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Filmhandlung und Hintergrund

Bungalow: Coming-Of-Age-Drama über einen 19-jährigen Bundeswehrdeserteur auf der schmerzvollen Suche nach dem Sinn des Lebens und der Liebe.

Mehr oder weniger aus Überdruss und sehr zum Tort seiner linksliberalen Eltern verpflichtet sich der 19-jährige Paul (Lennie Burmeister) bei der Bundeswehr, nur um nach kurzer Zeit dem militärischen Drill wieder zu entsagen und als Fahnenflüchtling das Weite zu suchen. Unterschlupf findet er fürs Erste im leerstehenden Bungalow seiner Eltern, wo sich justament auch Bruder Max (Devid Striesow) und dessen Freundin Lene (Trine Dyrholm) eingenistet haben. Dort eskaliert die Situation, als sich Paul in Lene verliebt und grimmige Feldjäger an die Pforten klopfen.

Ulrich Köhlers

Um dem Kleinstadtmief zu entfliehen, verpflichtet sich der 19-jährige Paul bei der Bundeswehr, um dort nach kurzer Zeit fahnenflüchtig zu werden. Im leeren Bungalow seiner Eltern trifft Paul auf seinen Bruder und dessen Freundin Lene. Als er sich in diese verliebt und auch noch die Militärpolizei auftaucht, wird er erstmals mit dem Ernst des Lebens konfrontiert.

Als der 19-jährige Paul es nicht mehr in seiner miefigen Heimatstadt aushält, fällt ihm nichts Besseres ein, als sich bei der Bundeswehr zu verpflichten. Doch schon bald nach Dienstantritt hat er die Nase voll von Drill und Routine und desertiert. Versteckt im leerstehenden Bungalow seiner Eltern, kommt es für Paul bald darauf knüppeldick. Die Freundin schickt ihn zum Teufel, der große Bruder hat kein Verständnis für den phlegmatischen Jammerlappen und da ist ja auch noch der knallharte Feldwebel, der nach ihm sucht.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit reduzierten, geradezu kargen Bildern zeigte Drehbuchautor und Regisseur Ulrich Köhler 2002 im Panorama der Berlinale ein erstaunlich sensibles und einfühlsames Filmdebüt: Das Porträt eines Jugendlichen auf der Suche nach der eigenen Identität und der Liebe sieht mit simplen Mitteln, ohne Musik, Effekte und Erklärungen das große Rätsel des Geliebtwerden-wollens und des Erwachsenwerdens in den unverbrauchten jungen Gesichtern und präzisem Spiel seiner hervorragenden Darsteller.

    „Ich weiß nichts mehr“, sagt der 19-jährige Paul (Laiendarsteller Lennie Burmeister) einmal. Warum er den Dienst bei der Bundeswehr angetreten hat – „Gewissenbisse“, ist seine Antwort, als er gefragt wird -, warum er schon kurze Zeit später – auf verblüffend undramatische Weise – die Fahnenflucht antritt, und was er nun im leerstehenden Bungalow seiner verreisten Eltern im heimatlichen Provinznest irgendwo in Oberhessen mit sich und der Welt anfangen soll. Dann kommt seine Freundin Kerstin (Nicole Gläser) und teilt ihm mit, sie habe ihn nach monatelanger Abwesenheit verlassen. Sein älterer Bruder Max (Devid Striesow) und dessen neue, dänische Freundin Lene (Trine Dyrholm, „Das Fest“) tauchen unerwartet auf. Und mehr passiert eigentlich nicht: Der antriebslos durch die Gegend schlurfende Paul provoziert mit seinem phlegmatischen Verhalten den toleranten Bruder, der den Jüngeren auffordert, sich den bereits nach ihm fahndenden Feldwebeln und seiner Pflicht zu stellen. Am Anfang fliegt mit dumpfen Knall aus ungeklärtem Grund das städtische Schwimmbad in die Luft, irgendwann kehrt Kerstin zurück und lässt ihn doch wieder sitzen, Paul verliebt sich in Lene, verletzt sich – doch alles geschieht auf denkbar unspektakuläre Art und Weise und mit völliger Gleichgültigkeit.

    Selbst aus der spürbaren Anspannung zwischen den Brüdern bricht nie der zu erwartende Streit: Max versteht den Jüngeren nicht – und der reagiert mit Trotz, umgeht die Auseinandersetzung. Der Film erklärt seine Figuren nicht, er beobachtet sie lediglich – und deren Tonfall und Gestik stimmen und machen das Verhalten trotz Fehlens von Hintergründen nachvollziehbar. Ebenso wie Paul zwischen dem Nicht-mehr-jung- und Noch-nicht-erwachsen-sein auf der Stelle tritt, fängt Ulrich Köhler mit minutiöser Langsamkeit seine Rückkehr an den zeitverlorenen Ort des Elternhauses ein, an dem Erinnerung und Hoffnung, Vergangenheit und Zukunft aufeinandertreffen und die Gegenwart still zu stehen scheint, wie die schwüle Sommerluft.

    Vollständig ohne Musik und Effekte und ohne Behauptungen, so unspektakulär inszeniert wie der geschilderte Alltag selbst, mit genau komponierten Bildern und Plansequenzen ergibt all das eine für einen Debütfilm beachtliche stilistische Geschlossenheit – eingerahmt von den geordneten vier Wänden des Bungalows, in dem Paul kein Zuhause mehr findet. Der Stillstand und das Bild des verlassenen Elternhauses erklärt eine Lebensphase der Unentschlossenheit, der unbestimmten Sehnsüchte und der Unfähigkeit, den Erwartungen und Ansprüchen zu genügen, was keinem ganz fremd sein dürfte. Bei aller Flüchtigkeit dieser starren Momente, bleiben diese doch mit einer existenziellen Erfahrung verbunden, die einer noch unbestimmtem Zukunft die Richtung weisen wird. So nennt Köhler selbst seinen Film ein „verhindertes Road-Movie“, über einen, der es nicht schafft, sich auf den Weg machen – der kein Ziel hat, für das er sich begeistern könnte, und der noch nicht weit genug fort war, um die Bedeutung von Heimat erfahren zu haben.cm.

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