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Fakten und Hintergründe zum Film "Der Fuchs und das M?dchen"

Kino.de Redaktion |

Der Fuchs und das Mädchen Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Regisseur Luc Jacquet

Auf dem Weg zu einer neuen Reise: An welchen neuen Ort haben Sie beschlossen, uns diesmal zu führen?

Die außergewöhnliche Reise, die dieser Film vorschlägt, besteht darin, die Natur so zu sehen, wie sie sich anbietet, wenn man stundenlang bewegungslos bleibt, um sich zu vergessen. Der Film hätte auch „Das Sitzen im Gras“ heißen können. Ich erinnere mich noch an die reinen Empfindungen des Betrachtens. Dann bleiben nur die Freude und das Wissen, ein außergewöhnliches Abenteuer erlebt zu haben. Wir erleben einen seltsamen Fluch: Wenn ein Mensch in einen Wald eindringt, dann geht so ein Tam-Tam los, das allen Waldbewohnern die Anwesenheit eines Feindes mitteilt. Ich wollte, genau wie das kleine Mädchen im Film, diesen Fluch abschaffen. Das Prinzip des Films ist es, die Natur so zu zeigen, wie sie sish zeigt, wenn wir nicht da sind, um sie zu beobachten. So einfach ist das. Indem man dem Fuchs folgt und dann dem Mädchen, bietet der Film ein Schauspiel an, zu dem man normalerweise keinen Zugang hat, es sei denn man könnte Stunden in einem Hochsitz verbringen.

Wie kann man mit bekannten Landschaftsbildern den

Zuschauer zum Träumen bringen?

Genau darin bestand die große Herausforderung: Den Zuschauer damit zum Träumen zu bringen, was er eigentlich gut kennt. Es ist natürlich einfacher, das Publikum mit außergewöhnlichen Eisbergen zu erstaunen, wie einen im Allgemeinen alles mehr fasziniert, was unerreichbar ist. Mit diesem Film gefiel es mir, kleine Momente des Glücks erzählen zu können, die einfach gut tun und allen offen stehen. Die Natur öffnet sich uns nur dann, wenn wir uns die Zeit nehmen sie zu betrachten. Erst dann wird alles lebendig und der Fuchs auf der Lauer erscheint realistisch. Ich wollte den Zuschauer dazu einladen, sich der einfachen Freude auszusetzen, in der Natur zu sein.

Ist das wie ein Spaziergang in einer idealen Welt?

Ich würde eher sagen, der Film setzt aus verschiedenen kleinen Teilen der Natur eine ideale Landschaft zusammen, aus verschiedenen Orten, die teils weit voneinander entfernt liegen. Das ist mein Privileg als Filmemacher, so eine ideale Geographie schaffen zu können. Ich habe auch sehr viel mit unterschiedlichen Maßstäben gespielt. Aus der Sicht eines Kindes oder eines Fuchses erscheint die Natur nicht gleich. Aus ihrem Blickwinkel verändern Landschaften ihre Dimension. Alles wird viel beeindruckender und fantastischer und ein kleiner Wasserfall kann so zu etwas ganz Großartigem werden. Ich habe mich ebenfalls bemüht, die erstaunten Kinderaugen zu bewahren, die eine Natur aus einer früheren Zeit betrachten, eine Natur, in der noch Bären, Luchse und Wölfe lebten, so wie vor circa 200 Jahren.

Wie beschreibt uns Ihr sehr persönlicher Blick

die Natur?

Mir gefällt der Gedanke, dass man mit einer Art Zauberbrille in verschiedene Welten gelangen könnte und alles nur von verschieden Gläsern abhängig ist. Das Hilfsmittel, das uns ermöglicht zu beobachten, verändert die Wahrnehmung der Welt ebenso wie den Blickwinkel. Mit einem Mikroskop tauche ich zum Beispiel in die Welt der Bakterien ein, mit einem Teleskop reise ich durch das Universum und mit einer Kamera, die ich fast auf ebenen Boden stelle, trete ich in die Welt eines Fuchses ein. Jeder Film ist auf seine Weise eine neue Brille.

