Changing Times

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   2005
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Changing Times Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Changing Times: Nach 30 Jahren will ein Mann seine erste Liebe zurückerobern, die als Ehefrau und Mutter in Tanger lebt und die Vergangenheit längst ad acta gelegt hat.

Der französische Ingenieur Antoine will bei einem Auftrag in Tanger die erste und einzige Liebe seines Lebens wiederfinden, Cécile. Täglich lässt er der Radiomoderatorin anonym Rosen schicken, die sie in den Abfall wirft. Erst durch einen Zufall begegnen sie sich. Doch die pragmatische 50erin zeigt sich zunächst genervt von den Liebesbezeugungen des einstigen Geliebten.

Antoine ist ein erfolgreicher Ingenieur, den ein Auftrag nach Tanger, Marokko führt. Dort arbeitet seine große – und einzige wahre – Liebe Cécile beim Radio. Täglich schickt er ihr Rosen, wirbt heftig um sie. Doch die verheiratete Fünfzigjährige hat mit der Vergangenheit längst abgeschlossen, denkt (zunächst) nicht daran, den romantischen Gefühlen des alternden Romeos nachzugeben. Ihr Job, die Sorgen mit dem schwulen Sohn Samy und dessen merkwürdige Beziehung zu Nadia sind Aufgabe genug.

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Kritikerrezensionen

  • Vor den Augen der Zuschauer entfaltet sich langsam ein Sommer, an den sich die Menschen erinnern werden. Zumindest die Menschen, um die sich der Film dreht. „Changing Times“ ist in erster Linie ein Film über das Leben und über die Veränderungen, denen jedes Leben unterworfen ist. Im Mittelpunkt stehen Cécile und Antoine, ein ehemaliges Liebespaar, das erneut aufeinander trifft.

    Cécile begegnet den Dingen mit Aktion. Sie geht offen mit den Problemen um, die sie sieht, stellt Fragen und beobachtet. Zunächst scheint ihr dabei auch kaum etwas zu entgehen, doch dann muss sie für sich lernen, dass sich Dinge, die ihr bisher so nah erschienen, von ihr entfernt haben.

    Für Antoine dagegen scheint alles sehr klar und deutlich zu sein. Er weiß genau was er will. Mit diesem Wissen hat er sich die vergangenen drei Jahrzehnte im Strudel des Lebens treiben lassen, immer in dem festen Glauben daran, dass er eines Tages wieder an den Strand zurückgespült werden wird, von dem er einst fortgerissen wurde.

    In einem normalen Leben werden Beziehungen beendet und neue aufgebaut. Menschen werden verlassen, neue gefunden. Die Lebenswege verzweigen sich. Nur selten führen sie wieder zusammen. Antoine stellt sich dieser alles umgreifenden Bewegung entgegen. Er weigert sich vehement, die Veränderung zu akzeptieren, die seinem Leben vor 31 Jahren eine neue Richtung gab.

    So hat es für ihn nie ein wirkliches Ende der Beziehung zu Cécile gegeben. Seine definitive und bedingungslosen Liebe ist geradezu beängstigend, er selbst wirkt durch sie sehr verletzlich. Durch Antoine erhält der Film zeitweise eine traurige Schwere. Er ist gleichsam der Anker, der die anderen davon abhält, sich frei zu bewegen. Indem Antoine in Céciles Welt auftaucht und ihr die gemeinsame Vergangenheit ins Gedächtnis ruft, hält er ihr einen Spiegel vor und bringt ihr sorgfältig austariertes Leben aus dem Gleichgewicht.

    Man könnte sagen, der Film lebt von seinen Schauspielern. Allen voran Catherine Deneuve und Gerard Depardieu, die eine gewohnt brilliante Darbietung liefern. Beide gehen in extremer Weise in ihrer Rolle auf, so dass die Figuren der Cécile und des Antoine zu fest etablierten Persönlichkeiten werden, denen man sogar ein Eigenleben außerhalb des Films zutraut.

    Die Geschichte des Films erschließt sich dem Betrachter nach und nach. Der Regisseur lässt seinen komplexen Charakteren Zeit, sich langsam zu entfalten. Dabei lässt er ihnen aber auch genügend Freiräume, so dass sie nicht alles von sich preisgeben müssen und es auf diese Weise auch zu überraschenden Wendungen kommt, die dem Film eine stringente Spannungsdramaturgie verleihen.

