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Camilo - Der lange Weg zum Ungehorsam

Kinostart: 24.04.2008
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Der erste offizielle Kriegsdienstverweigerer des Irakkriegs heißt Camilo Mejia. Der Sohn eines berühmten Komponisten wollte mit dem Beitritt zur National Guard sein Studium finanzieren und die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Als er aber an einem Brennpunkt im sunnitischen Dreieck stationiert wurde, desertierte er bei einem Kurzurlaub. Zugleich trauert Fernando Suarez um seinen 19-jährigen Sohn - das erste mexikanische Opfer dieses Krieges.

Peter Lilienthals

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Der preisgekrönte Filmemacher Peter Lilienthal widmet sich in dieser äußerst ergreifenden Dokumentation der US-Militärpolitik und den Lebensumständen einstiger Widerstandskämpfer in Lateinamerika. Sorgfältig sammelt der Film jeweils vor Ort die Stimmen von US-Veteranen, Kriegsdienstverweigerern, irakischen Kriegsopfern und nicaraguanischen Widerstandskämpfern und offenbart das entsetzliche Ausmaß der Verwüstung, die der Krieg hinterlässt. Familien werden zerstört, Persönlichkeiten deformiert. Er öffnet den Blick für die großen Zusammenhänge und zeigt auf erschütternde Weise, wie die Rekrutierung der Militärs sich vor allem die Hoffnung lateinamerikanischer Einwanderer auf ein besseres Leben zu Nutze macht. Lilienthal hat einen zutiefst berührenden Film geschaffen, der einen gleich zu Beginn unentrinnbar hineinzieht und bis zum Schluss nicht loslässt.

      Jurybegründung:

      Peter Lilienthal, der in seinen Filmen so oft von den politischen Zuständen in Lateinamerika erzählt, zeigt hier, was aus den einstigen Kämpfern in Nicaragua geworden ist, und dass die politischen Zustände sich dort im Grunde nicht geändert haben. Er beginnt mit der Geschichte des US-Soldaten Camilo Mejía, der sich nach einem Einsatz im Irak weigert, dorthin zurückzukehren und politisch gegen die militärische Politik seines Heimatlandes kämpft. Camilo erzählt seine Geschichte bewegend in Lilienthals Kamera. Dieser erweitert bald den Horizont seiner Dokumentation, indem er sowohl die irakischen Opfer des US-Militärs zeigt, wie auch darstellt, dass viele Soldaten lateinamerikanischer Abstammung in den unteren Rängen kämpfen, und so in den Kampfhandlungen überdurchschnittlich oft verletzt werden oder sterben. Dass die jungen Männer, deren Familien ursprünglich aus Mexiko und Nicaragua stammen, durch ihre Armut dazu verlockt werden, sich freiwillig beim Militär zu verpflichten, und dass sie durch Propaganda verführt werden und zuwenig und oft auch falsche Informationen über diese Arbeit bekommen, macht Lilienthal ebenso eindrucksvoll deutlich, wie er den Widerstand der Veteranen und der Hinterbliebenen der Gefallenen zeigt und schließlich die erbärmlichen Zustände, unter denen viele der einstigen Widerstandkämpfer im heutigen Nicaragua leben müssen. Manchmal scheint der Film zwar ein wenig beliebig zu mäandern, und mit 84 Minuten ist er wohl auch etwas lang geraten. Doch andererseits spürt man bei jeder Einstellung die Dringlichkeit, mit der Lilienthal all diese Aspekte des Konfliktes aufzeigen will. So bietet der Film zum einen Gelegenheit zu erkennen, dass sich über die Jahrzehnte die Mechanismen kaum geändert haben, durch die die Mächtigen in den USA ihre Interessen durchsetzen. Zum anderen zeigt Lilienthal, wie hilflos der damalige und heutige Widerstand dagegen steht und wie wenig er bewirkt. So durchzieht auch jene Sequenzen seines eigenen Films, die (wie etwa die Montage zu einem Protestsong von James Blunt) leichte Anflüge von Agitprop haben, eine eher resignierte Grundstimmung. Mit diesen Mitteln lässt sich die Welt kaum ändern, aber auch Lilienthal muss es dennoch noch einmal mit diesem Film versuchen.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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