DER FUCHS UND DAS MÄDCHEN ist bewusst sehr stilisiert … Es ist ein Märchen. Und ein Märchen erscheint wie eine einfache Geschichte mit einfachen Worten erzählt. Ein Märchen richtet sich an alle. Egal ob offen oder versteckt, der Inhalt der Märchen bildet oft die Basis für das kindliche Denken.

In DER FUCHS UND DAS MÄDCHEN geht es um den Respekt gegenüber der Natur, den Respekt dem Anderen gegenüber, um Grenzen, die nicht übertreten werden dürfen, weil sonst die Gefahr besteht, jemanden, den man besitzen möchte, zu verfälschen. Aus diesem Grund wurde in dem Film alles, was nicht direkt mit der Beziehung zwischen dem Mädchen und dem Fuchs zu tun hat, nur vage angedeutet. Das erlaubt, sich auf die Grundproblematik des Films zu konzentrieren. Diese gewisse Strenge ergibt so mehr Sinn und schafft stärkere Emotionen. In dieser Geschichte spielt die Zeit, in der sie spielt, keine Rolle. Wichtig ist, was sich zwischen dem Fuchs und dem Kind abspielt. EINE EINMALIGE GESCHICHTE

War dieser Film eine Selbstverständlichkeit nach dem Erfolg von Die Reise der Pinguine?

Dieses Projekt lag mir schon seit langem am Herzen. Ich hatte die Synopsis zu DER FUCHS UND DAS MÄDCHEN lange vor Die Reise der Pinguine geschrieben. Nach dem Rummel der Werbetour und der Preisverleihungen war ich froh, dieses sehr persönliche Projekt entwickeln zu können, das genug Zeit hatte, in mir zu reifen. Es ist ein Thema, bei dem ich mich nicht fragen musste, ob es genauso gut oder weniger gut werden würde wie Die Reise der Pinguine. Der Erfolg gab mir die Möglichkeit, diese Geschichte von kleinen Glücksmomenten zu erzählen, die paradoxerweise große Mittel benötigte.

Wie verlief das Schreiben des Drehbuchs?

Ich mag die Leichtigkeit, die einem ein Blatt Papier und ein Bleistift bieten im Vergleich zu den Mitteln, die ein Dreh benötigt. Den ersten Weg legte ich allein zurück, um die innere Geschichte zu entwickeln. Eric Rognard kam dann hinzu als Drehbuch-Koautor. Es entstand dann eine sehr effi ziente Zusammenarbeit. Wir versuchten, eine starke Geschichte mit dem Respekt für das wirklichkeitsgetreue, natürliche Verhalten des Fuchses zu verbinden. Wir mussten eine Verbindung schaffen, die den Blickwinkel des Fuchses glaubhaft erscheinen lässt und dabei die dramatischen Mittel finden, die im problematischen Zusammenhang mit der Zähmung stehen. Bezüglich der Stimmen habe ich die Wahl getroffen, die Geschichte erzählen zu lassen. Es ist das Mädchen, das als Erwachsene ihre Erinnerungen erzählt und uns so durch den Film führt.

Inwiefern ist DER FUCHS UND DAS MÄDCHEN ein

ungewöhnliches Drehbuch?

Es ist ein klassisches Drehbuch mit Sequenzen und Personen. Nur dass die Protagonisten, ein Kind, ein Tier und die Natur, nicht durch Dialoge kommunizieren. Für alle drei mussten wir eine Art Partitur entwickeln, die den ganzen Film lang glaubhaft bleibt, dem Wechsel der Jahreszeiten folgt, und ebenso den Wunsch des Mädchens reflektiert, das Leben des Fuchses zu entdecken und zu teilen.

Interview - Vom Drehbuch zum Film

Ist die Kinosprache hier anders als in Die Reise der Pinguine?

