Cheyenne - This Must Be the Place

  1. Ø 4.4
   2011

Cheyenne - This Must Be the Place: Faszinierendes Roadmovie über einen gelangweilten Rockstar, der sich auf eine Reise durch die USA begibt, um den einstigen Peiniger seines Vaters zur Strecke zu bringen.

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Filmhandlung und Hintergrund

Cheyenne - This Must Be the Place: Faszinierendes Roadmovie über einen gelangweilten Rockstar, der sich auf eine Reise durch die USA begibt, um den einstigen Peiniger seines Vaters zur Strecke zu bringen.

Rockmusik hat Cheyenne reich gemacht, aber auch gelangweilt und zynisch. Nachdem er sich vom Musikgeschäft verabschiedet hat, macht er sich auf die Suche nach dem einstigen Peiniger seines nunmehr im Sterben liegenden Vaters, dem Nazi-Kriegsverbrecher Alois Lange, der sich in den USA versteckt halten soll. Für Cheyenne beginnt eine Reise ins Hinterland der Vereinigten Staaten, die ihn nachhaltig verändert, bis er dem Todesengel aus Auschwitz gegenübersteht.

Ein ehemaliger Goth-Star macht sich in den USA auf die Suche nach den einstigen Peinigern seines Vaters. Skurriles Roadmovie, in dem Sean Penn mit der Darstellung eines Rockstars, der wie Robert Smith aussieht, überrascht.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino hat sich für seinen ersten Film, der in Amerika spielt, eine sonderbare Geschichte ausgedacht. Die Suche eines ehemaligen Rockstars nach einem KZ-Schergen entpuppt sich als ein Roadmovie voller skurriler Begegnungen. Sean Penn aber ist als geschminkter, trübsinniger Ex-Musiker Cheyenne die wunderlichste Figur von allen.

    Toupiertes schwarzes Haar, roter Lippenstift, Eyeliner, das Gesicht eines 50-Jährigen und eine Stimme, die weinerlich-gekränkt klingt: Cheyenne wirkt auf den ersten Blick lächerlich, und verstärkt diesen Eindruck noch mit seinem auffällig langsamen, müden Gehabe. Laut Sorrentino diente ihm ein bestimmter Rockmusiker als optische Inspiration für diesen Charakter. Eine geraume Weile beobachtet der Film Cheyenne in seinem Alltag in Dublin. Wie ein Alien schlurft er vom Supermarkt nach Hause, wo er seiner Frau, gespielt von Frances McDormand, erklärt, er habe wohl eine Depression. Sie sagt, es sei wahrscheinlich nur die Langeweile.

    In New York besucht Cheyenne als erstes ein Konzert der Talking Heads und spricht mit David Byrne, einem Musikerfreund aus alten Zeiten. Byrne übernimmt nicht nur diese Gastrolle, er hat auch die Filmmusik komponiert und der Filmtitel „This Must Be the Place“ entstammt einem Song der Talking Heads. Einmal erzählt Cheyenne, dass er mit seiner Band früher düstere Musik machte, weil sie viel Geld brachte, und dass sich zwei seiner jugendlichen Fans das Leben nahmen. Geschockt brach er daraufhin seine Karriere ab. Mit seinem Vater, einem Juden, der im KZ war, wollte er seit der Jugend nichts mehr zu tun haben und redete sich ein, er sei ein ungeliebter Sohn.

    Auf der Fahrt durch Amerika wird Cheyenne diese Einstellung revidieren und dabei auch seine pubertären Züge ablegen. Ausgerechnet die Familienangehörigen des KZ-Verbrechers, den er sucht, werden ihm bei diesem Prozess helfen, denn er besucht sie und kommt mit ihnen ins Gespräch, ohne zu sagen, was er will. Das Besondere an diesem Film ist weniger dieser Inhalt, sondern die kleinen skurrilen Begebenheiten am Rande und Cheyennes Meinungen. Aus dem kritischen Blickwinkel eines Europäers lässt Sorrentino zum Beispiel einen Waffenhändler, bei dem Cheyenne eine Pistole kauft, darüber philosophieren, welchen Reiz eine Schusswaffe ausübe, die es erlaubt, auf große Entfernung und folglich ungestraft zu töten.

    Einmal steigt ein stummer Indianer in Cheyennes Pickup und lässt sich ein Stück mitnehmen, einmal erscheint ein junger Bison vor einem Haus. In einem Diner in Utah lernt Cheyenne einen Mann kennen, der ihm erzählt, er habe eine im Alltag inzwischen unentbehrliche Erfindung patentiert. Harry Dean Stanton lässt in dieser Rolle grüßen. Und Cheyenne ruft immer wieder zuhause an, um sich zu erkundigen, ob es Neuigkeiten über Tony, dem verschwundenen Sohn einer Nachbarin, gibt. Ein wehmütiges, wundersames Roadmovie, stets ein wenig neben der Spur und mehr auf das Unnormale konzentriert, als auf eine Erzählung im üblichen Sinn.

    Fazit: Skurril und neben der Spur: Mit einem auffällig gestylten Sean Penn in der Hauptrolle präsentiert Paolo Sorrentino seine Version eines amerikanischen Roadtrips.
  • Roadmovie über einen ehemaligen Rockstar, der sich auf eine Reise durch die USA begibt, um den einstigen Peiniger seines Vaters aufzuspüren.

    Mit seinem ersten englischsprachigen Kinoprojekt verneigt sich der Italiener Paolo Sorrentino, dem mit seinem „Il Divo“ vor drei Jahren in Cannes der große Schritt ins internationale Rampenlicht gelang, vor dem Kino (und der Musik) seiner Jugend: Die Roadmovies von Jonathan Demme („Gefährliche Freundin“), Wim Wenders („Paris, Texas“) und David Byrne („True Stories“) mit ihren skurrilen Figuren und ihrem wehmütigen Blick auf ein unbehaustes Amerika jenseits der Metropolen standen Pate für diesen ungewöhnlichen Film.

    In bestechenden, expressiven Bildern breitet Sorrentino seine Geschichte aus, über den depressiven Rockstar Cheyenne, der sich 20 Jahre nach seinem Abschied aus dem Rampenlicht von Dublin aus aufmacht, um im Hinterland nach dem greisen Mann zu fahnden, der seinen Vater einst folterte. Anders als man es von einem Roadmovie erwarten würde, erzählt „Cheyenne“ weniger vom Aufbruch, sondern von einer Reise nach innen: Die Suche nach den Wurzeln des Vaters hilft dem kauzigen Helden hier, sich selbst zu finden und endlich wieder einen Schritt nach vorn zu wagen im Leben. Zunächst ist es ein Schock, Sean Penn, Inbegriff des kernigen Mannsbildes nach Bruce-Springsteen-Zuschnitt, in seinem Kostüm zu sehen, als 50-jähriger Mann, der immer noch aussieht, wie es Robert Smith von The Cure in den Achtzigerjahren tat: ein Goth mit toupiertem, schwarzem Haar und kieksender Fistelstimme. Man fragt sich, ob das funktionieren kann. Kann es: Mehr und mehr erweist sich diese aus der Zeit gefallene Vogelscheuche als idealer Führer in die ungewöhnliche, überbunte Filmwelt Sorrentinos, in der alles ganz anders ist, als man es gemeinhin erwarten würde – außer dass das Ergebnis so emotional und nachhaltig ist, wie man es sich von blitzsauberem Erzählkino erhoffen darf.

    ts.

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