Filmhandlung und Hintergrund

Nach Bruno Nuytten 1988 (mit Isabelle Adjani) erzählt nun Bruno Dumont nach eigenem Drehbuch aus dem tragischen Leben der berühmten Künstlerin. Um einsames, endloses Warten geht es, ums Ringen für Verständnis, um die Anerkennung von Kunst. Der Briefwechsel zwischen Camille und ihrem Bruder, dem Schriftsteller Paul Claudel, hat den Filmemacher zu seinem Drama inspiriert. Laien, geistige behinderte Klinikinsassen,...

Winter 1915. Camille Claudel hebt einen Stein auf, dreht ihn, mustert ihn. Eine Bildhauerin betreibt Studien zu ihrer Arbeit. Doch dann wirft sie ihn weg. Sie wird nie wieder künstlerisch arbeiten, zu tief ist sie verletzt. Von Neidern fühlt sie sich bedrängt, in ihrer Kunst verkannt, ihr berühmter Liebhaber und Mentor, der große Bildhauer Auguste Rodin, 24 Jahre älter als sie, hat sie einfach fallen lassen. Nun lebt sie in einer psychiatrischen Anstalt im Süden Frankreichs wohin ihre Familie sie abgeschoben hat. Ihr Verfolgungswahn wird immer schlimmer.

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    Kritikerrezensionen

      1. Regisseur Bruno Dumont ("L’Humanité", "29 Palms") knüpft mit seinem Spielfilm "Camille Claudel 1915" stilistisch an seine reduziert angelegten, naturalistischen Sozialstudien an, mit denen er sich zuvor auf die Spuren von Autorenfilmern wie Jacques Rivette oder Maurice Pialat setzte. Wie sie baut er bei seinen Alltagsskizzen auf lange Einstellungen, den Verzicht von ausgefallenen Kamerafahrten und Musikeinsatz. Längst kommt er ohne die drastischen Sexszenen seiner provokanten ersten Arbeiten aus, zumal der nüchterne Stoff über das zermürbende Klosterleben der abgeschobenen Künstlerin Camille Claudel dafür auch keinen Anlass gibt.

        Weiterhin setzt er aber sowohl mit professionelle Schauspieler als auch Laien ein, was ihm zuvor wiederholt Kritik einbrachte: Unverkennbar verkörpern sich die geistig Behinderten selbst, die in der Anstalt von Montdevergues etwa eine "Don Juan"-Aufführung proben, womit Bruno Dumont ein authentisches Bild des Anstaltsalltags gelingt. Selbst die Nonnen werden von echten Krankenschwestern verkörpert. Das mitunter unkontrollierbare, exaltierte Verhalten der Insassinnen und ihre gelegentlichen Ausbrüche sorgen dafür, dass sich Enge und Restriktionen des Klosterlebens auf den Zuschauer übertragen. Gleichfalls sorgen die kargen Bilder in düsterer Farbgebung und die strenge Inszenierung für ein sezierendes Biopic, das sich bewusst den Genrekonventionen verschließt.

        Inhaltlich könnte es sich bei Dumonts Werk um die Fortsetzung von Bruno Nuyttens "Camille Claudel" von 1988 handeln. Mit dieser überlangen, ermüdenden Liebesgeschichte zwischen dem Bildhauer Auguste Rodin und seiner einstigen Assistentin setzte der Kameramann und Debütregisseur seiner Geliebten Isabelle Adjani ein stets perfekt ausgeleuchtetes cineastisches Denkmal. Die Vorgeschichte über die unglückliche, zerstörerische Beziehung der beiden Künstler kann als Hintergrundwissen dienen, um die Ursachen von Camilles wachsender Paranoia zu deuten. Mit Juliette Binoche besetzte Dumont einen weiteren französischen Topstar als Protagonistin, die von anderem darstellerischen Kaliber ist als Isabelle Adjani. Tatsächlich war sie es, die Dumont eine Zusammenarbeit ans Herz legte. Uneitel und zurückhaltend, zwischen fahrigem Verhalten und wachem Optimismus angelegt, verkörpert Binoche eine resignierte Frau, deren wütende Ausbrüche umso eindringlicher ausfallen.

        Am Rande des Wahnsinns stehend, findet die zunehmend willenlose Bildhauerin im strengen Klosteralltag keine Heilungschancen. Wenn sie eine Schneekugel formt, wird deutlich, dass ihr künstlerisches Schaffen hinter Klostermauern verkümmert und sie keine Möglichkeit zur Entfaltung erhält. Ihre Persönlichkeit wurde längst ausgelöscht. Beim Besuch ihres Bruders Paul Claudel reden die Beiden aneinander vorbei. Längst erscheint eine Kommunikation zwischen den entfremdeten Geschwistern unmöglich. An Camilles möglicher (Wieder-)Eingliederung ist die Familie nicht interessiert. Als der behandelnde Arzt ihre baldige Entlassung vorschlägt, zeigt sich der Schriftsteller an dieser Option desinteressiert. Paul Claudel bezeichnet sich selbst als "Christ aus Gehorsam". Doch christliche Nächstenliebe im Hinblick auf seine unbequeme Schwester kommt dem erzkatholischen Dichter nicht in den Sinn.

        Mit einem langem Monolog Paul Claudels an einem Berghang, bei dem sich Dumont aus überlieferten Schriften bedient, gibt er seinen zuvor etablierten Stil aus reduzierten Dialogen auf. Im Bezug auf die Ausprägung von Camilles Krankheit enthält sich Dumont eines Urteils. Doch die mitunter harschen Behandlungsmethoden des Konvents, die nicht an den Ursachen der Paranoia ansetzen, und Paul Claudels doppelbödige Moral hinterfragt er nachdrücklich. Allerdings muss man sich auf die zurück genommene Inszenierung mit langen Einstellungen und reinen Beobachtungen einlassen. Daher fielen die Reaktionen zur Premiere im Berlinale-Wettbewerb bei den Zuschauern und Kritikern eher gemischt aus. Nicht wenige Zuschauer verließen das Kino vorzeitig, während am Ende langer Applaus und "Bravo"-Rufe erfolgten.

        Fazit: "Camille Claudel 1915" wirft einen authentischen Blick auf den fast 30-jährigen Anstaltsaufenthalt der instabilen Bildhauerin, was mitunter auch den Zuschauer zermürbt.
      2. Nach Bruno Nuytten 1988 (mit Isabelle Adjani) erzählt nun Bruno Dumont nach eigenem Drehbuch aus dem tragischen Leben der berühmten Künstlerin. Um einsames, endloses Warten geht es, ums Ringen für Verständnis, um die Anerkennung von Kunst. Der Briefwechsel zwischen Camille und ihrem Bruder, dem Schriftsteller Paul Claudel, hat den Filmemacher zu seinem Drama inspiriert. Laien, geistige behinderte Klinikinsassen, spielen neben der beeindruckenden Juliette Binoche, Hauptschauplatz ist die bedrückende Anstalt, die Guillaume Deffontaines Kamera selten verlässt.

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