Der Andere - Eine Familiengeschichte

  

Filmhandlung und Hintergrund

Drama um die Schicksalsgemeinschaft dreier Männer aus drei Generationen.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Andere - Eine Familiengeschichte: Drama um die Schicksalsgemeinschaft dreier Männer aus drei Generationen.

    In ihrem ersten TV-Movie erzählt Feo Aladag die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem jungen Flüchtling und einem alten Mann.

    Menschen, die aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden, Kulturen, die aufeinanderprallen: Die Verknüpfung dieser beiden Themen zieht sich wie ein roter Faden durch die Filmografie von Feo Aladag. Auch „Der Andere“, Aladags erster Fernsehfilm, erzählt so eine Geschichte: Nama (Nama Traore), ein Junge aus Mali, landet nach mehrjähriger Odyssee in Berlin. Dort kommt er zunächst in ein Hostel für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge. Als er in ein Heim für Asylbewerber verlegt werden soll, tut sich überraschend ein Ausweg auf: Der alte Willi (Jesper Christensen) nimmt sich des Jungen an. Die gute Tat hat allerdings zur Folge, dass nun ein lange schwelender Konflikt zwischen Willi und seinem Sohn Stefan (Milan Peschel) offen ausbricht, zumal Stefan als Polizist durch seinen tagtäglichen Umgang mit Flüchtlingen eine Vielzahl von Vorurteilen entwickelt hat. Als sich das Trio trotzdem irgendwie arrangiert, eskaliert der Fremdenhass der Nachbarschaft in eine erschütternde Tat.

    Aladag, die ihre Filme stets auch selbst schreibt und produziert, nimmt sich viel Zeit, um die Geschichte zu erzählen. Wenn die Figuren miteinander sprechen, schaut die Kamera ihnen geduldig zu. Auf diese Weise verhindert die Regisseurin, dass Namas Schicksal bloß Vorwand für ein deutsches Drama ist; selbst wenn sich der Titelzusatz „Eine Familiengeschichte“ auf Willi und Stefan bezieht. Tatsächlich werden die beiden „Söhne“ des Alten gleichrangig eingeführt. Der Prolog spielt zwar in Namas Heimat, aber die eigentliche Handlung beginnt mit Stefan, der die Ausweise von vermeintlichen oder tatsächlichen Flüchtlingen im Zug kontrolliert. Wenige Einstellungen genügen, um zu illustrieren, welche Belastung es selbst für die engagiertesten Mitarbeiter in den Behörden bedeutet, den zuversichtlichen Satz „Wir schaffen das“ im Alltag umzusetzen. Da der Film in Momenten wie diesen gern Namas Perspektive einnimmt, vermittelt „Der Andere“ ganz vorzüglich, wie sich der Junge fühlen muss: mutterseelenallein in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht spricht. Aladag und ihre Kamerafrau Judith Kaufmann verzichten auf emotionale Effekthascherei, finden aber trotzdem die richtigen Bilder: Deutschland fühlt sich für Nama kalt an; auch im Sommer.

    Obwohl die Geschichte aufgrund der teilweise großen Zeitsprünge episodisch strukturiert ist, entwickelt sich dank der ruhigen Erzählweise ein flüssiger Rhythmus. Nicht zuletzt deshalb ist „Der Andere“ eine Bühne für die Hauptdarsteller, die in zum Teil winzigen Nebenrollen prominent unterstützt werden (unter anderem von Katja Riemann, Alwara Höfels und Jörg Schüttauf). Der auch im internationalen Kino sehr gefragte Däne Jesper Christensen wirkt seit Jahrzehnten immer wieder in deutschen Produktionen mit und ist eine wunderbare Besetzung für den alten Mann, der im Unterschied zu den beiden jüngeren zunächst kein Sympathieträger ist. Für Milan Peschel ist die Rolle des seelisch aus der Bahn geworfenen Familienvaters ohnehin wie geschaffen, schließlich verkörpert er auch als Komödiant im Grunde stets tragische Figuren. Laiendarsteller Nama Traore schließlich muss lange Zeit ohne Worte auskommen, weil der Junge die Sprache nicht spricht; auch er macht seine Sache vorzüglich. Dass Aladag trotz der erschütternden Ereignisse ein versöhnliches Ende gefunden hat, das weder kitschig noch verlogen wirkt, mag ein Tribut an die Gepflogenheiten des Fernsehfilms sein; der Schluss relativiert trotzdem nicht, was Nama zuvor erleben musste.

    Fazit: Das ausgezeichnet gespielte Drama über die Erlebnisse eines Flüchtlingsjungen verzichtet auf emotionale Effekthascherei; die erschütternde Botschaft kommt trotzdem an. tpg.

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