    Die Filmfiguren agieren dabei mit einer erfrischenden Offenheit und Leichtigkeit. Was ihre Gefühle angeht, versuchen sie immer, ehrlich zueinander zu sein. Dennoch sind die Beziehungen zwischen ihnen nicht unkompliziert.

    „Changing Times“ erzählt nicht wirklich eine Geschichte. Vielmehr gelingt es ihm, einem Gefühl Ausdruck zu verleihen. Dem Gefühl, das einer Veränderung im Leben vorausgeht. Der kurze Haltepunkt vor einer Wegkreuzung, die Neuorientierung. Sowohl die leichte Traurigkeit, als auch die Vorfreude, die man dabei empfindet, wenn man seinem Leben eine neue Richtung gibt.

    Fazit: Die mit Leichtigkeit erzählte Momentaufnahme eines erinnerungswürdigen Sommers im Leben einer Familie.
  • Zwei Ikonen des französischen Films treffen unter der Regie von André Téchiné in diesem tragikomischen Beziehungsfilm aufeinander: Gérard Dépardieu und Catherine Deneuve. Nach 30 Jahren will ein Mann seine erste Liebe zurückerobern, die als ziemlich kühle Ehefrau und Mutter in Tanger lebt und die Vergangenheit schon lange ad acta gelegt hat.

    Bei André Téchiné muss man mit Überraschungen rechnen. Nach dem in Marokko angesiedeltem „Loin“ und „Les Egarées“ aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges kehrt er erneut nach Nordafrika zurück und fokussiert sich auf Menschen zwischen zwei Kulturen, Gegensätze zwischen Okzident und Orient, zwei Lieben und zwei Lebensentwürfe.

    Es beginnt mit einem Unfall. Der französische Ingenieur Antoine wird bei einem Erdrutsch auf der Baustelle in Tanger verschüttet – ein Kniff, denn die Szene ist keine Rück-, sondern eine Art Vorblende. Denn kurz darauf erfahren wir, dass er nicht nur in die weiße Stadt am Meer gekommen ist, um bei den Marokkanern aufs Tempo zu drücken, sondern vor allem, um die erste und einzige Liebe seines Lebens wiederzusehen, Cécile. Täglich lässt er der Radiomoderatorin eines kleinen Senders anonym Rosen schicken, die sie in den Abfall wirft. Erst durch einen Zufall begegnen sie sich – Antoine entdeckt sie in einem Supermarkt und knallt mit der Nase an eine Glasfront. Dass ausgerechnet Céciles Arzt-Gatte den Verletzten versorgt, könnte als Wink des Schicksals gelten. Doch die pragmatische 50erin zeigt sich genervt von den Liebesbezeugungen des einstigen Geliebten. Die Zeiten ändern sich eben, hinterlassen Spuren in der Seele, manchmal auch Wunden.

    Téchiné macht sich auf die Suche nach verschütteten Emotionen und setzt bei dem wiederkehrenden Bild des Erdrutsches auf starke Metaphorik. Der Unfall als Auslöser einer Katharsis, nicht das Ende der Hoffnung, sondern deren Beginn, denn am Bett des im Koma Liegenden erkennt die sonst so Schroffe und Gleichgültige die Kostbarkeit des unter der Last des Alltags verlorenen Gefühls.

    Dennoch bleibt die Kernfrage, „warum nach 30 Jahren“ ungelöst und Unklarheit, was die beiden mal verbunden hat. Die Personen umkreisen sich – Depardieu als konsequente Träumer, der trotz körperlicher Stärke zerbrechlich wirkt, Deneuve als unsympathische Zicke, die das Kapitel Liebe abgeschlossen hat, ihr schwacher Mann, der sich mit sportlichem Sprung ins Wasser flüchtet oder mit hartem Whiskey tröstet, der Sohn, der mit einer alleinerziehenden marokkanischen Freundin aus Paris kommt, um mit seinem einheimischen Liebhaber ein paar schöne Stunden zu verbringen, die junge Frau, die ihre Zwillingsschwester treffen möchte und auf Ablehnung stößt. Sie alle sind in Bewegung, vermeiden im Wartesaal zum großen Glück die Wirklichkeit. Wie auch die Afrikaner, die in stoischer Ruhe auf ein Boot ins gelobte Europa warten und wenn sie zurückgeschickt werden, die Überfahrt aufs Neue versuchen. „Les temps qui changent“ ist klassisches französisches Kino ohne Abstriche. Für den, der es mag. mk.

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