Chinese zum Mitnehmen (2011)

Originaltitel: Un cuento chino
Chinese zum Mitnehmen: Argentinischer Kinohit um einen Eisenwarenladenbesitzer, dessen geordnetes Leben durcheinandergerät, als er sich eines jungen Chinesen annimmt. Berührendes, modernes Märchen.
Kinostart: 05.01.2012
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Filmhandlung und Hintergrund

Chinese zum Mitnehmen: Argentinischer Kinohit um einen Eisenwarenladenbesitzer, dessen geordnetes Leben durcheinandergerät, als er sich eines jungen Chinesen annimmt. Berührendes, modernes Märchen.

Der eigenbrötlerische Roberto, Inhaber eines Eisenwarengeschäfts in Buenos Aires, führt ein belangloses, abgeschiedenes Leben. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit sich selbst und einer Sammlung von Zeitungsausschnitten zu kuriosen Geschehnissen. Bis eines Tages der Chinese Jun in sein Leben tritt und dieses gehörig auf den Kopf stellt. Jun spricht kein Wort Spanisch, ist noch völlig orientierungslos in der Stadt und wurde schon bei seiner Ankunft ausgeraubt. Missmutig nimmt sich Roberto seiner an und lernt sich dabei selbst neu kennen.

Die Freundschaft zu einem Chinesen lässt einen eigenbrötlerischen Argentinier neue Lust am Leben entdecken. Erfolgskomödie aus Argentinien über die Freundschaft zweier grundsätzlich unterschiedlicher Typen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wir alle kennen sie, die kuriosen Geschichten aus der Zeitung. Geschichten, die so absonderlich klingen, dass man über sie schmunzeln muss, auch wenn sie oft über schreckliche Unfälle berichten.

    Eine dieser unglaublichen aber wahren Geschichten ist genau diese, in der eine Kuh vom Himmel fiel und ein japanisches Fischerboot versenkte. Der Regisseur Sebastiàn Borensztein las diese Meldung in der überregionalen argentinischen Zeitung[i] Clarín[/i] und beschloss, dass sie die Basis seines nächsten Films bilden sollte. Mit Ricardo Darín („In ihren Augen“, 2010) konnte Borensztein Argentiniens Superstar unter den Schauspielern für sein Projekt gewinnen. Sicherlich ist es auch Daríns dramaturgischen Können zu verdanken, dass „Chinese zum Mitnehmen“ in Argentinien und Spanien bereits große Erfolge feierte. Beim Internationalen Filmfestival in Rom wurde er sogar als bester Film ausgezeichnet.

    Im Original lautet der Filmtitel „Un Cuento Chino“. Dies ist eine spanische Redewendung, die sich mit „Ammenmärchen“ übersetzen lässt. Und als modernes Märchen kann man Borenszteins neuen Film durchaus auch bezeichnen, der Tonfall allerdings erinnert an eine Tragikomödie. Denn im Kern handelt „Chinese zum Mitnehmen“ von ernsten Themen wie Einsamkeit und der Trauer um geliebte Menschen.

    Nicht nur der Schauplatz macht das Märchen zu einem argentinischen Film. Vor allem macht ihn das Schicksal seines Protagonisten dazu. Denn Roberto ist Veteran des Falklandkrieges – dem Konflikt von 1982 zwischen Argentinien und Großbritannien um die Falklandinseln. Für Borensztein war dieser Konflikt schon immer ein Thema, das er behandeln wollte. Es war ihm ein großes Anliegen über die Hinterlassenschaften dieses Krieges zu sprechen und den Menschen die Auswirkungen zu zeigen, vor denen der Staat und die Gesellschaft die Augen verschließt: gebrochene Menschen, deren Leben durch den Krieg zerstört wurde. Kriegsveteranen wie Roberto.

