Das Schiff des Torjägers

  1. Ø 5
   2010
Das Schiff des Torjägers Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Das Schiff des Torjägers: Doku um ein Schiff, das Kindersklaven an Bord hatte, 2001 aufgebracht wurde und als dessen Eigentümer ein in Deutschland spielender nigerianischer Fußballprofi ausfindig gemacht wurde.

2001 sorgte ein humanitärer Eklat nicht nur in Deutschland für ein großes Medienecho und beendete über Nacht die Karriere des nigerianischen Torjägers Jonathan Akpoborie. Der treffsichere Stürmer des Bundesligisten VFL Wolfsburg war Eigentümer eines Schiffs, das Kinder illegal nach Gabun transportierte, wo sie Sklavenarbeit verrichten sollten.

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Kritiken und Bewertungen

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    Der afrikanische Jungfußballer Jonathan Akpoborie wird zum Torschützenstar der deutschen Bundesliga. Doch im April 2001 nimmt seine Karriere ein jähes Ende, als bekannt wird, dass er Besitzer eines Fährschiffes ist, das in Afrika illegal Kinderarbeiter verschiffte. Geschickt widmet sich die Schweizer Regisseurin und Drehbuchautorin Heidi Specogna in ihrem aufschlussreichen Dokumentarfilm den Schicksalen hinter den Schlagzeilen und Medienattacken. So folgt sie der Spur des Schiffwracks "Etireno", lässt neben Akpoborie auch die von ihren Eltern zum Arbeiten verschickten Kinder, Vertreter von Unicef und dem deutschen Fußballbetrieb zu Wort kommen und offeriert damit ein vielfältiges Bild von Bruchstellen und Wendepunkten. Dank der investigativen Qualitäten und intensiven Recherchen eröffnet sich das wahre Ausmaß der Geschichte: Soziale Ungerechtigkeit, der ambivalente Umgang mit Notsituationen und der Ware Mensch spielen sich auf zahlreichen Ebenen auf der ganzen Welt ab. Ein ebenso brisantes wie beinahe auch poetisches Dokument über korrupte soziale Strukturen.

    Jurybegründung:

    Ein afrikanischer Fußballspieler wird zum Torjäger beim VfL Wolfsburg und kauft mit dem so verdienten Geld seiner Familie in Nigeria eine Fähre, die einst in Dänemark gebaut wurde. Diese Fähre wird im Jahr 2001 gestoppt, weil sie zum Kinderhandel genutzt wurde. Nachdem dies in Deutschland bekannt wird, kündigt der VFL Wolfsburg den Torjäger, weil er als Besitzer der Fähre für den Kinderhandel mit verantwortlich gemacht wird. Solch eine zugleich komplexe, politische und abenteuerliche Geschichte eignet sich ideal für einen Kinodokumentarfilm und Heidi Specogna hat die richtigen dramaturgischen und stilistischen Mittel gefunden, um sie überzeugend zu erzählen.

    Dabei verzwirnt sie drei Erzählstränge: jenen um den Fußballer Jonathan Akpoborie, den um die beiden damals auf der Fähre verschleppten Kinder Adakou und Nouman und schließlich jenen um die inzwischen verschrottete Fähre Etireno. Für alle drei Stränge gibt es Archivmaterial wie etwa die besten Torschüsse von Akoborie, 2001 von der Unicef gefilmte Interviewszenen mit den soeben befreiten Kindern oder dänische Fernsehaufnahmen von der Fähre, die damals unter dem Namen Norby schipperte. Aber der größere Teil des Films besteht aus aktuell gedrehtem Material der Filmemacherin, die darin zeigt, was jetzt aus dem Spieler, den Kindern und dem Schiff geworden ist. Dafür ist sie unter anderem mit Akpoborie nach Wolfsburg und in die Schweiz gefahren, wo er heute als Spielervermittler junge Talente aus Afrika nach Europa bringt. Auch hier werden Handelskreisläufe deutlich, auch hier wird mit der Ware Mensch gehandelt und den Filmemachern gelingt es, einige in ihrer Offenheit fast zynisch wirkende Kommentare von europäischen Managern und Akpoborie selber einzufangen. Als Kontrapunkte dazu wirken die Bilder und Aussagen der beiden damals verkauften Kinder und ihrer Familienangehörigen umso erschütternder. Beide sind auch nach all den Jahren noch traumatisiert und erzählen grauenhafte Details von ihrem Martyrium.

