Das Schloß

Kinostart: 01.02.1997

Das Schloß: Radikale Adaption von Franz Kafkas gleichnamigem Roman.

Filmhandlung und Hintergrund

Radikale Adaption von Franz Kafkas gleichnamigem Roman.

Der Versuch des Landvermessers K., bei seinen Auftraggebern im Schloß vorstellig zu werden, schlägt ebenso fehl wie seine Bemühungen, im Dorf heimisch zu werden. Seine Verlobte, die Schankmagd Frieda, entzieht sich ihm wieder, der Gemeindevorsteher hält alles für einen Irrtum und im entscheidenden Moment schläft K. vor Erschöpfung ein.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das Schloß: Radikale Adaption von Franz Kafkas gleichnamigem Roman.

    Es war nur eine Frage der Zeit bis Michael Haneke auf Franz Kafka stieß, der düstere Filmer auf den noch düstereren Sprachkünstler. Das ausweglose Schicksal des Landvermessers K., der sich erfolglos bemüht, ins Schloß vorgelassen zu werden, enthüllt die kongeniale Verwandtschaft der beiden. Mit eisigen, nachtschweren Bildern verwandelt Haneke Kafkas letzten Roman in eine kalte Utopie der Vergeblichkeit, deren unerbittliche Mechanik nur durch die sonore Erzählstimme Udo Samels gemildert wird.

    In einer Winternacht kommt K. im Dorf an. Seine Auskunft, er sei zum Landvermessen bestellt, wird mit Skepsis quittiert. Ein Bote überbringt eine Nachricht, zwei Gehilfen stellen sich ein, doch kein Weg führt ins Schloß. Der Gemeindevorsteher erklärt K.s Berufung als Verwaltungsirrtum, der Lehrer stellt ihn schließlich als Schuldiener an. K. macht sich Schankkellnerin Frieda (Susanne Lothar) gefügig, um über sie an den Beamten Klamm heranzukommen. Doch je mehr sich K. bemüht, desto weiter entfernt er sich von seinem Ziel und bleibt, was er bei seiner Ankunft war, ein geduldeter Fremder. Als er irgendwann endlich zu einer Unterredung beordert wird, im falschen Zimmer aber vor Erschöpfung einschläft, überhört er den Hinweis, daß das Amt in einer solchen Situation jede Bitte erfüllen würde.

    Das abrupte Ende des labyrinthischen Romans, über das ganze Generationen von Interpreten gerätselt haben, erlaubt Haneke, seine fragmentarische Erzählweise beizubehalten. Kafkas ruheloses, immer neu ansetzendes Kreisen schildert er als einzelne Episoden, die durch schwarze Zwischenblenden getrennt sind. Das ständige Warten und der irritierende Zeitstillstand verdichten sich so zu einer ewigen Frostnacht, die nicht nur K., sondern auch dem Zuschauer in die Knochen jagt. In der bis an die Grenze des physischen Zusammenbruchs der Schauspieler getriebenen „Vereisung“ ihrer Gesichter im Schneesturm findet Haneke immer wieder klirrende Bilder der Isolation und Kommunikationslosigkeit, klingen in 123 atemlosen Minuten viele seiner bekannten Themen an. Neben der frappierenden Werktreue aber trägt vor allem die erlesene Auswahl der Darsteller (u.a. mit André Eisermann, Otto Gründmandl, Nikolaus Paryla) zur brillanten Geschlossenheit dieser Adaption bei, in der ein herausragender Ulrich Mühe der Figur des K. überraschend viele Kanten abgewinnt.

    Im gegenwärtigen Boom der Literaturverfilmungen sollte diese radikale Anverwandlung nicht nur Kafka- und Haneke-Fans begeistern, sondern auch bei jenen Anklang finden, die ansonsten eher üppige Farbenpracht schätzen.led.

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