Filmhandlung und Hintergrund

Essay über den Landstrich in der Mojave-Wüste, der dokumentarische mit fiktionalen Elementen mixt.

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Ein Mann arbeitet als Schädlingsbekämpfer in der verlassenen Häuserlandschaft von California City, einer von der Finanz- und Immobilienkrise betroffenen Stadt in der Mojave Wüste. Mehrmals die Woche erhält er von der Zentrale Aufträge, meistens zur Beseitigung von Moskitobrutstellen in den Pools der leerstehenden Häuser. Auf seiner Reise begegnet er den unterschiedlichsten Menschen, die sich, jeder auf seine Weise, mit dem Ort und ihrem Leben arrangiert haben. Außerdem trauert er seiner Liebe Chelsea nach, die ihn verlassen hat. Ist es auch für ihn an der Zeit zu gehen? Denn in California City scheint kein wirkliches Leben mehr möglich zu sein. Der Film von Bastian Günther zeichnet das beinahe schon postapokalyptische Bild einer verlassenen Einöde. Der Zuschauer begleitet den Protagonisten bei seiner Arbeit, bei seinen Treffen mit einer Hand voll anderer Menschen und vor allem bei seiner Suche nach sich selbst. Durch die Musik und die kargen Bilder, welche die melancholische Stimmung des Films transportieren, wird der Ort California City zu einem Sinnbild für das Seelenleben des Protagonisten. Diese besondere Stimmung wird zusätzlich durch den Einsatz unterschiedlicher Bildqualitäten, zum Beispiel Super-8-Aufnahmen und Unschärfen, verstärkt. CALIFORNIA CITY ist ein leiser, unaufdringlicher Film über Einsamkeit und Selbstfindung; Ein Dokufiction-Roadmovie, das durch seine ausdifferenzierte Bildsprache und seinen besonderen Zugang zu seinem Schauplatz überzeugt.

      Jurybegründung:

      CALIFORNIA CITY kann einer neuen Generation von Hybridfilmen zugerechnet werden, die dominant auf die Form des Dokumentarfilms zurückgreifen, diese aber so stark mit fiktiven Elementen vermischen, dass nicht mehr klar zu erkennen ist, was erfunden und was authentisch ist. Protagonist ist ein namenloser Mann, dessen Job darin besteht, leere und zwangsgeräumte Häuser in der kalifornischen Mojave-Wüste von Moskitoplagen zu befreien. Dadurch ergibt sich eine weitere Genre-Referenz: das Roadmovie. Dies wird im Film sogar explizit gemacht, als der Protagonist einer Gruppe begegnet, die das sogenannte Wasteland Weekend veranstalten, eine Reminiszenz an die australischen MAD MAX-Filme. Und auch die Welt der Investitionsruinen in Bastian Günthers Film wirkt ähnlich post-apokalyptisch. Es sind faszinierende Settings, die dem Zuschauer hier vor Augen geführt werden: Geisterstädte des Kapitalismus und besonders beeindruckend der Flugzeugfriedhof des „Mojave Air & Space Port“. Eine klar erkennbare Haltung des Films zu diesem Investitions-Desaster ist allerdings nach Ansicht der Jury nicht zu erkennen. Vielmehr werden die ruinösen Verhältnisse mit einer Beziehungsruine des Protagonisten zusammengeführt. Immer wieder sind Archivfilme oder als Archivbilder erscheinende Rückblenden zu sehen, die eine Frau zeigen, die der Protagonist „Chelsea“ nennt. Diese Parallelführung des ökonomischen und soziologischen Phänomens der Immobilienkrise mit der persönlichen Krise des Protagonisten fügt sich letztlich nicht in letzter Konsequenz zu einem in jeder Hinsicht überzeugenden Ganzen, meinte die Jury. Auch finden sich einige Redundanzen. Dennoch ist Bastian Günther mit CALIFORNIA CITY ein äußerst faszinierender Film gelungen, der ästhetisch stimmig und spannend gestaltet ist und neue Wege zwischen Dokumentar- und Spielfilm zu gehen versucht.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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