Sie steht sogar im ganzen Gegenteil. Mit den Kaiserpinguinen erzählte ich eine Geschichte, die uns schon die Natur vorgeschrieben hatte. Mit dem Fuchs schreibe ich eine Geschichte, um die Natur meiner Kindheit zu erzählen, und wir haben uns die Mittel ermöglicht, sie ins Bild zu setzen. In Die Reise der Pinguine fangen wir die Realität ein. Ich wusste, die Dreharbeiten zu DER FUCHS UND DAS MÄDCHEN würden eine Mischung aus dem, was wir aufwändig in Szene setzten und dem, was wir dem Dokumentarfi lm ähnlich mit der Kamera einfingen: Ein „wilder“ Teil für das Verhalten des Fuchses und ein Regieteil für alles, was mit dem Mädchen passierte.

Wohin führten Sie ihre ersten Reflexionen, um den Film gut fortführen zu können?

Der Ausgangspunkt war, die Landschaften für diese Geschichte zu fi nden. Ich wollte den Film in einer Mittelgebirgslandschaft drehen, die aber nicht zu wild wirken sollte. Die erste Suche nach geeigneten Drehorten fand durch Jérôme Bouvier statt. Er war wie ich Kameramann und wusste genau, was ich suchte. Er ging auf Europatour mit dem Ziel, außergewöhnliche Drehorte zu finden, wo in großen Wäldern noch zahlreiche Füchse leben. In Frankreich fing er in den Landschaften des Hauts-Doubs an und ging südlich bis in die Chartreuse. Danach zog Jérôme weiter nach Norwegen, Slowenien, Rumänien und Ungarn, bis er in Italien landete. Letztendlich beschlossen wir in zwei Regionen zu drehen: im Départements Ain, auf einer Hochebene nahe Nantuas’ Plateau du Retord und mitten im Herzen Italiens in den Abruzzen.

Die Hochebene nahe Nantua ist jene Landschaft, in der ich als Kind viel Zeit verbracht habe. Ich kenne dort fast jeden Quadratmeter in einem Radius von 20 Kilometern. Mein Team ermutigte mich sehr, in dieser Gegend zu drehen. Ich kannte dort alles so gut, dass ich selbst nicht mehr wahrnahm, was ich direkt vor mir hatte, und woanders nach dem suchte, was hier so dicht vor mir lag. Der zweite Drehort befand sich im Nationalpark der Abruzzen. Es ist ein erstaunlicher Ort, eines der ältesten Naturschutzgebiete in Europa. Dort findet man noch Wölfe und Bären und die große europäische Fauna. Diese Tiere leben in weitläufigen Kopfbuchen-Wäldern mit zahlreichen fantastisch anmutenden Erscheinungsformen, die im Laufe der Jahrhunderte eine unglaubliche Größe erreicht haben.

Wie sind Sie nach der abgeschlossenen Drehortsuche weiter vorgegangen?

Wir schickten zunächst ein kleines vierköpfiges Team in die Abruzzen, dessen Aufgabe darin bestand, sechs Monate lang die frei in der Natur lebenden, wilden Füchse zu beobachten und zu filmen. Das Team sollte zu den Füchsen, die seit über 100 Jahren nicht mehr gejagt werden, eine Beziehung aufzubauen. Dieses Team beobachtete also die Verhaltensweise und suchte auch nach dramaturgischen Anhaltspunkten, während wir parallel dazu am Drehbuch arbeiteten. So haben diese vier zum Beispiel herausgefunden, dass sich die Füchse im Frühling Krokusse schmecken lassen. Ich fand die Idee amüsant und habe sie ins Drehbuch integriert. Die Arbeit dieses Teams bescherte uns einen unglaublichen Reichtum an täglich gefilmten Bildern – der Ablauf der Jahreszeiten, Regenschauer, der Wind in den Bäumen, Wölfe, Bären.

Zur gleichen Zeit bereiteten wir uns auf die klassische Dreharbeiten vor, indem wir auf traditionelle Techniken des Regieführens setzten. Wir ließen uns in den Bergen des Départments Ain nieder. Die Domäne Lavanche, ein traditionelles Gehöft umgeben von einer wunderbaren Natur, diente uns als Plateau und die Dreharbeiten konnten beginnen.

