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Bist du glücklich?

  

Filmhandlung und Hintergrund

Vorzüglich gespieltes und geschickt konzipiertes Beziehungsdrama mit kunstvoll arrangierten Rückblenden. Der offenkundigste Unterschied zwischen einer Romanze und einem Drama ist die Platzierung des Happy Ends. „Betrug“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Harold Pinter zum Beispiel beginnt mit der Trennung eines Paares und endet mit der ersten Begegnung. David Ungureits Drehbuch zu „Bist du glücklich?“ funktioniert...

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Vorzüglich gespieltes und geschickt konzipiertes Beziehungsdrama mit kunstvoll arrangierten Rückblenden.

    Der offenkundigste Unterschied zwischen einer Romanze und einem Drama ist die Platzierung des Happy Ends. „Betrug“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Harold Pinter zum Beispiel beginnt mit der Trennung eines Paares und endet mit der ersten Begegnung. David Ungureits Drehbuch zu „Bist du glücklich?“ funktioniert ganz ähnlich. Sonja und Marc (Laura Tonke, Ronald Zehrfeld) sind auf dem Weg in die hessische Provinz; der Verkauf ihres gemeinsamen Wochenendhauses soll der letzte Akt ihrer Beziehung sein. Die Fahrt bildet die Rahmenhandlung, in deren Verlauf Ungureit und Regisseur Max Zähle mit Hilfe einer Rückblendenkonstruktion erzählen, wie sich die Beziehung des Paars in den vergangenen 13 Jahren entwickelt hat. Die entsprechenden Zeitsprünge sind dabei so kunstvoll arrangiert, dass trotz einer zwangsläufig episodischen Erzählweise ein plausibler Handlungsfluss entsteht. Für große Realitätsnähe sorgen viele Kleinigkeiten, die Ungureit der Wirklichkeit abgeschaut hat: Marc ärgert sich regelmäßig darüber, dass Sonja nach dem Essen immer auch den Salzstreuer abräumt. Seiner Ansicht nach gehört er auf den Esstisch, wo Sonja ihn kurzerhand festklebt. Was im ersten Moment komisch klingt, ist eine feine Beobachtung jener Nebensächlichkeiten, über die zu Beginn einer Beziehung niemand ein Wort verliert, die aber später einen handfesten Streit auslösen können.

    „Bist du glücklich?“ ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Film. Dazu gehört die sorgfältige Verschränkung der Zeitebenen, der souveräne Umgang mit beiläufig eingeführten Details, die erst später wieder aufgegriffen und erklärt werden, sowie die unverkrampfte Nacktheit. Vor allem aber gelingt es Ungureit und Zähle, eine unspektakuläre Geschichte mit einer ganz eigenen Spannung aufzuladen. Dabei ist dieser Film für beide durchaus ungewöhnlich: Max Zähle ist nach seinem originellen Kinodebüt „Schrotten!“ (2016) mit einem nicht weiter auffälligen Beitrag zur ARD-Krimireihe „Nord bei Nordwest“ („Sandy“, 2018) recht bald im Fernsehalltag angekommen, hat aber immerhin mit „Der steinerne Gast“ eine der bislang besten Episoden der Krimireihe „Wolfsland“ (2018, ARD) gedreht. Ungureit wiederum hat viele Drehbücher für die ARD-Märchenreihe „Sechs auf einen Streich“ geschrieben und dabei stets eine höchst unterhaltsame Mischung aus spannenden und komischen Situationen gefunden. Seine Fernsehfilme waren meist Komödien wie „Ein Reihenhaus steht selten allein“ (2013) und in der Regel ebenfalls sehenswert. „Bist du glücklich?“ ist zwar schon allein wegen der latent gereizten Gegenwartsstimmung alles anderes als komisch, aber die Rückblenden enthalten durchaus heitere oder verblüffende Momente: Wer hätte gedacht, dass sich ein hartnäckiger Ehering mit Zahnseide entfernen lässt? tpg.

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