Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand

  

Filmhandlung und Hintergrund

TV-Drama über die größte innerdeutsche Flucht in der Nacht des 2. Oktobers 1961, als 14 Familien den Ort Böseckendorf im Sperrgebiet Richtung Westen verlassen.

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Kritikerrezensionen

  • Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand: TV-Drama über die größte innerdeutsche Flucht in der Nacht des 2. Oktobers 1961, als 14 Familien den Ort Böseckendorf im Sperrgebiet Richtung Westen verlassen.

    Hätte Sat.1 diesen Film „Das Wunder von Böseckendorf“ genannt, der Titel wäre keinesfalls übertrieben gewesen: Im Herbst 1961 ist es einem beinahe kompletten thüringischen Dorf gelungen, den „antifaschistischen Schutzwall“ zu überwinden und in den Westen zu flüchten.

    Hauptfigur der Geschichte ist die von Anna Loos unprätentiös und bodenständig verkörperte Frau des Bürgermeisters: Tonia Lantz schleust heimlich und ohne Wissen ihres Mannes (Thure Riefenstein) Flüchtlinge über die nahe Grenze. Als Lantz durch Zufall Einblick in eine Stasi-Akte bekommt, wird ihm klar, dass dem Ort eine Zwangsumsieldung droht: Böseckendorf ist bei der SED wegen seiner Renitenz berüchtigt, die Systemfeinde sollen bei Nacht und Nebel deportiert werden. Tonia überredet Manni und ihre Freunde zur kollektiven Flucht. Allerdings gibt es einen Stasi-Spitzel in ihren Reihen. Um den Verräter und damit auch die Stasi-Offizierin Marx (Rebecca Immanuel) zu täuschen, riskiert Tonia die eigene Festnahme und lässt sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein.

    Das Buch stammt von Daniel Maximilian und Thomas Pauli (nach einer Vorlage von Sönke Lars Neuwöhner und Sven Poser), Regie führte Oliver Dommenget. Die Geschichte der Massenflucht wird zwar unspektakulär, aber dank starker Hauptfiguren auf ähnlich hohem Niveau wie die „Event“-Filme erzählt; und vor allem nicht minder fesselnd. Natürlich wird die Handlung durch verschiedene Nebenebenen mit großen und kleinen Schicksalen zugespitzt: Tonias Vater (Horst Janson), der Dorfpfarrer, ist zwei Jahrzehnte zuvor mit seiner Tochter den Nazis entkommen und will nicht schon wieder weglaufen; Manni ist gar nicht begeistert, dass ein (damals noch nicht so genannter) Wessi (Andreas Pietschmann) Tonia schöne Augen macht; und bei der hochschwangeren Christa (Esther Zimmering) setzen die Wehen ausgerechnet mitten in der Flucht ein.

    Dank des überschaubaren Ensembles und der Konzentration auf das eine schlagzeilenträchtige Ereignis ist „Böseckendorf“ nicht mit aufwändigen Mehrteilern wie etwa „Wir sind das Volk“ zu vergleichen. Ob die Auswahl der Darsteller nun eine Frage des Geldes war oder ob man bewusst auf die üblichen Namen verzichtet hat, sei dahingestellt; dem Film hat es jedenfalls nicht geschadet, im Gegenteil. Die Filmmusik von Jörg Rausch würde allerdings auch einem Kinofilm Ehre machen. Dafür hapert’s mitunter im Detail: Eingedeutschte Anglizismen wie „Habt einen schönen Tag“ waren 1961 nicht mal im Westen geläufig, geschweige denn im Osten. Und dass am Ende ausgerechnet die mit Rebecca Immanuel geschickt gegen das sympathische Image besetzte Stasi-Frau ihr Herz für die Flüchtlinge entdeckt, ist zwar eher unglaubwürdig, ebnet aber den Weg zum Happy End. tpg.

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