Erzählen Sie uns von der Crew, die Sie bei diesem Abenteuer begleitete.

Um dieses Kindheitserlebnis eines kleinen Kindes zu erzählen, brauchten wir ständig etwa 40 Leute. Die Besonderheit lag in der Zusammenstellung des Teams. Einige kamen vom Dokumentarfi lm, andere von der traditionellen Fiktion wie Gérard Simon, der Chefkameramann. Andere dagegen wie mein Assistent Vincent Steiger entstammen dieser sehr französischen Spezialität des Tierdokumentarfilms. Vincent reist um die Welt,um Dreharbeiten wie Nomaden der Lüfte oder Der letzte Trapper zu organisieren. Die Herausforderung lag darin, diese verschiedenen Herangehensweisen miteinander in Einklang zu bringen, um die Flexibilität des Dokumentarfilms mit den hohen Ansprüchen der Fiktion zu verbinden.

Wie haben Sie gearbeitet?

Ich hatte das große Glück, von einfach guten Leuten umgeben zu sein. Das ist das schönste Geschenk, das mir Die Reise der Pinguine gemacht hat: die Möglichkeit zu haben, mit Künstlern und Handwerkern zu arbeiten, die ihr Handwerk verstehen und ein wunderbares Team bildeten. Die richtigen Mittel zu finden, um sich zu untereinander zu verständigen, benötigte manchmal etwas Zeit. Wenn man zum Beispiel nach zwei Tagen Aufbauarbeit zur Inszenierung einer Szene der Mannschaft erklären muss, dass es an jenem Tag unmöglich ist, diese Einstellung zu drehen, weil der Fuchs schlecht gelaunt ist, ist langwierig. Aber wenn genau dieses Team seine gesamte Energie in den Dienst zur Realisierung deines Traums stellt und ihn durch Enthusiasmus und Erfi ndungsgeist teilt, dann ist das absolut großartig. Jeden Morgen brachte jeder seine wunderbare Eigenschaft ein, sich den jeweiligen Drehsituationen anzupassen, geduldig und einfallsreich zu sein.

Interview mit Kameramann Gérard Simon

Warum der Fuchs und kein anderes Tier ?

Das ist eine ganz persönliche Wahl. Ich liebe dieses Tier. Von allen Tieren des Waldes fühle ich mich zum Fuchs am meisten hingezogen. Es war eine aufregende Herausforderung, den Fuchs, den ewigen Nebendarsteller ganz oben auf das Kinoplakat zu setzen und ihn dabei sein natürliches Tierleben darstellen zu lassen. Die anderen Vertreter der europäischen Fauna, wie Dachse, Igel, Hermeline, Wölfe, Bären oder Luchse vervollständigen die Besetzung in den Nebenrollen. Den Fuchs zu filmen war eine besondere Herausforderung. Vor diesen Dreharbeiten habe ich oft Füchse in der Natur beobachtet: ich wartete teils stundenlang vor seinem Bau, nur um ihn kurz darauf durch einen anderen Ausgang verschwinden zu sehen. Schließlich erscheint mir der Fuchs das ideale Tier zu sein, um die konfliktreiche und paradoxale Verbindung zu untersuchen, die den Menschen mit dem wilden Tier verbindet.

Der Fuchs trägt in sich einen Paradox: einerseits ist er ein gejagtes Tier, das flüchtet, wenn es uns in seiner Eigenschaft als Raubtier identifiziert, andererseits ist der Fuchs auch ein neugieriges und pragmatisches Tier, das nicht zögert, sich menschlichen Behausungen zu nähern. Man hört öfter, dass Bewohner in Vorstädten oder Kleingärten von ihren Begegnungen mit einem Fuchs erzählen, der ihnen sogar aus der Hand gefressen habe. Der Fuchs ist ein Verführer, der unseren Drang nach besitzergreifender Zuneigung auf eine harte Probe stellt, weil er wochenlang verschwinden kann, bevor er wieder zurückkehrt. Er stellt das ideale Thema dar, um über den Begriff der Zähmung nachzudenken. Einige Fuchsfamilien haben sich mitten in westlichen Großstädten niedergelassen. Es gibt zwischen dem Fuchs und dem Menschen gemeinsame Interessen und eine Neugierde, die auf Gegenseitigkeit beruht.

