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Das gelbe Segel

   Kinostart: 19.11.2009
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Filmhandlung und Hintergrund

Warmherziges Roadmovie durch Louisiana, in dem drei einsame Seelen zueinander finden.

Brett Hanson kommt nach Jahren aus dem Gefängnis und hat keine Perspektive. Er schreibt seiner großen Liebe eine Postkarte mit der Bitte, wenn sie ihn noch liebt, das gelbe Segel ihre Bootes zu hissen. Ohne viel Hoffnung macht er sich auf den Weg auf abgelegenen Straßen durch Louisiana und trifft auf zwei junge Leute, einsam wie er. Die drei freunden sich an und setzen die Reise gemeinsam fort.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Dies ist ein US-Independent-Film, von dem man kaum glauben kann, dass er seinen Weg ins deutsche Kino gefunden hat. Er lief auf keinem der großen deutschen Festivals, nur im Ausland, sprich: bei Sundance 2008. Das ist auf jeden Fall ein positives Signal: dass der Verleih etwas wagt, dass er hinausgeht in die Welt, um Filme zu entdecken, dass er nicht einfach auf Nummer Sicher geht und das macht, was alle machen, dass auch mal was geholt und gezeigt wird, das sonst vielleicht irgendwann mal im Nachtprogramm der Öffentlich-Rechtlichen gelaufen wäre. Wenn überhaupt.

      Und man würde sich wünschen, dass mehr Verleiher mit mehr - und vielleicht auch besseren - Filmen so verfahren würden; weil´s halt viel Gutes gibt, das auf Festivals läuft und das man dann lediglich im Mediamarkt-DVD-Ramschverkauf wiederfindet.

      Dies nun ist ein Film, der für sich verbuchen kann, dass er von Chris Menges wunderbar fotographiert wurde. Atmosphärische Bilder der US-Südstaaten, des Flachlands, wo es überall nass und sumpfig ist, wo es Unwetter gibt, wo auch mal ein Alligator im Hof oder eine Schlange im Wassertrog auftauchen, Bilder von langen Straßen und nächtlichen Lichtern. Und Bilder, die etwas Heimeliges bekommen im Autoinneren, im Motel, in den verlassenen Gebäuden, in denen Brett, Martine und Gordy aufkreuzen, etwas Behütetes, eine innere Ruhe, die das Außen abhält von diesen Verlorenen, die da unterwegs sind.

      Die Darsteller tragen zu dieser Stimmung des Zusammengehörens bei, das nur darauf beruht, dass die drei von allen anderen ausgegrenzt sind; oder sich zumindest so fühlen. Ruhig, bestimmt, ganz für sich spielen sie, William Hurt, Kristen Stewart und Eddie Redmayne, und dabei immer im Einklang mit den anderen. Brett, der Ex-Häftling, war sechs Jahre lang von der Welt ausgeschlossen, Martine fühlt sich unverstanden, der Vater kümmert sich wenig, den Jungen, den sie für ihren Freund hält, will sie durch Weglaufen strafen. Und Gordy zelebriert sein Anderssein, schwelgt im Glauben, abartig zu sein, das ist eine existentielle Frage für ihn: dass er unter Indianern aufgewachsen ist, dass er seltsame Dinge mit den Einwegfotoapparaten tut, auf verdrehte Weise ist er stolz darauf, dass andere sich in seiner Gegenwart unbehaglich fühlen. Innere Traurigkeit haben sie gemeinsam, und aus der Traurigkeit kommt das Vertrauen zueinander, obwohl oder gerade weil sie Fremde sind. Und jeder auf seine Weise hilft den anderen, ohne es wirklich zu merken.

      Und dann ist da die Vergangenheit, Brett und May und ihre fragile Liebe, die sie erst zu spät als die eine große Sache in ihrem Leben entdecken, bei der sie sich mal richtig entschieden haben. Immer wieder flackern die Rückblenden auf, werden dann in der Erzählung von Brett zu langen Sequenzen, die vom Verlieben, Verloben handeln, von Fehlern und der fehlenden Kraft, (sich selbst) zu verzeihen. Da wird das Roadmovie zum Liebesdrama, und, nun ja. Das ist halt das alte Lied.

