Crazy Heart

   Kinostart: 04.03.2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Charmantes Porträt eines ausgebrannten Country-Music-Stars, der sich unerwartet verliebt und seinen selbstzerstörerischen Lebenskurs verlässt.

Bad Blake hat nicht nur vier Ehen, sondern bald auch sein Leben hinter sich, das unaufhaltsam in die Selbstzerstörung treibt. Alkohol und Frauen sind die einzige Konstanten, wenn der ehemalige Country-Music-Star gelangweilt durch den amerikanischen Südwesten tingelt. Als er aber Jean, Journalistin und allein erziehende Mutter, kennen lernt, verdrängt Romantik plötzlich die Routine, erlebt der Endfünfziger spätes Familienglück. Doch wie schon früher bleibt er selbst das größte Hindernis, wenn das Mögliche dauerhaft Realität werden soll.

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Kritiken und Bewertungen

4,5
2 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

    1. Die Musik von T-Bone Burnett und die Darstellung des abgehalfterten Country-Stars Bad Blake durch Jeff Bridges haben Golden Globes gewonnen; beide stehen deutlich im Mittelpunkt des Debütfilmes von Scott Cooper.

      Bad Blake lebt von Whiskey der Marke McClure’s und von seinen abendlichen Auftritten. Aber er lebt schlecht davon. Sein Agent bucht immer wieder Gigs, die finden in Bowlingzentren oder irgendwelchen Bars statt; und vertraglich ist festgelegt, dass die Drinks nicht gratis ausgeschenkt werden. Er kommt trotzdem an seine Ration Alkohol, denn er hat immer noch Fans, auch unter den Schnapsladenbesitzern. Und da kriegt er seinen Stoff; aber natürlich muss sich der Schnapsverkäufer dann nicht wundern, wenn Bad Blake abends auf der Bühne besoffen ist.

      Er spielt seine alten Hits vor den mit ihm gealterten Fans auf improvisierten Bühnen mit angeheuerten Begleitmusikern, gibt den Leuten das, was sie wollen – und das tut er einigermaßen zuverlässig, trotz Alkoholproblem – er ist zwar eingerostet, aber mit dem richtigen Schmiermittel funktioniert er noch in den Routinesachen, an der Gitarre und am Mikrophon. Cooper versteht es, diese Gigs auf kleinen Bühnen wirkungsvoll in Szene zu setzen, Jeff Bridges spielt gekonnt den abgehalfterten Bühnenveteranen – als wäre alles tatsächlich mit einer dokumentarischen Kamera eingefangen, und auch wer nicht auf Country steht, wird die besonderen Vibes spüren, die bei diesen quasi-Live-Auftritten von Bad Blake ausstrahlen. Hier ist Blake, hier ist Jeff Bridges, hier ist der Film ganz bei sich.

      Der Film atmet auch die Weite des Landes, die langen Straßen, der Staub, die Luft sind elementarer Teil von Bads Welt. Und natürlich hasst er das alles, diese langen Fahrten, den Pisse-Kanister im Auto, die Strecken von Stadt zu Stadt, von Auftritt zu Auftritt, ohne Aussicht auf irgendwas; immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der junge Tommy Sweet, dessen Mentor er einst war, jetzt der große Star der Szene ist…

      Dieses Drama des abgefuckten Musikers bestimmt den ersten Teil des Films, der stimmig ist, geschickt inszeniert, mit Witz, Tragik und Emotion, mit Verlorenheit und Hoffnungslosigkeit. Dann gerät „Crazy Heart“ in etwas anderes Fahrwasser, und obwohl Jeff Bridges noch immer trägt und hält – schließlich ist er „Big Lebowski“- und „Tideland“-erprobt – nimmt der Film eine andere Kurve – statt des Musiker-auf-absteigendem-Ast-Dramas kommt das Alkoholdrama in den Vordergrund, und obwohl beides natürlich zusammenhängt, gerät der Film etwas ins Schlingern – Schnapssucht interessiert mich hier schlicht weniger als der Karriereniedergang eines früheren Stars, die Gewichte sind mir hier etwas falsch verschoben worden.