Hat sich der Fuchs als guter Schauspieler erwiesen?

Er ist eine interessante Figur aus hunderten von Gründen. Der Fuchs ist sehr überschwänglich, sehr lebendig und großzügig in einigen seiner Verhaltensweisen. Außerdem ist es uns möglich, seine Ausdrucksweise zu erfassen, ohne dass wir uns dabei groß anstrengen müssen. Seine Art zu kommunizieren unterscheidet sich nicht sehr von der eines Hundes, dadurch erscheinen uns viele seiner Verhaltensweisen verständlich. Darüber hinaus ist der Fuchs ein sehr plastisches Tier, fähig sich in sehr vielen Situationen anzupassen. Das macht ihn auch für das Kino interessant. Der Fuchs kann einen, von einem dramaturgischen Blickwinkel aus, praktisch überall hin führen.

Ist er nicht ein unberechenbarer Schauspieler?

Das ist genau das Problem. Nach mehr als sechs Monaten Dreharbeiten können wir nur bestätigen, dass man einen Fuchs nicht spielen lassen kann, was er nicht machen will. Es entscheidet immer der Fuchs. Eine intensive Beziehung zu einem Fuchs lässt sich relativ leicht herstellen, aber am Ende muss der Mensch akzeptieren, dass der Fuchs kommt und geht, wann er will.

Wie fanden Sie den idealen Darsteller?

Den haben wir nicht gefunden. Da war nicht nur ein Fuchs, der mit uns drehte, sondern mehrere. Alle verfügten über ein unterschiedliches Temperament und eine sehr eigene Persönlichkeit. Es waren entweder wilde Füchse, die von unserem Team im Nationalpark der Abruzzen gefilmt wurden, oder aber „Schauspielerfüchse“, die unser Tiertrainer Pascal Tréguy aufgetrieben hatte.

Haben Sie eine Art Casting durchgeführt?

Pascal Tréguy hat viel Zeit damit verbracht, nach Füchsen zu suchen, die seit ihrer Geburt im Kontakt mit Menschen aufgezogen wurden. Bei seinen Recherchen traf er auf mehrere Personen, die einen oder mehrere Füchse besaßen. So fand er auch Marie-Noëlle Baroni.

Schon seit Jahren arbeitet sie in Kinderaufführungen mit Füchsen. Marie-Noëlle und ihre Tiere kamen so zur Tiertruppe von Pascal Tréguy. Beide sind Profi s und teilen dieselbe Ethik, die auch im Einklang zur Philosophie des Films steht. Die Tiere, die sie zum Drehen auswählten, hatten sich ihr natürliches Verhalten bewahrt und konnten zudem dennoch die Anwesenheit eines großen Teams akzeptieren. Das Talent der beiden besteht darin, den Charakter und das Temperament eines jeden Fuchses zu verstehen und ihn dann anhand seiner Fähigkeiten in einer speziellen Szene einzusetzen. Unter den schauspielernden Füchsen gab es einige, die sehr empfindlich auf kleinste Störungen reagierten. Mit diesen drehten wir mit einem extrem reduzierten Team und nur einer Kamera mit sehr große Brennweite. Andere Füchse waren dagegen viel offener, freundlicher und grüßten das Team, wenn sie morgens ans Set kamen.

Wie schafft man es, aus ihnen einen Ausdruck zu holen, der ihre eigene Geschichte erzählt?

