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Bibliothèque Pascal

   Kinostart: 09.06.2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Surreal-realer Leinwandtrip, in dem die Heldin durch die Hölle geht, u.a. im Bordell namens Bibliothèque Pascal arbeiten muss.

Mona spricht beim Jugendamt vor, um das Sorgerecht für ihre kleine Tochter wiederzuerlangen. Sie erzählt von ihrer tragischen Vergangenheit: Von einem Mörder, der sie als Geisel nimmt, sie schwängert und dann von der Polizei erschossen wird. Von ihrer Tante, die sich als Wahrsagerin durchschlägt und die auf ihre kleine Tochter aufpasst, und von ihrem Vater, der sie an Frauenhändler verkauft, die sie nach Liverpool verschleppen. Dort landet Mona im Bordell Bibliothèque Pascal, das als literarisches Café getarnt ist.

Mona spricht beim Jugendamt vor, um das Sorgerecht für ihre kleine Tochter wiederzuerlangen. Sie erzählt von ihrer tragischen Vergangenheit: Von einem Mörder, der sie als Geisel nimmt, sie schwängert und dann von der Polizei erschossen wird. Von ihrer Tante, die sich als Wahrsagerin durchschlägt und die auf ihre kleine Tochter aufpasst, und von ihrem Vater, der sie an Frauenhändler verkauft, die sie nach Liverpool verschleppen. Dort landet Mona im Bordell Bibliothèque Pascal, das als literarisches Café getarnt ist.

Mona spricht beim Jugendamt vor, um das Sorgerecht für ihre kleine Tochter wiederzuerlangen, und erzählt von ihrer tragischen Vergangenheit. Leideschaftliches Drama des ungarischen Regisseurs Szabolcs Hajdú („Fehér tenyér“).

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Um gewalttätige Männer, sexuelle Fantasien und kriminelle Geschäfte geht es in dem versponnenen, skurrilen Film des ungarischen Regisseurs Szabolcs Hajdu. Was über weite Strecken wie der Erlebnisbericht einer jungen Osteuropäerin über Zwangsprostitution in England aussieht, entpuppt sich als Gauklerstück mit surrealen Einlagen und fantasievollen Täuschungen, welches nach Art eines modernen Heimatfilms rumänische Folklore und Gesellschaftskritik mischt. Der Film wurde in der Sektion Forum auf der Berlinale 2010 gezeigt.

      Ein untreuer Liebhaber, eine Rauferei und ein heftiger Regenguss sind der Grund, warum ein von Mona organisiertes Open-Air-Konzert platzt und die junge Frau das rumänische Kaff verlässt. Als sie allein an den Meeresstrand kommt, wird sie von Männern aller Altersgruppen unverhohlen angestarrt. Aus dem Sand taucht ein bewaffneter Mann auf, der sich vor der Polizei versteckt und sie zwingt, ihm in eine Hütte zu folgen. Als er einschläft, sieht Mona seinen Traum, in welchem sie eine Bäuerin in Tracht ist und er ein Torero. So schleicht sich die Liebe in die Beziehung zu diesem Mann, der wie die meisten anderen in ihrer Umgebung schon in seinem Sprachgebrauch die Herrschaft über Frauen beansprucht.

      Die von Orsolya Török-Illyés gespielte Mona bewegt sich im rauen rumänischen Jahrmarktmilieu, in das sie bald mit ihrer kleinen Tochter zieht, innerlich unabhängig und mit einer unschuldigen Neugier wie die Figur des Narren im Tarot. Sie ist wandlungsfähig und dabei oft rätselhaft in ihren Entscheidungen.

      Das Surreale mischt sich früh in die von jazzigen Zigeunerklängen untermalte Handlung, bleibt aber trotzdem nur Beiwerk. Während die Tante zuhause entdeckt, dass Monas Tochter eine Jahrmarktattraktion ist, weil sie ihre Träume sichtbar machen kann, formuliert Mona längst in England literarische Dialoge aus englischen Klassikern. Darin geht es um Szenarien, die sich für Pascals Spiele von Ausbeutung und Versklavung scheinbar mühelos uminterpretieren lassen.

