Davor und danach

  1. Ø 0
   1996

Davor und danach: Präzises Psychogramm der Disintegration einer Familie, packend inszeniert vom ehemaligen Dokumentarfilmer Barbet Schroeder.

Davor und danach Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Davor und danach: Präzises Psychogramm der Disintegration einer Familie, packend inszeniert vom ehemaligen Dokumentarfilmer Barbet Schroeder.

Längst haben sich Carolyn und Ben Ryan von ihrem heranwachsenden Sohn Jacob entfremdet. Als Jacob in den Verdacht gerät, seine geheime Freundin ermordet zu haben, reagieren auch die Ryans verunsichert, zumal Ben Blut in Jacobs Auto entdeckt, den belastenden Beweis jedoch vernichtet. Eine Antwort auf die zahllosen Fragen bezüglich des Falls kann nur Jacob selbst geben, doch der bleibt auch nach seiner Verhaftung stumm.

Die Ryans sind eine wohlhabende Kleinstadtfamilie aus Neuengland, deren Leben harmonisch und ohne besondere Vorkommnisse dahinzugleiten scheint. In Wirklichkeit aber haben sich Carolyn und Ben längst von ihrem Sohn Jacob entfremdet. Als Jacob in den Verdacht gerät, seine Freundin ermordet zu haben, reagieren die Ryans verunsichert. Die Zweifel werden größer, als Ben Blut in Jacobs Auto endeckt, den Beweis jedoch vernichtet. Eine Antwort kann nur Jacob selbst geben, doch er bleibt stumm.

Präzises Psychogramm der Disintegration einer Familie, packend inszeniert vom ehemaligen Dokumentarfilmer Barbet Schroeder.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Frei von cheap thrills ist Barbet Schroeders neuer, präziser Film, der sich als Schaf im Wolfspelz entpuppt. Denn zunächst erscheint „Before and After“ wie ein weiteres Exemplar in Schroeders ständig wachsender Thrillerkollektion, um schließlich als immens kompaktes Psychodrama über die Beziehungsdynamik in einer Familie aus Neuengland, die vor dem Scherbenhaufen ihrer Existenz steht, Meryl Streep und Liam Neeson als Elternpaar im Zweifel über Schuld und Unschuld ihres Sohnes in jenem Mordfall zu Höchstleistungen anzutreiben.

    In der Eingangssequenz nach Art von „Kap der Angst“ berichtet die junge Tochter der Familie rückblickend über die Ereignisse, die sich im Verlauf der nächsten eineinhalb Stunden vor dem Zuschauer entfalten werden. Das ist nicht die einzige Parallele zu artin Scorseses Schockfest von 1991: Beide Filme bedienen sich der Thrillerform, um den Zerfall einer modernen Familie in schmerzhaft direkte Bilder packen zu können.

    Doch Schroeders bisweilen fast akademische Studie eskaliert nicht im Biblisch-Apokalyptischen. Wie immer fühlt sich der einstige Dokumentarfilmer unbedingt der Realität verpflichtet. In „Before and After“ treibt er das Spiel obsessiv auf die Spitze. Anders als in seinem Beitrag zum Paranoia-Thriller-Subgenre „Weiblich, ledig, jung sucht…“ und seinem Noir-Remake „Kiss of Death“ beugt er sich in diesem penibel zusammengesetzten Mosaik nicht den Genregesetzen. Schroeder geht es nicht um Thrill, ihm geht es um die Sezierung – mit Kamera und Drehbuch als Skalpell – des Zustands einer scheinbar harmonischen, wohlhabenden, vierköpfigen Kleinstadtfamilie in Neuengland. Der offensichtlich bestialische Mord an einer Teenagerin, deren Leiche im Schnee entdeckt wird, dient als Katalysator, um lange schwelende Konflikte, Probleme und Vorbehalte bei den Ryans und in ihrer kleinen Neuengland-Gemeinde an die Oberfläche zu spülen. Denn Sohn Jacob wurde als letzter gemeinsam mit dem Mädchen gesehen und gilt nach seinem plötzlichen Verschwinden als unbedingt tatverdächtig. Die Ungewißheit über die wahren Vorgänge verleiht „Davor und danach“ Tempo und Spannung eines Whodunit-Krimis und ist Anlaß für unbedachte Handlungen beider Elternteile – mit fatalen Folgen für die Zukunft. Doch nach Jacobs Geständnis in der Mitte des Films verläßt Schroeder das vorgegebene Korsett, spielt kurzfristig und unentschlossen noch mit Elementen des Justizthrillers, um schließlich Vater und Sohn in einer Art Hardcore-Familientherapie als Gratwanderung zwischen Lebenslänglich und Freispruch wieder zusammenzuführen. Das ist stimmig, aber auch ein wenig unglücklich, denn seines eigentlichen – sehr spannenden – Mysteriums beraubt, verliert das bedächtige, hermetisch abgeriegelte Psychodrama merklich an Fahrt. Meryl Streep und Liam Neeson als harmonisches Ehepaar aus Vernunft – sie ist Ärztin – und Gefühl – er ist Künstler – sorgen dafür, daß man gebannt bleibt. Beide werden noch übertroffen von dem unglaublich fahl aussehenden „Terminator 2“-Kid Edward Furlong, der jeden Vergleich mit den Leonardo DiCaprios dieser Welt standhält. ts.

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