Alle Szenen des Drehbuchs stellten ausschließlich natürliche Verhaltensweisen dar. Wenn ein Fuchs nicht überzeugend wirkte, dann spürte man das, wie bei einem Schauspieler der völlig neben der Rolle liegt. Wir hatten es hier mit richtigen Darstellern zu tun. Wir sorgten uns auch um ihre Launen. An einigen Tagen merkte man sofort, dass sie keine Lust hatten zu arbeiten. So hat beispielsweise im Frühling, wenn die Natur erwacht, der Fuchs ebenso wie andere Tiere den Kopf ganz woanders, und es war extrem schwierig, ihn auf den Dreh zu konzentrieren. Der Fuchs ist ein bisschen wie eine Diva: Wenn er sich nicht klar für etwas entschieden hat, können Sie von ihm sonst was verlangen, da passiert dann gar nichts. Man muss ihn respektieren und die Grenzen nicht überschreiten, sonst läuft man Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Wir erlebten auch einige Überraschungen. So hatte ich bereits einige wilde Füchse gesehen, die Flüsse durchquerten und versuchten, Frösche zu fangen. Aber von unseren „Schauspielerfüchsen“ mochte keiner das Wasser. Manchmal musste man sehr ideenreich sein, um Szenen spielen zu lassen, die durch das inspiriert waren, was ich in der Natur beobachtet hatte.

Interview - Das Kind, die Silhoutte des Abenteuers

Warum haben Sie sich für ein kleines Mädchen entschieden?

Bei dem Versuch, mich dreißig Jahre zurück zu versetzen, stieß ich in meiner Erinnerung auf das Bild eines kleinen Jungens, mit einem Stock in der Hand, der Davy Crockett oder Cowboy spielte. Mit zehn Jahren halten sich Jungs für sehr stark, und sind beseelt von dem Wunsch, Sachen in Besitz zu nehmen. Meiner Auffassung nach versucht ein kleines Mädchen weniger, alles zu beherrschen. Sie ist eher bereit, zuzuhören und geneigt zu verführen. Die weibliche Herangehensweise erschien mir mehr mit der Verzauberung im Einklang zu stehen, die ein wichtiges Element im Film darstellt. Außerdem spürte ich, dass, wenn die Geschichte von einer Frau erzählt wird, man in eine Gefühlswelt eintritt, wo die Sanftheit und mütterliche Ader eine Dimension einnehmen, die das Abenteuerliche der Handlung ausbalancieren.

Wie fanden Sie die junge Schauspielerin?

Ich habe nicht nach einem gewissen Typ gesucht, mehr nach einer Persönlichkeit, die ungestüm, fast schalkhaft ist. Wir haben Hunderte von Mädchen getroffen, ohne dabei eine bestimmte Haarfarbe, eine Größe oder ein Aussehen im Kopf zu haben. Ich dachte zu Beginn an ein kleines Mädchen, dass Tieren sehr nah ist, die sich in der Natur wohl fühlt und dann kam Bertille…

Was waren die ersten Eindrücke während der Proben?

Bertille verkörpert durch ihre Diskretion und mysteriöse Art ein Geheimnis. Sie verfügt über eine sehr eigenständige Silhouette, ein sehr charakteristisches Gesicht. Mir war es wichtig, dass sie sich nicht verändert, den ganzen Film lang konstant bleibt. Sie sollte etwas Zeitloses verkörpern. Sie hatte wirklich das Talent, in dieser Figur aufzugehen, sie vollständig zu erschaffen. Bertille arbeitet und gibt sich mit einer unglaublichen Kraft, aber gibt nur, was sie verstanden und in sich selbst aufgenommen hat. Sie hatte nur sehr wenige Dialoge, auf die sie sich stützen konnte und keinen weiteren Schauspieler, mit dem sie sich austauschen konnte. Außerdem musste sie den Fuchs in gewisse Situationen führen und dabei immer noch an ihre eigene Rolle denken. Sie hat es trotz dieser Schwierigkeiten geschafft, das ist ein einzigartiger Triumph.

Wie ging das vor sich, denn ihre Rolle besteht ja nur aus Ausdrucksweisen?

