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Bei Gott

  

Filmhandlung und Hintergrund

Mit seinem Erstlingswerk, dem Kurzfilm „Bei Gott“, hat sich Regisseur Thorsten Heger gleich an die ganz großen Fragen menschlichen Seins gewagt: Religion, Liebe - und rücksichtsloses Erfolgsdenken! Letzteres treibt vor allem seine Exzellenz, Kardinal Prulius (herrlich mephistophelisch-bösartig: Franco di Polo) an. Er sucht den armen Dorfpfarrer Rendel heim, weil ihm Papst Benedukt (sic!) einen göttlichen Auftrag...

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Kritikerrezensionen

  • Mit seinem Erstlingswerk, dem Kurzfilm „Bei Gott“, hat sich Regisseur Thorsten Heger gleich an die ganz großen Fragen menschlichen Seins gewagt: Religion, Liebe - und rücksichtsloses Erfolgsdenken!

    Letzteres treibt vor allem seine Exzellenz, Kardinal Prulius (herrlich mephistophelisch-bösartig: Franco di Polo) an. Er sucht den armen Dorfpfarrer Rendel heim, weil ihm Papst Benedukt (sic!) einen göttlichen Auftrag erteilt hat: Die moderne Kirche braucht bessere Pärchenquoten und hat dafür die Losung - ein schöner Seitenhieb auf aktuelles Managment-Sprech - „Believe, Marry, Propagate“, zu deutsch „Glauben, Heiraten, Fortpflanzen“ ausgegeben.

    Doch beim von Pfarrer Rendel zuletzt getrauten Paar René und Isabel stehen die Zeichen leider auf Sturm: Sie versteigt sich in naiv-mädchenhafte Romantikträume, er ist schrottgenervt von seiner zudringlichen Angetrauten. Hauptdarstellerin Isabell Spitzner schmachtet dabei vorzüglich, wenn auch stellenweise leicht übertrieben, ihr Gegenüber Andy Kumpf sorgt als empfindungsarmer Klotz, der das Herz auf der Zunge trägt, mit gutem Dialog-Timing für den Comic Relief.

    Aufgeben kann Pfarrer Rendel das schwierige Pärchen jedoch keinesfalls. Denn der allzu gut über die Vorgänge in Rendels Gemeinde informierte Kardinal (George Orwells 1984 lässt hier amüsant grüßen) hat belastendes Material gegen den kleinen Dorfpfaffen in der Hand, das sich nur zu gut in den derzeitigen Diskurs über kirchliche Verfehlungen fügt. So rückt Rendel seinen Schäfchen notgedrungen in jeder Lebenslage mit, so hofft er, liebesförderndem Rat auf die Pelle. Das schafft einige reichlich absurde Momente und Dialoge, die Regisseur Heger mit gutem Gespür für kleine Gesten seiner Schauspieler und das jeweils Nichtgesagte zu inszenieren weiß.

    Herausragend agiert zudem Hauptdarsteller Erhard Hartmann: Er porträtiert den unter Druck gesetzten Pfarrer Rendel ganz ohne Bigotterie als wohlmeinenden Geistlichen mit festem Glauben und besten Absichten, der aber genau deswegen leichtes Opfer des teuflischen Kardinals wird.

    Obwohl „Bei Gott“ in scheinbar locker-leichtem Ton daherkommt, bietet er im langsamen existenziellen Entgleisen der Hauptfiguren einige schicksalhafte Momente - die aber durch die bissig-ironische Musikauswahl und den lakonischen Schnitt wiederum fein gebrochen werden. So weiß man am Ende zwar nicht genau, ob man eine Komödie oder ein Drama gesehen hat - aber über den Unterschied zwischen echtem Glauben, echter Liebe und den nur aus fehlgeleiteten Ideen abgeleiteten Abbildern davon hat „Bei Gott“ viel erzählt. Da sieht man denn auch nur zu gern über die ein oder andere kleine handwerkliche Nachlässigkeit des Erstlingswerks hinweg!

    Boris Sunjic, kino.de.
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