Brügge sehen... und sterben?

  1. Ø 4
   2008

Brügge sehen... und sterben?: Amüsante Komödie über die Abenteuer zweier Auftragsmörder im vorweihnachtlichen Brügge.

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Filmhandlung und Hintergrund

Brügge sehen... und sterben?: Amüsante Komödie über die Abenteuer zweier Auftragsmörder im vorweihnachtlichen Brügge.

Auch als Profikiller geht gelegentlich mal etwas schief. Diese Erfahrung müssen auch Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell) machen, die zwar schon lange im Killer-Geschäft unterwegs sind, doch als ein Auftrag in London nicht ganz nach Plan verläuft, von ihrem Chef Harry (Ralph Fiennes) erst einmal nach Brügge in den Urlaub geschickt werden. Für Ken ist Brügge einfach der perfekte Ort, denn er fühlt sich zwischen mittelalterlichen Bauten und prächtigen Kirchen pudelwohl. Ray dagegen langweilt sich bei den unzähligen Sightseeing-Touren zu Tode und kann der Stadt einfach nichts abgewinnen. Schnell verfällt er in eine Depression.

Tagelang streifen die beiden durch das schöne Brügge und ein Anruf von ihrem Chef lässt noch immer auf sich warten. Ray hält es nicht mehr länger aus und anstatt weiterhin Trübsal zu blasen, freundet er sich am Film-Set mit dem kleinwüchsigen amerikanischen Schauspieler Jimmy (Jordan Prentice) und der bezaubernde Chloe (Clémence Poésy) an. Plötzlich scheint das Leben so viel besser in Brügge, denn mit dem kleinen Schauspieler feiert er lange Drogen-Parties und in Chloe scheint er die Liebe seines Lebens gefunden zu haben.

Als schlussendlich der Anruf von Harry eintrudelt, haben die beiden Profikiller ein viel größeres Problem, als die Langeweile in Brügge zu überbrücken.

Das Bild „Das letzte Gericht“ des niederländischem Malers Hieronymus Bosch nimmt in „Brügge sehen…und sterben“ eine ganz besondere Rolle ein. Das Bild thematisiert die Durchwanderung des Fegefeuers als Buße für begangenes Unrecht und Voraussetzung einer Erlösung. Vielleicht ist Ray ja auch hier in Brügge um Buße zu tun für seine Taten als Profikiller.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • In „Brügge sehen ... und sterben?“ gibt es eine große Hauptrolle: die Stadt Brügge selbst. Mit poetisch schönen Bildern wird der Ort in zahlreichen Ansichten porträtiert. Einen Kontrast zu der mittelaterlich verklärten Idylle bildet die Handlung des Films – mit gezückten Pistolen laufen die Killer durch die Stadt.

    Die Freundschaft der beiden irischen Killer Ray und Ken wird auf eine harte Probe gestellt, als Ken Ray töten soll. Es stellt sich oft die Frage, wie der sympathische Ken überhaupt zu seinem Beruf kam. Hintergründe werden uns zu den Figuren leider kaum gegeben, der sanftmütige Killer Ken erweckt allerdings einen merkwürdigen Eindruck.

    Generell sind die Figuren dieser schwarzen Komödie zu unsympathisch. Ray hat gerade einen kleinen Jungen umgebracht und nichts anderes im Sinn, als mit hübschen Blondinen ins Bett zu steigen. Cloë wiederum verdient ihr Geld eigentlich nicht im Filmbusiness, sondern im Drogenhandel. Gekrönt wird das Ganze von einem Lilliputaner, der sich als skrupelloser Rassist entpuppt. Das idyllische Brügge ist hier nur Fassade für unheimliche Machenschaften. Kens Konflikt ist allerdings nicht nachvollziehbar. Ray wird von Colin Farrell als unsympathischer Macho dargestellt – am liebsten würde man als Zuschauer selbst abdrücken und Ray den Gnadenschuss geben.

