Das Schmuckstück

  1. Ø 0
   2010

Das Schmuckstück: Herrliche Komödie im Stil von "8 Frauen", in der sich eine Hausfrau als bessere Chefin und Wahlkämpferin erweist.

Trailer abspielen
Das Schmuckstück Poster
Trailer abspielen
Alle Bilder und Videos zu Das Schmuckstück

Filmhandlung und Hintergrund

Das Schmuckstück: Herrliche Komödie im Stil von "8 Frauen", in der sich eine Hausfrau als bessere Chefin und Wahlkämpferin erweist.

Robert Pujol führt die Regenschirmfabrik seiner Frau mit harter Hand. Die Arbeiter wollen mehr Geld? Die Ehefrau denkt selbstständig? Kann nicht sein. Bei einem Streik erleidet er eine Herzattacke. Da übernimmt – erst widerwillig – seine Frau Suzanne die Geschäfte und verhandelt mit den Arbeitern. Und das sehr erfolgreich, obwohl sie bisher nur Gedichte geschrieben und die Wohnung dekoriert hat. Über ihre neue Position kommt sie auch wieder in Kontakt zu einer alten Liebe von ihr, Gewerkschaftler Maurice.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme
So werten die Kritiker (3 Stimmen)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

  • „Besonders wertvoll”

    In der Regenschirmfabrik des Unternehmers Robert Pujol gibt es Ärger: Die Arbeiter begehren auf, zetteln einen Streik an. Dies macht Pujol so schwer zu schaffen, dass dieser einen Herzinfarkt erleidet und das Bett hüten muss. Seine schöne Ehefrau Suzanne, von ihrer Familie belächelnd nur "Schmuckstück" genannt, schreitet zur Tat: Kurz entschlossen übernimmt sie die Firmenleitung, verhandelt mit den Arbeitern und nimmt es sogar mit dem Abgeordneten Babin auf, mit dem sie ein kleines Geheimnis aus der Vergangenheit teilt. Der neueste Geniestreich von Francois Ozon ist eine herrliche und typisch französische Farce, wie man sie seit 8 FRAUEN nicht mehr gesehen hat. Die Schauspieler sind glänzend aufgelegt, allen voran brillieren Catherine Deneuve und Gerard Depardieu in ihren Rollen, die von Ozon traumwandlerisch geführt werden. Das Dekors, die Musik und die Dialoge amüsieren ebenso wie die köstlichen gut dosierten Frivolitäten. Die ausgereifte und stets überraschende Handlung wird mit pointierten Dialogen und kunstvoller Montage erzählt. Eine ironisch-freche Film-Perle aus Frankreich, prickelnd wie ein Glas französischer Schaumwein.

    Jurybegründung:

    Ozons Film verführt zu dem euphorischen Fazit: Ein Schmuckstück des französischen und des internationalen Films!

    Schönheit und Stärken des Films wurzeln beispielhaft in seinen Verbindungen zu den Traditionslinien der französischen Kinematografie. Ozon als legitimer Erbe französischer Filmtestamente: natürlich Jean Renoir und René Clair, aber auch Marcel Pagnol und Sacha Guitry. Eine Binsenweisheit: Das Erbe annehmen und mehren bedeutet nie ein bloßes Kopieren oder die Übernahme von Erfolgsrezepten, es besteht primär in der Affinität zu Geist und Ethos der Filmkunst vergangener Jahrzehnte.

    Der Zauber des Ozonschen Schmuckstückes umfasst viele Reizelemente. Nennen wir nur die wesentlichsten: Die hohe Schule der filmischen Konversation, die Kunst des geschliffenen Dialogs, das Füllhorn von Bonmots ("Marie Antoinette hat in solchen Situationen nie den Kopf verloren!" - "Auf der Guillotine schon!"), die Aura von Sinnlichkeit und Frivolität.

    Ozon stellt seine Komödie in einen sozialen Konsens, in ein historisches Wertesystem. Angesiedelt ist die Fabel im französischen Großbürgertum der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sozial zu definieren als Familien- und Klassenkonflikte an der Schwelle zur Ära des Turbokapitalismus und der Globalisierung. Doch zum Heute führen viele Korrespondenzen: Die Frau begehrt auf gegen die Fixierung als Schmuckstück -, "ohne das Recht zu denken".

