Der andere Junge

  1. Ø 5
   2007
Der andere Junge Poster
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Kritiken und Bewertungen

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    Ein halbwüchsiger Junge terrorisiert einen anderen, die Familien sind befreundet, die Väter Konkurrenten am Arbeitsplatz. Dann tut sich der Boden auf, alle Sicherheit zerbricht. Schauspielerisch enorm dicht, gut gebaut, ohne Schnörkel und meisterlich inszeniert, die Dialoge beklemmend glaubhaft entfaltet sich ein Drama von geradezu griechisch-antiker Wucht. Eine reife Leistung, absolut sehenswert. Muss ins Kino.

    Jurybegründung:

    In diesem Film wird eine Geschichte aus unserer Mitte erzählt. Die beiden Familien, in denen sich die Tragödie mit gnadenloser Folgerichtigkeit entwickelt, bestehen aus realistisch gezeichneten und dargestellten Durchschnittsbürgern. Ein Junge wird vom anderen gequält und bestohlen, ihre Elternpaare sind befreundet, aber die Väter sind gleichzeitig Konkurrenten am Arbeitsplatz.
    Alle leben nebeneinander her, spielen ihre Rollen, sind aber unfähig, wirklich miteinander zu reden. Diese Sprachlosigkeit ist es, die alle Beziehungen zersetzt, und das zeigt "Der andere Junge" auf eine sehr subtile und einfühlsame Art und Weise. Da stimmt jede Nuance, die Schauspieler agieren absolut glaubwürdig und Regisseur Volker Einrauch weiß genau, was er zeigen, was weglassen, was er andeuten und was betonen muss.

    In diesem Kammerspiel kommt es auf jedes Wort an, das gesagt oder eben nicht gesagt wird - um so eindrucksvoller ist es, wenn die Dialoge derart natürlich und authentisch klingen. Als besonders gelungen empfand die Jury auch solche dramaturgisch scheinbar nicht unbedingt nötigen Szenen wie die Chorproben von Evchen Morell, in denen vieles über ihre Sehnsucht nach einer heilen Welt erzählt wird und die gleichzeitig geschickt die Chorgesänge als Filmmusik einführen und legitimieren.

    Auch durch die Bilder, die zugleich dokumentarisch wirken und eine unheilvolle Kälte verströmen, wird der Zuschauer in dieses Drama hineingezogen. Die Bildführung setzt intelligente Akzente in diesem oft wie ein Kammerspiel angelegten Drama. Dies ist wirklich ein Kinofilm. Peter Lohmeyer, Andrea Sawatzki, Barbara Auer und Christian Berkel haben sich ihre Figuren mit viel Einfühlungsvermögen zu eigen gemacht, doch eine noch größere Überraschung ist der junge Schauspieler Willi Gerk in der Rolle des Robert, der ja kaum etwas direkt ausdrücken darf, und doch mit Körperhaltung und Blicken nuancenreich vermitteln kann, wie es im Inneren des Jungen aussieht.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Dieser Film steht für all das, was öffentlich-rechtliches Fernsehen gerade gegenüber der kommerziellen Konkurrenz auszeichnet: eine unbequeme Handlung und eine auf jede Effekthascherei verzichtende Inszenierung; die darstellerischen Leistungen sind zudem herausragend.

    Höchstwahrscheinlich wird der NDR dem „Ersten“ mit dem Drama „Der andere Junge“ keine Rekordquoten bescheren, dazu sind Geschichte (Lothar Kurzawa) und Umsetzung (Volker Einrauch) viel zu düster. Ähnlich konsequent ist allerdings auch die Freudlosigkeit: Schon die ersten Einstellungen machen deutlich, dass dies kein heimeliger Fernsehabend wird. Trotz Sonnenscheins verströmen die Bilder (Bernd Meiners) eine unangenehme Kälte. Die Ereignisse tun ein Übriges: Zwei befreundete Elternpaare, die sich regelmäßig zum Kartenspiel treffen, haben nicht die leiseste Ahnung, dass zwischen ihren Söhnen Todfeindschaft herrscht. Der 16jährige Robert Morell (Willi Gerk) ist recht klein für sein Alter und daher immer wieder Opfer der Hänseleien seiner Mitschüler. Am meisten tut sich dabei Paul Wagner (Tim Oliver Schultz) hervor, ein hübscher Junge eigentlich, hinter dessen Charme aber der pure Sadismus lauert. Eines Tages taucht Paul bei Robert mit einer Pistole auf, die er seinem Vater geklaut hat. Er drückt dem Kleineren die Waffe in die Hand und provoziert ihn so lange, bis der tatsächlich abdrückt. Anstatt die Polizei zu rufen, lässt Roberts Vater die Leiche verschwinden – und setzt damit eine Handlungskette in Gang, die schließlich ein weiteres Menschenleben kosten wird.

    Die Besetzung der beiden Elternpaare ist exquisit: Pauls Eltern werden verkörpert von Peter Lohmeyer und Andrea Sawatzki, ihr Lebensgefährte Christian Berkel und Barbara Auer spielen das andere Paar. Ohne ins Klischee zu verfallen, genügen dem Film wenige Aspekte, um die Ehen zu charakterisieren. Als es Winnie Morell mit einem einfachen Trick gelingt, den Verdacht des ermittelnden Kommissars (Hinnerk Schönemann) auf einen Dealer (Adrian Topol) zu lenken, zieht Pauls Vater los, um Selbstjustiz zu üben. Er ist offenbar Sportschütze und hat gleich mehrere Waffen zuhause. Wäre das verboten, hätte es in dieser Geschichte keinen einzigen Toten gegeben.

    Bei allem Respekt vor der Leistung des prominenten Quartetts: Geradezu unheimlich gut sind die beiden Jungs. Selbst wenn Schultz recht früh aus der Handlung ausscheidet, hinterlässt gerade der Kontrast zwischen Aussehen und Auftreten einen tiefen Eindruck, zumal Kurzawa Erklärungen für sein Verhalten schuldig bleibt. Ähnlich intensiv ist die Leistung von Willi Gerk als Opfer, das zum Täter wird und dann mit dem Trauma der Tat leben muss. tpg.

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