruth (Olivia Williams) als ihn dirigierende CIA-Agentin enttarnt, die den Premier zu einer von ihr zu steuernden Marionette gemacht hatte. Auf der individuellen Ebene erlebt man sie aber auch eifersüchtelnd an der offensichtlichen Beziehung zwischen ihrem Mann und der ihn liebenden engsten Mitarbeiterin. Ernsthaftigkeit oder gespieltes Ablenkungsmanöver, die Ebenen verschwimmen und man weiß nicht, wer von wem abhängt.

    Die Orte im Film sind eigenartig klaustrophobisch angelegt. Die Akteure agieren als Gefangene eines undurchschaubaren Systems von gegenseitiger Kontrolle und Anweisungen, in dem sie Chiffren von Wirklichkeit der CIA-Methoden darstellen. Das Aufdecken dieser Machenschaften durch den Protagonisten, der als namenloser 'Geist' durch die Geschichte getrieben wird, ergibt einen herausragenden Thriller, der auf seiner Erzählebene seine intensive Spannung auf hohem gestalterischen Niveau ohne technische Effekthascherei eine dichte Atmosphäre erreicht. Die komplexere politische Dimension erschließt sich dem Zuschauer aus dem direkten intensiven Mitgehen und Miterleben der individuellen Ohnmacht des Protagonisten von Vorgängen, die dieser meist zu spät oder kaum selbst durchschaut und dem Betrachter mit Hochspannung nachvollziehen lässt. Und wer dieses System aufzudecken versucht und damit stört, ist der Leidtragende und wird ohne Gnade vernichtet. Eine meisterhafte Leistung des Films DER GHOSTWRITER von Roman Polanski.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • „Ich bin nur der Biograph“, sagt der namenlose Ghostwriter, „ich bin kein investigativer Reporter.“ Dass er schon viel tiefer in alles verstrickt ist, hat er zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt – diese Wandlung des Biographen zum Ermittler ist eine der unterschwelligen Linien des Films, den Regisseur Roman Polanski zusammen mit Romanvorlagenautor Robert Harris geschrieben hat.

    Ein Verschwörungsstück, ein Politthriller ist "Der Ghostwriter" - reines Spannungskino atmosphärisch inszeniert, das sich um einen Komplott dreht. Wirklichkeit wie Irakkrieg, Folter, Menschenrechtsverletzungen im Namen des Kriegs gegen den Terror, Tony Blair, der alle Wünsche Amerikas erfüllt, all das wird gewandelt in Kino, und es scheint, als sei sich Polanski bewusst, dass er etwas anderes liefern muss als Nachrichtenbilder, die ja auch oftmals schöne Inszenierungen sind...

    Adam Lang im Film (Pierce Brosnan) ist an Tony Blair angelegt, nicht nur, weil er ehemaliger britischer Premierminister ist. Gegen Lang liegt eine Anklage vor dem Den Haager Menschenrechtsgerichtshof an, deshalb haust er auf einer Insel im Atlantik vor der US-Küste, denn die Vereinigten Staaten erkennen den Gerichtshof nicht an, liefern nicht aus. Hierhin verschlägt es den Ghostwriter (Ewan McGregor), der mit Politik nichts am Hut hat, der aber das Menschliche, das Herz in Langs Memoiren bringen soll. Zuvor hatte er, der Gebrauchsschreiberling, die Biographie eines Zauberers verfasst titels „He Came, He Sawed, He Conquered“, also ungefähr: „Er kam, er sah, er sägte“.

    Sein Vorgänger bei dem Lang-Job ist auf geheimnisvolle Weise ums Leben gekommen, der Ghost findet in dessen Nachlass Fotos und Jahreszahlen, die nicht so ganz zu Langs offiziellem Lebenslauf passen. Und so rutscht er hinein in eine Geschichte, die ihm eigentlich egal sein könnte – die für den Zuschauer aber immer spannend und mit Gespür für Timing, für die Darsteller, für Witz inszeniert ist. Und deshalb kommt Roman Polanski auch durch mit Wendungen, die eigentlich in einem Drehbuch nie funktionieren, zu weit hergeholt, zu unplausibel, doch Polanski „gets away with murder“, wie man so schön sagt. Die Inszenierung überdeckt die Plotschwächen.

    Polanski kann stimmungsvoll-bedrohlich inszenieren, auch wenn eigentlich erstmal gar nichts passiert. Nein: tiefgründig es der Film ohnehin nicht, aber darum geht es auch nicht. Polanski will Kino machen, ganz in der klassischen Traditione der Thriller und das tut er. Bemerkenswert sind die kleinen Verweise auf Polanskis eigenes filmisches Werk, die Insel wie in „Wenn Katelbach kommt“, die Hinterlassenschaften eines Toten im Schrank wie im „Mieter“, und der asiatische Gärtner, der schon in „Chinatown“ im Hintergrund werkelte – hier darf er das dürre Dünengras von der Terrasse fegen, ständig, immer wieder, denn der Wind weht es wieder zurück...

