Filmhandlung und Hintergrund

Das Märchen vom „Wasser des Lebens“ gehört zu den weniger bekannten Erzählungen der Gebrüder Grimm. Das könnte mit seiner Komplexität zu tun haben: Die Geschichte ließe sich ohne weiteres als zwei Stunden langes Hollywood-Spektakel umsetzen, weil der junge Held gleich drei Königreiche vor dem Untergang bewahrt. Autor David Ungureit hat schon diverse Märchen für „Sechs auf einen Streich“ adaptiert und die Vorlage...

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

1,4
7 Bewertungen
5Sterne
 
(0)
4Sterne
 
(1)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(6)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

  • Das Märchen vom „Wasser des Lebens“ gehört zu den weniger bekannten Erzählungen der Gebrüder Grimm. Das könnte mit seiner Komplexität zu tun haben: Die Geschichte ließe sich ohne weiteres als zwei Stunden langes Hollywood-Spektakel umsetzen, weil der junge Held gleich drei Königreiche vor dem Untergang bewahrt.

    Autor David Ungureit hat schon diverse Märchen für „Sechs auf einen Streich“ adaptiert und die Vorlage der Gebrüder Grimm kühn, aber plausibel zusammengestrichen. Übrig geblieben ist eine typische Heldenreise: Ein Jüngling stürzt sich wagemutig in ein Abenteuer, besteht mit Mut, Verstand und Mitgefühl alle Herausforderungen, findet die Liebe seines Lebens und wendet am Ende auch noch großes Unrecht ab. Der Film beginnt klassisch: Es war einmal ein verwitweter König, der hatte zwei Söhne. Aber nun liegt der Regent (Matthias Brenner) im Sterben. Er ist bereits dabei, die Nachfolge zu regeln, als sein Jäger (Luca Zamperoni) von einem verwunschenen Schloss erzählt, das hinterm Düsterwald liegt. Dort soll es einen Brunnen geben, der das Wasser des Lebens enthält. Der jüngere der beiden Söhne, Lennard (Gustav Schmidt), will sich gleich auf den Weg machen, aber sein älterer Bruder Falk (Gil Ofarim) hält ihn für einen Bücherwurm; außerdem will er nicht riskieren, dass Lennard den Vater rettet und ihm die Krone wegschnappt. Die Konstellation der Geschwister folgt dem Muster vieler Märchen dieser Art: Weil Falk hartherzig und selbstsüchtig ist, ignoriert er im Düsterwald die Bitte einer Frau um ein Stück Brot; prompt kommt er nicht weit. Lennard dagegen überlässt ihr bereitwillig sein Brot und auch noch die Wurst dazu. Natürlich ist die dunkelhäutige Salva (Denise M’Baye) eine Vertreterin der guten Mächte und gibt ihm zum Dank Hinweise mit auf den Weg, die sich später als Rettung in letzter Sekunde erweisen. Im Schloss erlöst Lennard die schöne Friederike (Marlene Tanczik) aus ihrem Dornröschenschlaf und stellt sich den Herausforderungen, bei denen Ungureit künstlerische Freiheit hat walten lassen; im Grimm’schen Märchen gibt es sie gar nicht. Aber sie sind clever ausgedacht, filmisch reizvoll umgesetzt und vor allem ziemlich spannend.

    Mutig haben die Verantwortlichen die beiden Hauptrollen mit wenig erfahrenen und entsprechend unbekannten Nachwuchsschauspielern besetzt; gerade Marlene Tanczik nutzt ihre Chance, hat aber gegenüber ihrem Filmpartner Gustav Schmidt den Vorteil, ihre Figur sehr modern anlegen zu dürfen. Mindestens so wichtig ist jedoch die optische Ebene. Regisseur Alexander Wiedl, bislang überwiegend für Serien wie „Sturm der Liebe“ oder „Die Fallers“ aktiv, hat eine schöne Mischung gefunden: Die visuellen Effekte sind von großer Bedeutung, aber nicht wichtiger als die Figuren. Noch imposanter ist die Ausstattung gerade der unterirdischen Landschaft, in der sich der Prinz den Herausforderungen stellen muss. Die Musik ist zum Teil direkt auf die Bewegungen abgestimmt; Komponist Marian Lux sorgt dafür, dass „Das Wasser des Lebens“ mitunter größer wirkt, als es die Bilder eigentlich hergeben.

    Der Film mag weder die ästhetische Kraft von „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ haben noch die Hintergründigkeit von „Nussknacker und Mausekönig“, und er ist auch nicht so lehrreich wie „Das Märchen vom Schlaraffenland“; tatsächlich ist die unausgesprochene Botschaft, dass ein Mensch mit reinem Herzen das Böse nicht fürchten muss, sogar eher schlicht. Aber Wiedl hat aus dem Stoff einen kurzweiligen, vergnüglichen, stellenweise auch ziemlich spannenden Familienfilm gemacht; und das ist mehr, als sich über viele andere Märchenfilme der ARD sagen lässt. tpg.

Kommentare