Das wahre Leben

   Kinostart: 08.03.2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Perfekt getimte und gespielte (Tragi)Komödie um eine explosive Familie mit ernstem Hintergrund.

Workaholic Roland (Ulrich Noethen) buckelt an die 14 Stunden täglich im Risikomanagement eines Großunternehmens. Seine Familie sieht er nur noch zur Nachtstunde. Gattin Sybille (Katja Riemann) flüchtet ebenfalls in ihren Job als Galeristin, und der 19-jährige Spross Charles unterliegt seinem geballten Hormonstau. Übrig bleibt der von allen vergessene Linus (Josef Mattes), der in seinem Kämmerlein seelenruhig Bomben bastelt, mit denen er nachbarliche Gartenskulpturen sprengt. Dann wird Roland arbeitslos und fängt an, daheim alles umzukrempeln.

Das alltägliche Familienchaos ist der Acker einer humorvollen und sensiblen Tragikomödie, die als „Papa Ante Portas“ der Generation Globalisierung durchgehen könnte. Die Burleske über eine Familie mit umgekehrtem Düsenantrieb ufert munter zur Katastrophe aus.

Als der Manager-Papa seinen Job verliert, geht er seinen Lieben im Designer-Haus auf die Nerven. Der jüngere Sohn experimentiert dennoch weiter mit Sprengstoff und findet in der älteren, suizidgefährdeten Nachbarstochter eine Mitspielerin. Die ist noch dazu malerisch talentiert, was des Jungen Mutter für ihre Galerie ausnützt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Das wahre Leben“ zelebriert die Implosion einer bürgerlichen Kleinfamilie, als würde es dabei um den Untergang des Abendlandes gehen. Selten hat man im Film ein arriviertes Paar gesehen, das so krätzig, so allem überdrüssig, so unstillbar unzufrieden mit dem schönen Haus, den schönen eigenen Meinungen und dem schön eingespielten Alltag bis ins rußgeschwärzte Finale geistert.

      Der Schweizer Regisseur Alain Gsponer seziert die Idylle im deutschen Heim und Garten mit einer Trockenheit, die auch den Braten angreift. Dabei ist die Besetzung durchaus prominent und tut, was sie kann: Ulrich Noethen als Roland, Katja Riemann als Sybille, die „Vier Minuten“-Neuentdeckung Hannah Herzsprung als Florina, und der eigentlich so nette junge Bombentüftler Linus, gespielt von Josef Mattes.

      Ist es denn nicht so, dass einem die Unterhaltung auf der Abendessen-Einladung der Nachbarn schnell unangenehm werden kann? Roland und Sybille erleben dort das Befürchtete, denn der Gastgeber outet sich als Kenner japanischer Küchenmesser. Wie auch die Herren beim Bewerbungsgespräch Roland mühelos als Kunstbanause, also als alt und festgefahren, ausmustern. Und das, obwohl seine Frau Kunstgaleristin ist! Tretminen, Fettnäpfchen, sprachliche Schlingen, die sich einem um den Hals legen, und schon ist man nicht mehr in.

      Sybille, von ihrem Banausengatten genervt, gibt bald den Avancen eines Kulturkritikers nach. Katja Riemann ist hier eine so spröde, bis zum Zynismus unterkühlte Zicke im Geiste, dass sie selbst ihren Seitensprung kurz vor dem Ziel abwürgt. Da wäre dann noch Linus, der sich in die Florina von nebenan verknallt. Florina ist tief gestört, doch sie malt Bilder, die wiederum Sybille bewundert, weil in ihnen ein Schmerz voller Kraft steckt.

      Lebendigkeit, Ausdrucksfähigkeit, Echtheit, das wollten sie hier schließlich alle, wenn das auch ohne Peinlichkeit ginge. Umso überflüssiger dann die pathetische Auflösung dieser Geschichte, die sich darin gefällt, zu nerven, und sich etwas mehr aufzuladen, als sie stemmen kann.

      Fazit: Trockene, holprige Karikatur einer Wohlstandsfamilie, die das Miteinander nicht schätzt.
    2. Das wahre Leben: Perfekt getimte und gespielte (Tragi)Komödie um eine explosive Familie mit ernstem Hintergrund.

      Die bürgerliche Familie als Schlachtfeld. In Alain Gsponers amüsanter Komödie mit ernstem Hintergrund zerbricht die heile Vorstadtidylle.

      Über das Ende des Kleinfamilienmodells debattieren seit Jahrzehnten Soziologen, Psychologen und Sozialarbeiter, aber sie ist immer noch da, lebendiger und kaputter denn je. Was da in den netten Eigenheimen passiert, das zeigt Alain Gsponer in dieser schnörkellosen Burleske. Der Originaltitel hieß „Bummm!“ und lässt ahnen, dass es knallt, und zwar nicht nur zwischen den Familienmitgliedern. Alles geht seinen geordneten Gang, der Vater bringt als hochbezahlter Risikomanager das nötige Kleingeld, was Galeristin-Gattin und die beiden Söhne gerne ausgeben. Als der Workaholic seinen Job verliert, fangen die nicht besonders engen Bande an zu bröckeln. Der wilde Aktionismus des beschäftigungslosen Mannes, der Treppen, Türen und Wände einreißt und sich plötzlich um die Seinen kümmern will, geht allen auf den Nerv. Mama flüchtet sich in Kunst und muskulöse Männerarme, der ältere Filius outet sich in der Bundeswehr als schwul, der Jüngere bastelt Bomben und jagt Kitschskulpturen im nachbarlichen Garten in die Luft, in der Villa nebenan schaut der Herr des Hauses gerne ins Whiskeyglas und macht auf Harmonie - trotz tablettensüchtiger Frau und suizidgefährdeter Tochter. Ausgerechnet in die verguckt sich der heranwachsende Boy, der bald gemeinsam mit ihr durch die Gegend zieht und sprengt, was ihm vors Pulver kommt. Der Blick in die moderne Familie endet mit einem Paukenschlag. Wenn der Junge das Haus abfackelt und sich alle vor den rauchenden Trümmern treffen, könnte das auch einen Neuanfang bedeuten.

      Gsponer beobachtet „Das wahre Leben“, das Familiengeflecht mit seinen Macht- und Unterwerfungsmechanismen, mischt ernste und heitere Töne. Beim Auseinandernehmen von Innen- und Außenwelt lässt er sich nicht auf satirische Untertöne ein, sondern auf milde Ironie. Mit Ulrich Noethen als Versager, Katja Riemann als gebildetes Muttertier und Shooting Star Hannah Herzsprung versammelt sich ein urkomisches Power-Trio. Besonders Riemann mit coolen Sprüchen und trockenem Humor das Gegenteil vom Heimchen am Herd beweist, dass sie lange unterschätzt wurde und zeigt’s ihren Kritikern. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Aber dieses Pack wächst uns in seiner Unbrechenbarkeit ans Herz. mk.

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