      Und zu sehr geht der Film gegen Ende den Weg von Erlösung und Versöhnung – mittels des künstlichen, etwas unbeholfenen Tricks eines Zeitsprungs, „Sechzehn Monate später“. Was man allerdings Scott Cooper zugestehen muss in seinem kraftvollen Erstling; Coopers Name muss man sich jedenfalls merken.

      Fazit: Kraftvolles Debüt um einen abgehalfterten Country-Star, glänzend dargestellt von Jeff Bridges.
    2. Crazy Heart: Charmantes Porträt eines ausgebrannten Country-Music-Stars, der sich unerwartet verliebt und seinen selbstzerstörerischen Lebenskurs verlässt.

      Jeff Bridges‘ mit dem Oscar und dem Golden Globe ausgezeichnete Darstellung ist die beste Empfehlung für Scott Coopers Porträt eines ausgebrannten Country-Music-Stars.

      Bad Blake ist als Künstlername des Protagonisten eher ein behauptetes als ein verdientes Etikett, denn so viele Frauen und Whiskeyflaschen der 57-Jährige auch auf seinen Touren genossen und zurückgelassen hat, ist Bad doch im Kern gut: ein attraktiv verwitterter Oldie, der auch Alkoholismus noch halbwegs sympathisch verkaufen kann. Mit ihm sind auch seine Groupies in die Jahre gekommen bei seinen Gigs in den Kneipen und Bowling-Zentren des amerikanischen Südwestens, in denen er sich nur noch selten verbeugen, immer öfter aber übergeben muss. Aus dem lästigen Interview mit Jean, Journalistin und allein erziehende Mutter, entwickelt sich eine zärtliche Beziehung, seine vielleicht letzte Chance auf eine Familie, die er bisher an sich vorbeiziehen ließ. Nach vielen Jahren auf Tour findet er unerwartet einen Grund zur Rückkehr - zu Jean (sanft und verletzlich: Maggie Gyllenhaal), zu seinen lange vernachlässigten Tugenden als Songwriter und zu seinem Protegé Tommy, der längst aus seinem Schatten herausgewachsen und ein Star geworden ist.

      Plot, ohnehin nicht mehr als ein Update von Bruce Beresfords Drama „Tender Mercies“, gehört nicht zu den Stärken des Regiedebüts von Scott Cooper, der bisher in kleinen Rollen vor allem vor der Kamera gestanden hat. Die Vergangenheit der Hauptfigur bleibt weitgehend ausgeblendet, das angedeutete Spannungsverhältnis zum Vater genauso wie die belastete Freundschaft zu Ex-Schützling Tommy (Colin Farrell). Auch wenn sich die Story kurzfristig dramatisch zuspitzt, streift „Crazy Heart“ seine Konflikte nur, wird selbst der Entzug eines schweren Alkoholikers in der Lightversion präsentiert. Viel mehr als ein realistisches Drama über Absturz und Aufstehen ist „Crazy Heart“ ein optimistisches, oft humorvolles Porträt eines kauzigen Typen, dem man seines Charmes wegen vieles vergeben kann - und natürlich eine Liebeserklärung an die Country Musik, die sich hier in ausgedehnten Auftrittssequenzen eher rockig als schmalzig präsentieren darf. Wie Colin Farrell singt auch Jeff Bridges selbst - und das so überzeugend, wie er seine Rolle spielt, in der man den Dude aus „The Big Lebowski“, vielleicht auch Anleihen bei Nick Nolte und Kris Kristofferson entdecken kann. Eine Figur, so sympathisch wie der Film, der dem Leinwandveteranen, wie schon Robert Duvall in „Tender Mercies“, tatsächlich einen Oscar eingebracht hat. „Fallin & Flyin“, das mitreißende Duett von Bridges und Farrell, wird damit im Aufzeigen möglicher emotionaler Optionen geradezu prophetisch. kob.
    3. „Wertvoll”

