Filmhandlung und Hintergrund

Sehr intime, auf DV gedrehte Studie aus dem Leben zweier junger Frauen und Männer.

Bibiana hat an ihrem 30. Geburtstag Schlaftabletten geschluckt und will nicht mehr leben. Ihre Freunde Tamara, Claudio und Harald finden sie und versuchen, sie so schnell wie möglich durch das im Love-Parade-Trubel tobende Berlin ins Krankenhaus zu bringen, wo die hochschwangere Tamara auch gleich ihr Kind bekommen kann. Erinnerungen an die Vergangenheit kommen auf.

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Kritikerrezensionen

  • birthday: Sehr intime, auf DV gedrehte Studie aus dem Leben zweier junger Frauen und Männer.

    Freundschaft, Liebe, Tod. Das sind drei Phänomene, die sich Stefan Jäger für seinen ersten Spielfilm vorgenommen und auf originelle Weise realisiert hat. Gedreht auf DV mit Blow-Up auf 35 mm, rückt er seinen vier Hauptpersonen unerbittlich auf den Leib. Handmade sozusagen ist diese sehr intime Studie aus dem Leben zweier junger Frauen und Männer und gibt nicht nur einem studentischen Publikum eine harte Nuss zu knacken.

    Der Film verweigert sich konsequent einer chronologischen oder ähnlich konventionellen Erzählweise. Er funktioniert wie ein Mosaik assoziativer Erinnerungen. Das ist zunächst reizvoll, weil es eine ganz andere Aufmerksamkeit weckt und Frische vermittelt, die spontan wirkende Momente hat. Eine Beziehungskiste einmal anders, und das Prinzip hält Jäger, der auch das Drehbuch schrieb und mit seinen Darstellern noch zusätzliche Biografien der Figuren ausarbeitete, stur durch bis zum chaotisch kreativen Exzess. Geschickt fängt er mit dem Ende an: Bibiana (hervorragend: Bibiana Beglau) hat Schlaftabletten geschluckt und will nicht mehr leben. Tamara, Claudio und Harald finden sie und versuchen, sie so schnell wie möglich durch das im Love-Parade-Trubel tobende Berlin in ein Krankenhaus zu bringen, wo die hochschwangere Tamara auch gleich niederkommen kann. So weit, so realistisch. Doch dann setzen die Surrealismen ein: Partysituationen aus einem früheren Jahr, Paarungen, Trennungen, eine Italienreise, Versprechen und die Verabredung, ihre 30. Geburtstage gemeinsam zu feiern. Aber da gibt es eben auch die Entscheidung Bibianas aus Jugendjahren, ihrem Leben an ihrem 30. Geburtstag ein Ende zu setzen.

    Stefan Jäger erzählt subjektiv, wechselt die Perspektiven, jede der vier Hauptpersonen monologisiert auch immer wieder direkt in die Kamera, das gibt dem Film einen Workshop-Effekt und in manchen Augenblicken die intime Nähe einer Tagebuch-Notiz. Manchmal scheinen sich die episodischen Erinnerungs- und Gegenwartsfetzen auch allzu sehr in Hektik zu verlieren, wird die Thriller-Spannung - wird Bibiana am Ende ihr Leben verlieren oder zurückbekommen? - ohne innere Logik nervtötend unterbrochen, scheint Jägers erzählerische Überzeugungskraft baden zu gehen. Die vier darstellerischen Leistungen - neben Bibiana Beglau die eher extrovertierte Tamara Simunovic, der emotionale Claudio Caiolo und der nachdenkliche Harald Koch - halten den Film jedoch lebendig und bleiben im Gedächtnis als aparte Collage einer Condition humaine. fh.

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