Bombón - Eine Geschichte aus Patagonien

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   2004
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Filmhandlung und Hintergrund

Bombón - Eine Geschichte aus Patagonien: Ein arbeitsloser älterer Argentinier kommt durch Zufall auf den Hund - ein reinrassiges Monstrum von Dogge.

Tankwart Juan, 52, ist arbeitslos und versucht, sich mit dem Verkauf von Messern über Wasser zu halten. Eines Tages hilft er einer jungen Frau mit einer Autopanne und erhält als Dank eine reinrassige argentinische Dogge, von der sich die Besitzerin verheißungsvoll leicht trennt. Der unfreiwillige Freund des Vierbeiners ist erst einmal reichlich eingeschüchtert von seiner neuen Aufgabe.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Juan Villegast, Spitzname Coco. Das erste hervorstechende Merkmal sind von Lachfalten umgebene traurige Augen. Wirkt er im ersten Moment müde und resigniert, sitzt ihm plötzlich der Schalk im Nacken. Mal ist er bestechend ehrlich, mal ahmt er gekonnt eine Lüge nach. Steht er unbeholfen in der Arena der Hundeschau, ausgelacht von Hunderten, die es besser wissen, dann wirkt er wie ein Clown, der nicht weiß, dass er ein Clown ist, der sich aber freut, dass sich die Menschen um ihn herum so freuen.

    So führt uns der geduldige Coco durch sein Land, durch sein Patagonien. Nimmt uns mit auf eine Reise, von der niemand sagen kann, wohin sie führen wird. Er ist kein Mensch, der an Gegenständen hängt. Und es scheint auch so, als sei er keiner, der sehr an anderen Menschen hängt. Dabei ist er liebenswert und sanftmütig, naiv und manchmal sehr klug. Sein Wesen ist nicht fassbar und das macht ihn, seine Handlungen und damit auch den Film immer wieder überraschend.

    Die Menschen im Film sind auf der stetigen Suche nach Arbeit und Glück – in dieser Reihenfolge. Auch Coco ist einer von ihnen. Seinen Job als Mechaniker an einer Tankstelle hat er verloren und es sieht auch nicht so aus, als bekäme er eine neue Chance.

    Bis er plötzlich auf LeChien trifft, einen riesigen weißen Hund. LeChien zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und von einem Tag auf den anderen ist Coco ein gefragter Mann. Nicht dass sich irgendjemand ernsthaft für den sensiblen und sehr charakterstarken LeChien interessieren würde. Der Hund soll bewachen, rennen, jagen, sich präsentieren und fortpflanzen.

    Coco ist nur Beiwerk, das Teil, das am anderen Ende der Leine hängt. Der Hund entpuppt sich als Goldesel, nur dass Coco mit Geld nicht mehr anfangen kann, als es sich wieder wegnehmen zu lassen. Wo er auch hinkommt, überall ist er fehl am Platz. Nirgends scheint er wirklich dazuzugehören. Doch den dadurch entstehenden Verlust an Würde weiß er mit Würde zu tragen. Er ist kein tragischer Held und auch kein trauriger. Er ist noch nicht einmal ein Held. Und gerade das macht ihn zu etwas Besonderem.

    „Bombón“ erzählt von einer ungewöhnlichen Begegnung und vom Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und das ohne aufgesetzt oder lächerlich zu wirken. Gegen geradezu poetische Bilddimensionen werden auflockernde absurde Momente gesetzt. Der Film entwirft eine Welt, die fest in der Realität verankert ist und in der dennoch alles passieren kann.

    Der Film weiß zu unterhalten. Nie kann sich der Zuschauer sicher sein, wohin sich die Geschichte entwickeln wird. Die Filmbilder präsentieren sich in außergewöhnlich ausgewogenen Symmetrien, die behäbigen Ölpumpen geben, ebenso wie die ruhige tragende Musik und die Hitze der wüsten Landschaft den Rhythmus vor. Das und die überaus liebenswerten Figuren machen „Bombón“ zu einem wirklich sehenswerten Film.

    Fazit: Ein außergewöhnliches, unterhaltsames Roadmovie, für das man sich Zeit nehmen sollte.
  • Nach „Historias Mínimas“ (2002) treibt es den Argentinier Carlos Sorin erneut in die Weite Patagoniens. Für seine Hilfsbereitschaft bekommt ein arbeitsloser Mechaniker eine Zuchtdogge geschenkt. Der Anfang einer wunderbaren Freundschaft zwischen Mensch und Tier, auch wenn Bombón – so heißt das Prachtexemplar – seinem Herrchen durch permanente Zeugungsunwilligkeit finanzielles Ungemach und ziemliche Sorgen bereitet.

    Carlos Sorin liebt die einfachen Menschen, deren Inneres so unergründbar scheint wie das eines Philosophieprofessors. Seine Helden, allesamt Laiendarsteller, scheitern an der Wirklichkeit und finden trotzdem ein Schlupfloch, der Hoffnungslosigkeit zu entkommen. Ihn zieht das Dokumentarische mehr an als das Fiktive, deshalb arbeitet er „mit realen Menschen an realen Schauplätzen mit realem Licht“ und hält das Kino „von Grund auf für Betrug“. Juan Villegas, der hier sein „Schauspieldebut“ gibt, betrieb vor den Dreharbeiten eine Garage und widmet sich jetzt wieder seinem alten Beruf. Er verleiht der Filmfigur des Juan Villegas ein Gesicht, und was für eins!

    Der Mann verliert seinen Job als Tankstellenmechaniker und will sich durch sein Hobby ernähren, selbstgeschnitzte Messer unters Volk bringen. Nur: in Zeiten knapper Kassen kauft jeder nur das Nötigste und kein Kunsthandwerk. Der Zufall kommt dem 52jährigen Optimisten zur Hilfe. Als er den Wagen einer betagten Gutsbesitzerin repariert, bietet die ihm als Lohn eine riesige Zuchtdogge an und überzeugt ihn, den gutmütigen Vierbeiner mitzunehmen. Der bringt ihm erst einmal Glück, das heißt einen Job als Wachmann und als er in der Bank seinen kargen Lohn abholen will, begeistert sich der Direktor für das aufsehenerregende Fellbündel, das sich doch wunderbar für Schauveranstaltungen eignet. Und wirklich, Bombón gewinnt den dritten Platz und steht bei Hundezüchtern plötzlich hoch im Kurs. Leider lässt die Libido den weissen Riesen im Stich. Weibchen? Fortpflanzung? Kein Interesse! Da zieht die Dogge flugs den Schwanz ein und ist auch durch gutes Zureden nicht zur Damenwahl zu überreden. Und Juan Villegas hat bald ein Problem.

    Wie das am Ende gelöst wird, entwickelt sich bei Sorin zum heiteren und actionarmen Road Movie durch eine endlose Landschaft voller sympathischer Gestalten, die sich aber alle durch einen leichten Spleen und eigentlich guten Charakter auszeichnen, auch wenn sie – nicht ganz politisch korrekt – Hunde abrichten, sich bei Hochzeitsfeiern verprügeln und krumme Geschäfte machen. Die Hauptfigur kutschiert mit großen Augen durch diese seltsame Welt und glaubt beharrlich an das Gute. Was zwar naiv wirkt, aber einen gewissen Charme versprüht. So reist man gerne mit dem Alten durch die Pampa, auch wenn die Zeit nicht gerade im Fluge vergeht. mk.

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