    Weil uns die Figuren nicht interessieren, geht zudem bald die Spannung des Films dahin. Auch eine Verfolgungsjagd durch die Stadt am Ende des Films macht diesen nicht aufregender. Ein Lichtblick ist der cholerische Gangsterboss Harry – auch wenn selbst diese Figur nur ein Abziehbild zahlreicher Vorbilder ist. Trotzdem bietet „Brügge sehen ... und sterben?“ einige komische Momente, beispielsweise wenn sich Ray mit dicken amerikanischen Touristen anlegt oder Harry einen Museumswärter zurechtweist.

    Dennoch gibt es von diesen Momenten nicht genug und man hat oft eher den Eindruck, sich in einer Werbeveranstaltung des belgischen Tourismusamtes zu befinden. Ideen wie die des Filmdrehs im Film werden nicht ausgereizt, so dass „Brügge sehen ... und sterben?“ immer wieder nur an der Oberfläche kratzt. Tiefgründige und packende Momente sucht man vergebens – die Fiktion wird immer wieder gebrochen.

    Fazit: Mäßig spannende schwarze Komödie mit schöner Kulisse.
  • In seinem witzigen Regiedebüt zeigt Theaterautor Martin McDonagh, was die belgische Touristik für zwei irische Killer zu bieten hat.

    „Das tote Brügge“ nennt sich eine Novelle über das mittelalterliche Kleinod und die Atmosphäre von Düsternis und Melancholie, die sich über das Labyrinth der Kanäle legt. „Brügge ist ein Drecksloch“, ist die moderne Antwort darauf, gegeben von Colin Farrell am Anfang eines Films, der mit dem Image Brügges, aber auch dem der Iren spielt. Fluchen, flirten, prügeln und die Leber in Alkohol legen – all das darf Farrell in einer maßgeschneiderten, auch seine sensitiven Qualitäten fordernden Rolle als Killer, der von Schuldgefühlen aufgefressen wird. Weil Ray beim letzten Job versehentlich ein Tabu gebrochen und damit viel Staub aufgewirbelt hat, schickt ihn sein Boss (Ralph Fiennes) mit dem Kollegen Ken (Brendan Gleeson) zum Chillen nach Brügge. Für den explosiven Ray ist der Zwangsurlaub in der Oase der Ruhe eine Strafe, für den besonnenen Ken ein Segen. Er genießt die kulturellen Höhepunkte, während Ray Touristen beschimpft und Sightseeing nur im Rahmen weiblicher Attraktionen toleriert. Gemeint ist Chloe, die er zufällig auf dem Set eines Films trifft, der in Brügge gedreht wird. Dort begegnet er auch einem kleinwüchsigen amerikanischen Schauspieler, mit dem er seine absurden Theorien über suizide Tendenzen von Zwergen austauschen und dabei von einer Peinlichkeit in die andere stolpern kann. Schrulliges, liebenswert gezeichnetes Personal hat McDonagh in seinem Drehbuch versammelt. Gut die Hälfte der Laufzeit lebt der ruhig und damit seiner Umgebung angepasst entwickelte Film von der Charakterkomik, von den amüsanten Reibungen der Figuren. Nicht ungewöhnlich für das Genre der Hitmen haben selbige hohe Sympathiewerte. Die Gründe: der jüngere ringt mit seinem Gewissen, der ältere hat die Attitüde eines Gentlemans und schließlich gibt es einen dämonischen Dritten, gegen den das Duo engelsgleich wirkt. Auf den Spuren von „Sexy Beast“-Choleriker Ben Kingsey spielt Ralph Fiennes den nicht nur furchterregend fluchenden Boss. Er wird Ken zu einem ungeliebten Job zwingen und im actionreichen letzten Drittel selbst vor Ort auftauchen, um den Vollzug zu überprüfen. Auch wenn es um Schuld und Sühne, um Erlösungsmotive und traditionelle Werte in surrealen Szenerien geht, will McDonagh nicht tiefgründig sein. Sein Film ist ein mörderisches moralisches Märchen mit Zwergen, Feen und finsteren Mächten, nicht immer rund, aber stets amüsant und einen Besuch wert. Wie auch Brügge, dessen touristische Anziehungskraft ungeachtet einiger Toter neu belebt werden wird. kob.

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