      Der Film erzeugt vor allem in dem in England spielenden Teil eine schwüle, ans Pornografische grenzende Atmosphäre. Aber in den Nebenhandlungen in Rumänien mäandert die Geschichte durch reiches Lokalkolorit, das von Spannungen zwischen den rumänischen und den ungarischen Bewohnern über schichtspezifisches Imponiergehabe bis zu Oasen der Herzlichkeit und der pragmatischen Vernunft reicht. Hajdus schillernde Glaskugel behält bis zur Wendung am Schluss ihre Doppelnatur als Wunder und Ramsch. Die Fantasie geht dabei öfters auf Kosten einer stringenten Handlung, so dass man sich auf der labyrinthischen Erkundungstour nicht immer optimal geleitet fühlt.

      Fazit: Der ungarische Regisseur Szabolcs Hajdu erdet seine labyrinthische Fantasie über die sexuelle Ausbeutung von Frauen mit rumänischem Lokalkolorit.
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    2. Bibliothèque Pascal: Surreal-realer Leinwandtrip, in dem die Heldin durch die Hölle geht, u.a. im Bordell namens Bibliothèque Pascal arbeiten muss.

      Szabolcs Hajdú lädt zum surreal-realen Leinwandtrip, schickt seine Heldin in die Hölle, befreit sie daraus und führt zurück zu den Ursprüngen des Kinos - zum Jahrmarkt.

      Eine Frau spricht beim Jugendamt vor, will das Sorgerecht für ihre kleine Tochter wieder haben. Ein behäbiger, wohlbeleibter, nicht unfreundlicher Beamter sitzt ihr in einem tristen Resopalbüro gegenüber, stellt Fragen. Gefilmt wird es in Schuss, Gegenschuss. Die Zeichen deuten auf wortreiches, bleischweres Sozialdrama. Doch Mona, genauer ihrem Regisseur Szabolcs Hajdú, steht der Sinn eher nach Fabulieren, nach Fellini und Lynch, nach Greenaway und Bava. Es folgen fünf Lebensjahre in 111 Minuten, eine Reise durch Südosteuropa und ein längerer Zwischenstopp in Liverpool, in der titelgebenden „Bibliothèque Pascal“.

      In selbiger gibt’s auch Bücher, die heißen „Forbidden Pleasures from Prometheus to Pornography“ oder „Christianity and Homosexuality“, vor allem aber geile Männer, die auf literarisches Kopulieren stehen - sadistische Latexspielchen zu Shakespeares „Othello“, Homo-Sex zu „Pinocchio“. Papa Gigi (Razvan Vasilescu) hat Mona (Orsolya Török-Illyés) am Bahnhof der Wiener Neustadt an einen Schlepper verkauft. Bordellchef Pascal (Comedian Shamgar Amram), der in seinem Etablissement auf einem Einrad zwischen den Gästen herumkurvt, erwirbt sie und lässt sie als George Bernhard Shaws „heilige Johanna“ anschaffen. Mit den Männern hat Mona kein Glück. Ihr Freund, ein Sinti-Musiker, macht vor ihren Augen mit einer anderen rum, ein Schwulenmörder kidnappt und schwängert sie und wird am nächsten Tag von der Polizei erschossen.

      Klare Geschichte, stringenter Plot - Fehlanzeige! „Nein, nein! Zuerst die Abenteuer, Erklärungen dauern immer so lange!“ erfährt man zu Beginn aus Monas Mund. Und in der Folge führt der Ungar Hajdú („White Palms“) Film zu seinen Ursprüngen zurück, zelebriert ihn als Jahrmarktsattraktion, als Spektakel samt Liebe und Leidenschaft, Mord und Totschlag, Hellseherei und Auferstehung von den Toten. Simple aber effektive Spezialeffekte wechseln sich mit András Nagys somnambul-hypnotischen Kamerafahrten ab, mal „erläutert“ die Musik - etwa wenn der Beatles-Klassiker „Penny Lane“ erklingt - und dann sorgt sie im kräftigen Balkan-Blech-Stil à la Goran Bregovi? wieder für ordentlich Aufregung.

      Erlaubt ist was gefällt: Kino-Anarchie! Was jedoch nicht heißt, dass der Filmemacher nicht sehr genau weiß, was er tut. Fünf Begegnungen Monas bilden das Rückgrat der Geschichte, die Dialoge sind reduziert, zu sehen, zu schauen gibt es umso mehr. Allein schon Török-Illyés, die Frau des Regisseurs, nimmt mit ihrer Präsenz gefangen - und ein Frisurwunder ist sie obendrein. Fehlt nur die heile Welt. Die liefert das Finale - im bekannt unmöglichen Möbelhaus trinken Mutter und Tochter Tee. Das ist dann der pure Horror. geh.
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