      Und zwar wirklich ein altes Lied, "Tie a Yellow Ribbon Round the Old Oak Tree" aus den 70ern nämlich:
      Tie a yellow ribbon ´round the old oak tree
      It´s been three long years
      Do you still want me?
      If I don´t see a ribbon round the old oak tree
      I´ll stay on the bus
      Forget about us
      Put the blame on me

      Das gelbe Tuch als Symbol des Willkommenseins, des Vergebens, der Liebe zu dem Heimkehrenden, der sich selbst verloren geglaubt hat: es heilt am Ende Schwäche und Traurigkeit und Einsamkeit, weil vage Hoffnung erfüllt wurde. Weil das gelbe Tuch aus hing.

      Fazit: Zwar wunderbar fotografiert, auch sensibel inszeniert. Aber eben keinerlei Überraschungen in der alten Geschichte, die da erzählt wird.
    2. Das gelbe Segel: Warmherziges Roadmovie durch Louisiana, in dem drei einsame Seelen zueinander finden.

      Udayan Prasad erzählt in seinem anrührenden Roadmovie von drei verletzten Seelen, die vor vom Hurrikan Katrina zerstörten Landschaften (wieder) Fuß im Leben fassen.

      Der Schweizer Arthur Cohn besitzt ein sicheres Gespür für publikumswirksame Arthouse-Stoffe. Sechsmal durfte er bereits für seine Produktionen einen Oscar in Empfang nehmen, für das Faschismus-Drama „Der Garten der Finzi-Contini“ beispielsweise oder die Dokumentation „One Day in September“ über das Olympia-Attentat 1972. Neben dem Academy Award gab’s da auch noch einen Emmy - bis heute ist das keinem anderen Film gelungen. Dabei interessieren den „Weltbürger“ gleichermaßen komplexe Sujets wie vermeintlich kleine Geschichten. Und auch mit Remakes, zum Beispiel „Die Kinder des Monsieur Matthieu“, hat er reüssiert, sie mit frischer Sichtweise neu interpretiert. Das trifft nun auch auf „Das gelbe Segel“ zu, (s)einer Variante von Yoji Yamadas „Shiawase no kiiroi hankachi“ (1977).

      Die Geschichte ist einfach. Ein Mann, Brett Hanson, mit viel Ruhe und großer Eindringlichkeit von William Hurt verkörpert, kommt nach sechsjähriger Haft frei. In einer Kleinstadt trifft er auf den Teenager Martine („It“-Girl und „Twilight“-Star Kirsten Stewart), die erste schlechte Erfahrungen mit der Liebe gemacht hat, und auf den unwesentlich älteren Gordy (Eddie Redmayne), der auch noch mit der Pubertät kämpft und seinen Platz in der Welt sucht. Die drei haben nichts miteinander gemein - bis auf die Tatsache, dass sie von dem Ort, an dem sie sich gerade befinden, weg wollen. Und weil Gordy ein altes Cabrio besitzt, macht sich das Trio auf einen Road Trip nach New Orleans, durch die von Hurrikan Katrina verwüsteten Landschaften, die das Innenleben der Protagonisten widerspiegeln.

      Als klassisches Roadmovie legt Regisseur Udayan Prasad seine Arbeit an, der Weg ist einmal mehr das Ziel und im Verlauf der Reise kommen die drei einander näher und öffnen sich. Das geschieht primär durch Gesten und Blicke, die Dialoge bleiben sparsam und knapp. Schwer scheint es Hanson zu fallen, über seine Vergangenheit zu sprechen, langsam, in Rückblenden, erfährt der Zuschauer von seiner Liebe zur kantigen May (stets wunderbar: Maria Bello): „I see your whole life in your face… and I love that face.“ Der Grund für seinen Gefängnisaufenthalt wird erklärt und auch der Filmtitel, der einen Liebesbeweis meint, genauso wie einst das gelbe Band im Ohrwurm „Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree“.

      Das klingt konventionell und altbekannt - und ist es auch, aber auf angenehm unaufdringliche Art. Dank der präzisen Schauspielerleistungen und vor allen Chris Menges‘ („Der Vorleser“) süperber Kameraarbeit, die bestens zum Tragen kommt, weil Prasad bewusst und klug auf Musikuntermalung verzichtet. Wie einen weiteren Darsteller fängt er die „Sets“ ein. Verfallene Häuser, vom Regen überflutete Straßen, menschenleere Orte und fast mystische Sümpfe. Traurigkeit liegt über seinen poetischen Bildern, Melancholie und zum Schluss dann, wenn das gelbe Segel zu kleinen Stofffetzen zerschnitten heftig im Wind flattert, auch etwas Hoffnung. Für Brett und May, Martine und Gordy und auch die Bewohner Louisianas. geh.

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