    Zu Beginn des Films bekommt man ein sehr oberflächliches Bild des Protagonisten: Roberto erscheint als verbitterter und kleinkarierter Eisenwarenhändler, der einen Prass auf die gesamte Menschheit hat. Seine Kunden bezeichnet er gerne mal als „Arschlöcher“ wenn ihm ihre Ansprüche zu unverschämt werden und schmeißt sie aus dem Laden. Allgemein scheint er für seine Mitmenschen nichts übrig zu haben. Man kann ihn sogar als Misanthrop beschreiben. Als er den jungen Chinesen am Flughafen aufliest, zeigt er das erste Mal Mitgefühl. Von diesem Moment an beginnt seine Fassade langsam zu bröckeln. Mehr und mehr lässt er sich auf die neue Situation ein und ist letztlich von Herzen bemüht Jun zu helfen, als ihn einfach nur wieder loszuwerden.

    Seine grummelige Art verliert Robert jedoch den ganzen Film über nicht- und das ist auch gut so. Denn sie ist äußerst unterhaltsam und gibt der tiefgründigen Geschichte den nötigen amüsanten Beigeschmack.

    Fazit: „Chinese zum Mitnehmen“ bietet genau die richtige Mischung aus schwermütigen Emotionen und schwarzem Humor. Auch wenn die Geschichte nachdenklich stimmt, verlässt man das Kino garantiert mit guter Laune.
  • Die lakonisch-warmherzige Tragikomödie mit Ricardo Darin als unfreiwilligen Helfer lockte in Argentinien ein Millionenpublikum in die Kinos.

    Auch wenn hier gleich zu Beginn die Kuh fliegt, ist die argentinische Komödie mit Südamerikas Kino-Eminenz Ricardo Darin (“In ihren Augen”) keine überkandidelte Turbulenz, sondern eine interkulturelle Annäherung, die lakonisch und gemütlich ein Arthouse-Publikum für sich einnimmt, das sich auch für Kaurismäki begeistert.

    Wer sein Mandarin auffrischen möchte, erhält dazu ausgiebig Gelegenheit, denn die chinesischen Dialoge werden nicht untertitelt. Genau darum geht es nämlich, um eine (nur scheinbar) unüberwindbare Sprachbarriere zwischen dem einsiedlerischen Eisenwarenladenbesitzer Roberto (Darin) und dem in Buenos Aires gestrandeten Jun (Darin absolut ebenbürtig: Ignacio Huang), der kein Wort spanisch spricht und verzweifelt um Robertos Hilfe fleht. Wie der gereizte Einzelgänger ihn beherbergt, um ihn wieder loszuwerden, aber auf dem liebenswerten Zeitgenossen sitzenbleibt, ihre Seelenverwandtschaft entdeckt und die harte Schale seiner missmutigen Misanthropie aufbricht, ist genau jene untertourige menschliche Komödie, die glücklich macht – ganz ohne Feel-Good-Mentalität.

    Was nicht heißt, Sebastian Borenszteins genau beobachtete Studie wäre kein Märchen. Nur ist es eins, das sich eines schwierigen, verschlossenen Menschen annimmt, der an der Welt und der Unfreundlichkeit der anderen so knabbert, dass er nicht mehr damit umgehen kann, wenn ihn jemand mag. Und das sind sowohl der dankbar-servile Jun als auch die lebensfroh-patente Mari (Muriel Santa Ana), die ihm unermüdlich den Hof macht. Aber Roberto läuft vor sich selbst und seinen Gefühlen weg, lebt wie ein mürrischer Mönch, seit der Krieg ihn traumatisierte und pflegt seine Schrullen. Etwa jene, Artikel von kuriosen Unfällen zu sammeln – darunter ausgerechnet der, bei dem Juns Verlobte starb.

    Damit sind von Beginn an die Weichen für eine emotionale Entfaltung gelegt, die so perfekt herausgezögert wird und über den Umweg einer Odyssee von Pontius nach Pilatus – weder Behörden noch Konsulate werden dem odd couple helfen – die Verbitterung des Protagonisten und das Schicksal des sympathischen Schützlings erkundet, wie es sich für einen Film gehört, der unwiderstehlich Hoffnung verbreitet.

    tk.

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