    Das Wrack der Fähre wird schließlich von einem Strandwächter bewacht, denn der Schiffsrumpf soll zurück nach Europa gebracht werden, weil es sich rechnet, den Stahl dorthin zu exportieren. Der Film folgt einer Vielzahl solcher globalen Verkäufe und zeigt dabei immer, welchen Preis die Menschen dabei zahlen müssen. So ist Heidi Specogna ein politischer Film gelungen, der immer konkret bleibt und dadurch eine präzise Analyse der herrschenden Verhältnisse liefert.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Von der deutschen Fußball-Bundesliga zum afrikanischen Kindersklavenhandel ist es nur ein kleiner Schritt: Umsichtige und bewegende Doku über die Folgen eines Skandals.

    2001 sorgte ein humanitärer Eklat nicht nur in Deutschland für ein großes Medienecho und beendete über Nacht die Karriere des nigerianischen Torjägers Jonathan Akpoborie. Der treffsichere Stürmer des Bundesligisten VFL Wolfsburg war Eigentümer eines Schiffes, das Kinder illegal nach Gabun transportierte, wo sie Sklavenarbeit verrichten sollten – ausgerechnet von Benin aus, dem Mutterland des Sklavenhandels.

    Heidi Specogna forscht neun Jahre später ohne jede Sensationsgier nach, was aus den Betroffenen wurde und spürt traurige Schicksale hinter einer Zeitungsmeldung auf, indem sie die Geschichte großräumig, aber präzise einkreist.

    Darunter Akpoborie selbst, der keine Chance bekam, nach dem Verdacht seine Unschuld zu beweisen: Der begnadete Ballathlet, der mit Nigeria die U-17-WM in China gewann und mit seinen Profiverträgen in Deutschland die eigene zwölfköpfige Familie aus der Armut enthob, stand am Zenit seines Erfolgs. Sein Plan, ein Geschäft zu starten, für das er zwei blitzsaubere europäische Fähren für Transporte in Afrika erwarb und seinen Brüdern die Geschäftsführung überließ, begann vielversprechend und endete desaströs. Nun lebt Akpoborie wohlhabend in seiner Heimat und vermittelt junge afrikanische Talente nach Europa. Dennoch: Alles, was er sich 20 Jahre lang aufgebaut hatte, war mit einem Schlag fort, verschluckt vom Meer – wie das Wrack seiner Fähre, von dem die Brandung des Atlantiks nur noch rostige Reste umspült.

    Weniger gut ergeht es zwei ehemaligen Passagieren des Seelenverkäufers, Adakou und Anato, die sich als junge Erwachsene an ihren Kindheitsalptraum erinnern, der sie für immer veränderte. Ihre Eltern verkauften sie aus Nahrungs- und Geldnot, weil sie naiv genug waren, den durchsichtigen Versprechen der Menschenhändler zu glauben. Diese Naivität ist allein mit dem mangelnden Bildungsstand zu verstehen und hat das Vertrauen der Kinder in ihre Eltern vernichtet. Ihre Schilderungen bestürzen, die Specogna behutsam und ohne jede Sentimentalität anbringt. Ihre handwerklich erstklassige Doku setzt sich bedacht und durchdacht mit der Situation des Kinderhandels auseinander. Durch den Medienaufschrei geriet eine hässliche afrikanische Tradition schlagartig zum Thema – somit hat das Ereignis viel verändert. Betroffene, Angehörige, Beteiligte, Beamte und Hilfsorganisationen, selbst ein Mitarbeiter des VFL, stellen von der Regie unkommentiert ihre Standpunkte dar, was ein umfassendes Bild von der Handelsware Mensch ergibt. tk.

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