    Ozon sieht DAS SCHMUCKSTÜCK selbst als feministischen Film. Die "Trophäenfrau" bleibt nicht mehr als Schmuckstück im Regal stehen. Das Lob des Matriarchats und die "Rückkehr der Amazonen" sind für Ozon ein Zeitthema par excellence. Die Figur des Kommunisten Babin symbolisiert parallel den historischen Abstieg der französischen Kommunistischen Partei- den alten Revolutionären geht die Luft aus. Die ganz eigene Magie des Films ist aber besonders eng mit seinen Darstellern verbunden. DAS SCHMUCKSTÜCK ist eine grandiose Hommage an das legendäre Kinopaar Catherine Deneuve / Gérard Depardieu. Ihre Tanzszene im Nachtclub gehört zum Fundus zeitloser und magischer Momente des Kinos.

    Postscriptum: Nicht nur diese Szene verführt zu spontaner Standing Ovation. Auch die Sequenzen mit Catherine Deneuve beim Joggen oder beim Ausräumen der Küchenspülmaschine haben Kultstatus. Chapeau, Monsieur François Ozon!

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Der französische Regisseur François Ozon inszeniert eine Emanzipationsgeschichte aus den siebziger Jahren als beschwingte Komödie mit Biss. Wie schon in seinem früheren Erfolgsfilm „8 Frauen“ hat er ein Theaterstück adaptiert und mit Catherine Deneuve gedreht. Doch diesmal spielen die Charaktere nicht in einem geschlossenen Raum. Deneuve bewegt sich als Fabrikantengattin Suzanne Pujol elegant und rührig im Zentrum des Films, bekommt aber profilierte Schauspieler an die Seite gestellt, wie Gérard Depardieu als Politiker Babin und Fabrice Luchini als Robert Pujol.

    Augenzwinkernd und leicht ist die Erzählweise in diesem Stück zwischen Retrocharme und aktuellen Bezügen, Realität und Bühnenspaß. Ozon hebt manchmal schalkhaft in Übertreibungen ab, die mit Kitsch, mit Emotionen und mit Ironie spielen. Gleich zu Anfang begegnet Joggerin Suzanne Pujol im Wald einer unwahrscheinlichen Menge niedlicher Tiere, am Schluss appelliert sie in einer Radioansprache für die Rückkehr zum Matriarchat. Dazwischen entfaltet sich mit bissigen, enthüllungsreichen Dialogen ein vergnüglicher Beziehungsreigen, der die Verhältnisse im Hause Pujol neu ordnet.

    Catherine Deneuve ist als gesetzte Fabrikantengattin und Mutter zweier erwachsener Kinder anfangs sehr häuslich. Am Morgen serviert sie ihrem Mann das Frühstück und plaudert unbeschwert mit ihm, er aber weist sie gewohnheitsmäßig und in beleidigenden Worten zurecht. Sie soll ihm keinen Rat geben, sondern sich seiner Meinung anschließen und ihre Einfälle für ihre Gedichte aufsparen, sagt er. Fast ebenso brutal ist die Eröffnung ihrer Tochter Joelle, sie wolle nicht wie sie zu einem bloßen Schmuckstück werden – der französische Filmtitel bezeichnet eine Porzellanvase oder im übertragenen Sinn eine Repräsentationsfigur - , sondern sich von ihrem Mann trennen und in der Fabrik des Vaters arbeiten.

    Im Laufe der Geschichte entpuppt sich die Tochter aber als die Konservative in ihren Ansichten über Ehe und Familie. Catherine Deneuve, die sich in den siebziger Jahren in der Frauenbewegung engagierte und für das Recht auf Abtreibung eintrat, hat keine Mühe, ihrer Madame Pujol, ob die nun im Jogginganzug mit Lockenwicklern am Kopf herumläuft oder im Nerzjäckchen und mit Perlenkette vor das Streikkomitee tritt, eine elegant-emanzipierte Persönlichkeit zu verleihen. Sie stattet sie mit Neugier, Elan und Begeisterungsfähigkeit aus, die auf einer selbstbewussten Lässigkeit gründen.