Sie musste wirklich über das Talent verfügen, in ihrem Spiel ihre Gefühle ausdrücken zu können. Das fi el ihr anfangs trotz ihrer Hartnäckigkeit und ihres standfesten Charakters sehr schwer. Wir haben beide zusammen gesucht. Jeder musste auf den Anderen zugehen: ich musste lernen, mit ihr zu reden, mich klar auszudrücken, und sie musste sich wirklich anstrengen, sich zu öffnen und setzte sich im Laufe der Wochen als eine sehr aufmerksame Schauspielerin durch. Sie hat auch gelernt, mit den Tieren zu arbeiten, wobei ihr Marie-Noëlle Baroni half, die dieses Talent hat, Menschen und Tiere miteinander in Kontakt zu bringen.

Die Füchse waren nicht immer nur freundlich mit Bertille, sie aber war sehr geduldig. Die Dreharbeiten erwiesen sich zudem als anstrengend, weil wir dauernd draußen drehten. Wer kennt nicht die Fabel vom Raben und dem Fuchs? Wer kennt nicht Jean de la Fontaines’ „Jeder Schmeichler lebt von dem, den er schmeichelt“. Zu seiner Zeit im 17. Jahrhundert benutzte der Autor dieser Strophen die Tiere als einen Spiegel menschlichen Handelns. So wollte er dessen Wesenszüge unterstreichen, seine Fehler und anderen Tricks skizzieren. Immer schon hat der Fuchs die Literatur bereichert, die Fantasie und die Sagenwelt angeregt. Sei es in Afrika, Asien oder Ozeanien, überall ist der Fuchs im Unterbewusstsein, in unserem kollektiven Gedächtnis präsent in Form von Fabeln, Märchen und anderen Veröffentlichungen. Wir finden seine ersten europäischen Spuren bereits in der Antike, wenn Orpheus in die Unterwelt hinab steigt. Und der Fuchs ist ebenfalls anwesend bei den Völkern des Nordens, in Finnland, Schweden…

In Japan nennt man ihn Kitsun. Er wird oft mit weilichen Namen versehen und der Fuchs nimmt einen großen Raum in der japanischen Literatur ein. Unter der Feder verschiedener Autoren kann er die Form von magischen Geistern annehmen. Seine Macht ist vielfältig. Man findet ihn im Zusammenhang mit der Gottheit des Reises Inari. Er kann Feuer spucken, Illusionen vorspielen, Menschen verrückt machen. In den Mangas hat man ihn gezähmt und zu einer wichtigen Figur gemacht.

Seit Jahrhunderten beeindruckt der schlaue, gerissene Fuchs viele Völker. Im Orient erscheint er in zwiespältiger Gestalt und kann in weiblicher Form ebenso als wunderschöne, junge Frau, als auch als schreckliche Hexe erscheinen. Auch wenn Walt Disney ihn zur Figur des Robin Hood verwandelte, haben sich nur sehr wenige Filmemacher von ihm inspirieren lassen. Nur der „Roman de Renart“ wurde 1937 in Schwarz-Weiß mit Marionetten adaptiert.

Noch nie bis zu „Der Fuchs und das Mädchen“ von Luc Jaquet war der Fuchs, dieses so einmalige und unberechenbare Tier, Held eines Spielfilms.

News und Stories

  • Luc Jacquet inszeniert "Le Renard et l'Enfant"

    Kino.de Redaktion23.01.2006

    Nach seinem weltweiten Erfolg mit Die Reise der Pinguine plant Filmemacher Luc Jacquet nun seinen nächsten Streich. Das Projekt wird den Namen Le Renard et l’Enfant tragen, was in deutsch „Der Fuchs und das Kind“ bedeutet. Der Film kombiniert Tierdokumentaraufnahmen mit einer fiktionalen Geschichte und ist durch Jacquets persönliche Erfahrungen sowie eine Passage aus „Der kleine Prinz“ inspiriert. Die Dreharbeiten zu...