    Fazit: Spannender Polit-Verschwörungsthriller, dessen perfekte Inszenierung ein paar Plotschwächen locker wettmacht.
  • Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

    Man stecke Menschen in einen Raum, riegele ihn hermetisch ab, packe den Deckel drauf und erhöhe konstant den Druck. Und dann sieht man zu, was passiert. Roman Polanski liebt diese Szenarien. Es fällt nicht schwer zu sehen, was den Regisseur, als die Finanzierung für die ursprünglich geplante Verfilmung von Robert Harris‘ „Pompeji“ aufgrund eines möglichen Schauspielerstreiks (der nicht kam) den Weg alles Irdischen ging, ganz spontan an Harris‘ „Der Ghostwriter“ begeisterte: Diese in einen Politthriller verpackte Abrechnung mit der Ära Blair ist ein Kessel, der unter ganz besonders hohem Druck steht, zumal eine persönliche Komponente gewiss auch eine Rolle gespielt haben dürfte: So sehr der ehemalige britische Premier dieser Geschichte, Adam Lang, auch Tony Blair ähneln mag, die Tatsache, dass er im Verlauf der Geschichte vor der Situation steht, nur noch drei Länder betreten zu dürfen, in denen er nicht fürchten muss, verhaftet zu werden, dürfte der Regisseur sicherlich als Parallele zu seiner eigenen Situation verstanden haben.

    Fast sklavisch genau hält sich Polanski in seiner zwar in den USA spielenden, aber fast komplett in Deutschland gedrehten Verfilmung an die Vorlage: Der Roman ist in diesem Fall das Drehbuch, ein bisschen gestrafft an Stellen, der Showdown ist nicht ganz so spektakulär, aber deutlich ambivalenter als in der Vorlage, und am Ende hat Polanski ein bisschen gedoktert, aber sonst findet man fast ein buchstäbliche Übersetzung der Seiten auf der Leinwand. Und doch ist man überrascht, wie unverkennbar Polanski der Film ist, wie er sich diesen Stoff bei aller Ruhe und Umsicht, mit der er die Geschichte erzählt, zu eigen gemacht, wie er mit scheinbar einfachen Kompositionen eine ungute Stimmung beschwört, wie man sie aus „Rosemaries Baby“ oder „Der Mieter“ aber auch „Der Pianist“ kennt. Natürlich ist die Hauptfigur ein idealer Polanski-Held. In den Sechzigerjahren hätte Polanski ihn sicherlich selbst gespielt, diesen namen- und auch weitgehend gesichtslos bleibenden Ghostwriter erfolgreicher Celebrity-Biographien, der nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren engagiert wird, binnen kürzester Zeit die Memoiren des ehemaligen britischen Premiers Adam Lang zu verfassen. Justament in diesem Moment gerät der ins Kreuzfeuer der Weltpresse, weil er auf verhängnisvolle Weise in CIA-Machenschaften während des Irakkrieges verstrickt gewesen sein soll. So wird dessen Aufenthaltsort in einer Villa eines Mäzens auf Martha’s Vineyard zum Gefängnis für alle Anwesenden, die ihr grausames Spiel miteinander spielen: Lang selbst, dessen blitzgescheite Frau Ruth und seine attraktive Assistentin Amelia. Am Ende der Nahrungskette sieht der Schattenmann hilflos zu. Er ist selbst nur ein Geist im Geschehen und darf nicht eingreifen. Gleichzeitig wird er aber auch vom Geist des ursprünglichen Autoren verfolgt, dessen in seinen Augen unbrauchbares Manuskript er bearbeiten soll in dieser kalten, durchgestylten Villa, die wie ein Bunker in die Dünen gebaut ist. Dann offenbaren sich dem passiven Helden Indizien, die ihn zwingen, zur Tat zu schreiten, weil er mit einem Mal einer ungeheuerlichen Wahrheit auf der Spur ist. Die ist so flüchtig wie der Sand draußen auf der Veranda, den der vietnamesische Hausmeister Tag für Tag kehrt, ohne jemals Fortschritte zu machen: Alles Bemühen ist hier umsonst.

    Ein bisschen bequem wird geplottet im zweiten Akt, manch ach so großes Geheimnis ist doch nur ein paar Klicks auf dem Computer entfernt. Und doch lässt „Der Ghostwriter“ seine unheilvolle Atmosphäre wirken wie ein langsames Nervengift: Der Film mit seinem von anderen Kräften gesteuerten Helden, dem immer nur gesagt wird, was er zu tun hat, ob nun von seinen Auftraggebern oder einem Navi-System, ist unwiderstehlich, eine eindringliche Meditation über die Geister, die man ruft – Geister, wie sie allgegenwärtig sind in den Filmen des 76-jährigen Regisseurs. In „Ekel“ kommen sie buchstäblich aus den Wänden, die Lady Macbeth wird von ihnen in den Wahnsinn getrieben und „Der Mieter“ in den Selbstmord. Geister überall, die dafür sorgen, dass Polanskis Protagonisten zunehmend den Boden unter den Füßen und die Kontrolle über die Situation verlieren. Wie in „Der Ghostwriter“: Ewan McGregor, dem Farblosigkeit vorgeworfen wurde, ist eben genau richtig als ewig passiver Spielball von Mächten, die er nicht durchschaut und schon gleich gar nicht lenken kann. Immer ist da einer, der für die anderen die Strippen zieht. So gelingt Roman Polanski en passant auch ein allgemeingültiger Film über Macht, auch wenn er sich nie aufdrängt: Er erzählt einfach nur seine Geschichte. Der Rest ergibt sich wie von Geisterhand. ts.

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