        Bad Blake, einst gefeierter Countrystar, verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Auftritten in Bars und Bowlinghallen, während er Ärger, Frust und Einsamkeit im Alkohol ertränkt. Kurz vor dem physischen Zusammenbruch lernt er die attraktive Journalistin Jean kennen, die seinem Leben eine neue Richtung gibt. Der Film ist berührendes Musikerporträt und eine ungewöhnliche Romanze, der durch das ausdrucksstarke Spiel von Jeff Bridges und Maggie Gyllenhaal eindrucksvolle Tiefe und Intensität erhält. Das grandiose Spielfilmdebüt von Scott Cooper, der auf faszinierende Weise authentische Charaktere und Szenerien kreiert, fängt mit einer überragenden Kamera das Leben von Bad Blake in intimer Nähe aber auch mit respektvoller Distanz ein. CRAZY HEART ist ein Augen- und Ohrenschmaus, präzise beobachtet, erzählt in kraftvollen Bildern, voller Leidenschaft und Zärtlichkeit.

        Jurybegründung:

        Bad Blake, gealterter Countrysänger, zieht durchs Land, singt in kleinen Clubs und Bowlinghallen. Immer noch verehrt von seinen alten Fans, fühlt er sich dennoch am Ende. Ausgebrannt, vom Alkohol gezeichnet, trägt seine Stimme zwar noch, aber die tristen Absteigen und die Telefonate mit seinem Manager machen ihm seinen Abstieg vom Star zum Loser immer wieder überdeutlich. Im Interview mit einer Journalistin und Mutter eines vierjährigen Sohnes stellt sich trotz des maroden Hotelzimmers plötzlich so etwas wie Vertrautheit, Nähe, ja Intimität ein. Blake, der bestimmte Themen und persönliche Fragen nicht beantworten mag, verliebt sich in Jean und sie erwidert seine Gefühle. Das alles wird ohne Schnörkel, eher lakonisch erzählt. Die Landschaft, durch die Blake fährt, spielt dabei eine große Rolle. Wolkentürme erinnern an seine Probleme, die flirrende Luft an sein wechselvolles Leben: Vier gescheiterte Ehen und einen Sohn, den er nicht kennt. Einsamkeit auf seinen langen Fahrten von einem Auftritt zum nächsten prägen den Film. Bad Blake, nicht nur dargestellt, vielmehr verkörpert von Jeff Bridges, nimmt sein Leben mit Gelassenheit und der nötigen Ironie, aber auch mit Hilfe von viel Alkohol an. Als er Jean das erste Mal besucht und deren Sohn Bud kennenlernt, wird ihm zum ersten Mal klar, was er alles verpasst hat und das versucht er nun nachzuholen. Doch sein Sohn, den er anruft, will ihn nicht sehen und auch nicht mit ihm sprechen. Blake versteht und sieht ein, dass manche Gelegenheiten im Leben nicht wieder kommen.

        Als er schließlich auf Tony Sweet, seinen Schüler und legitimen Nachfolger, vor großem Publikum trifft und zusammen mit ihm ein Konzert gibt, glaubt man, er habe seine Balance wiedergefunden, doch genau jetzt setzt die Talfahrt seines Lebens ein, die zu befürchten war. Am tiefsten Punkt angelangt, entschließt er sich, den Alkohol aus seinem Leben auszuschließen und schafft es. Und auch der Film schafft es glaubhaft, diesen Wandel zu vermitteln. Mit großer Leichtigkeit wird hier aus einem Männerleben berichtet, das so einfach und schwierig zugleich erscheint. Der Film vermittelt die Atmosphäre der abgelebten Clubs auf dem Land, der billigen Motels, der flüchtigen Begegnungen überzeugend. Er ist Romanze, Musikfilm, Roadmovie, fängt mit seinen Stimmungen ein bewegtes Leben ein. Dem Regisseur Scott Cooper ist mit seinem Erstling ein Film gelungen, der es mit seiner Menschlichkeit dem Zuschauer leicht macht, einen alten Säufer und Kettenraucher liebenswert zu finden und ihn mit Sympathie zu betrachten. Auch den Darstellern, die so selbstverständlich agieren und den Eindruck vermitteln, mitten im Leben zu stehen, ist zu verdanken, dass hier eine Facette Amerikas glaubwürdig umgesetzt wurde. Ein Film, der seine Gültigkeit und Ausstrahlung behalten wird.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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