    Wenn die einzelnen Charaktere einen Raum betreten, um für Aufruhr zu sorgen oder wenn sich zum Beispiel drei von ihnen synchron aufs Sofa setzen, spielt die Komödie mit lustigen Elementen aus der Theaterwelt. Ähnlich wie in „8 Frauen“ gibt es zudem ein paar ausgeprägte Typen. Karin Viard spielt Robert Pujols Sekretärin und Geliebte als spannungsgeladene Figur, die mit dem Klischee hadert. Fabrice Luchini stattet Robert Pujol mit aufbrausendem Standesdünkel aus, der gleichzeitig entlarvend und lachhaft wirken kann. Am schönsten aber ist das Zusammenspiel von Catherine Deneuve und Gérard Depardieu, welches in einem gemeinsamen Tanz kulminiert. Hier stellt sich also weniger die Frage, wozu ins Kino gehen, sondern eher, wozu ins Theater gehen, wenn es einen Film mit Schauspielern wie diesen gibt.

    Fazit: Catherine Deneuve brilliert als Fabrikantengattin, die sich spät, aber gründlich emanzipiert, in dieser beschwingten Komödie mit Retrocharme und Bühnenatmosphäre.
  • Eine herrliche Komödie im Stil von „8 Frauen“ gelingt François Ozon mit „Potiche“, was lose übersetzt Vorzeige-Hausfrau bedeutet. Die spielt selbstironisch die große Diva des französischen Kinos Catherine Deneuve.

    Der vielseitige französische Vielfilmer Ozon knüpft mit der Farce in vielerlei Hinsicht an seinen größten Hit an – ohne eine Kopie zu sein, versteht sich. In „Potiche“ übernehmen die Frauen die Macht bzw. insbesondere eine, die Titelheldin, die am Ende gar das Matriarchat ausruft, nachdem sie sich erst zur besseren, sozialverträglicheren Chefin der Regenschirmfabrik, die zuvor ihr Mann Robert (Fabrice Luchini) mit Macho-Allüren leitete, und dann zur Volksvertreterin mausert. Suzanne wird von Deneuve, einer der „8 Frauen“ gespielt. Ozon hat dieses Mal eine andere Epoche gewählt und die späten Siebziger in all ihrer grellen Pracht in Kostüm und Ausstattung wiederauferstehen lassen (unterstützt von seinen treuen Mitarbeiterinnen Katia Wyszkop und Pascaline Chavanne). Dazu gehören auch entsprechende kitschige Schlager oder Spielereien wie Split Screen. Erneut dient ihm ein herrschaftliches Haus mit Fenster mit Aussicht als Hauptlocation. Und erneut ist ihm eine (Boulevard-)Komödie vom Feinsten gelungen, mit perfekt getimten, pointierten, auch deftigen Dialogen und witzigen Storywendungen, die auch vor angedeutetem Inzest nicht halt machen, um die präsentierte heile Großbürgerfamilienwelt genüsslich zu demontieren.

    Der ausgelassen komische Ton wird gleich in der ersten Szene etabliert, in der Deneuve in absurd-übertriebener Aufmachung durch den Wald joggt, sich an den Tieren ergötzt und ein Gedicht über Eichhörnchen schreibt. Dabei hat die von einem populären, bereits fürs Fernsehen adaptierten Theaterstück inspirierte Geschichte durchaus auch einen ernsten realen, immer noch aktuellen Hintergrund: Frauen verdienen weniger als Männer und der Spruch des von Fabrice Luchini gespielten chronisch untreuen Ehemannes seinen streikenden Arbeitern gegenüber , „Wenn sie mehr Geld wollen, sollen sie auch mehr arbeiten“ stamme wortwörtlich von Sarkozy, wie Ozon erklärte.

    Deneuve ist nicht die einzige von Rang und Namen aus Frankreichs Schauspielriege, die unter Ozons leichtfüßiger Regie zu Hochform aufläuft. Auch Gérard Depardieu gibt sich so entspannt und charmant wie in „Chanson d’Amour“, wenn er als eigentlich harter Gewerkschaftler Maurice weich wird, um seine alte Liebe Suzanne zurück zu erobern. In einer der witzigsten Szenen, die sogar Zwischen-Applaus erntete, tanzt er mit Deneuve in der Disco Badaboum fast wie John Travolta in „Nur Samstag Nacht „. Jérémie Renier gibt den schwulen Sohn, der sich im Familienkrieg auf die Seite der Mutter schlägt, Judith Godrèche die erzkonservative Tochter, die den Vater unterstützt, und Karin Viard gefällt als Sekretärin und Geliebte Roberts, die zum größten Fan von Suzanne mutiert. Gesungen wird im Gegensatz zu „8 Frauen“ kaum, Deneuve darf zum Schluss Suzannes Lieblingsschlager trällern. hai.

News und Stories

Kommentare