Beginners

  1. Ø 3
   2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Beginners: Wunderbar eigenwillige Tragikomödie über einen jungen Grafiker in Liebesnöten und seinen Vater, der im Alter von 75 Jahren zu seiner Homosexualität zu stehen beginnt.

Der Tod seines 80-jährigen Vaters Hal wirft Grafiker und Künstler Oliver mehr aus der Bahn, als er es sich jemals gedacht hätte. Neuen Lebensmut fasst der verschlossene junge Mann, als er die französische Schauspielerin Anna kennenlernt und sich in sie verliebt. Während er sich an Anna klammert und wieder Fuß im Leben zu fassen versucht, erinnert er sich an die letzten Jahre mit seinem Vater: Nach dem Tod seiner Frau hatte sich der damals 75-Jährige für seinen Sohn völlig überraschend zu seiner Homosexualität bekannt und noch einmal einen neuen Lebensanfang gewagt.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Hal ist 75, als er seinem Sohn Oliver gesteht, er sei homosexuell. Bis zu seinem Tod vier Jahre später genießt der Lebemensch, was ihm seine neue Liebe und sein neues Leben zu bieten haben. Oliver bleibt nach seinem Tod voller Trauer zurück. Dass diese Trauer ihn selbst am Leben hindert, merkt er erst, als die quirlige Französin Anna in sein Leben tritt. Durch sie lernt Oliver, die Erinnerungen an seinen Vater zu verarbeiten und einem Neubeginn eine Chance zu geben. Mike Mills verarbeitet in dieser sensibel und leicht erzählten Tragikomödie einen Teil seiner eigenen Biographie. Dabei werden die multiperspektivischen Erzählstränge rund um die durch grandiose Schauspieler verkörperten Hauptfiguren fließend miteinander verbunden. Charaktere und Story sind exaltiert, doch immer wahrhaftig und liebenswert. Die kleinen Einschübe im Film, die in schneller Montage Olivers Gedanken kurz und knapp zusammenfassen, sind witzig, ironisch und brechen den ruhigen Erzählfluss immer wieder auf. Bei aller Schwere der Trauer herrscht eine Leichtigkeit vor, die eine wundervolle Grundstimmung verbreitet. Ein sympathischer anrührender Film, der zu Herzen geht. Am Ende möchte man die Figuren nicht mehr loslassen, so nahe ist man ihnen.

    Jurybegründung:

    Schwierige Themen, die auf autobiografischen Erfahrungen des Regisseurs aufbauen, werden in diesem erzählerisch anspruchsvollen Drama von Mike Mills verhandelt. Er nimmt sich für die Einführung der Figuren reichlich Zeit. Behutsam wird gezeigt, wie der Grafikdesigner Oliver (Ewan McGregor) den Tod seines Vaters rekapituliert und eine Beziehung zur eigenwilligen Schauspielerin Anna (Mélanie Laurent) beginnt. Dabei werden auf unterschiedlichen Ebenen die jeweiligen Lebenslinien zurückverfolgt und diverse Komplikationen und prägende Erlebnisse kenntlich gemacht. Olivers Vater Hal (eindrucksvoll gespielt von Christopher Plummer) hat sich nach dem Tod seiner Ehefrau entschieden, seine Homosexualität auszuleben. Das späte Glück mit dem per Inserat gefundenen Lebensgefährten Andy (Goran Visnjic) wird durch die tödliche Krankheit getrübt. Mit stillen Bildern und im langsamen Tempo zeigt Mills die psychologischen Herausforderungen, die daraus für den Sohn erwachsen. Ergänzend gibt es Rückblicke in die Kindheit, welche auch einen Eindruck von Olivers Mutter vermitteln. Gerafft wird der historische Kontext der verschiedenen Lebensetappen eingeblendet (dokumentarische Fotos). Nach dem Tod seines Vaters leistet Oliver Trauerarbeit - wobei einzelne hinterlassene Gegenstände quasi zum Sprechen gebracht werden. Die künstlerische Kompensation des Kummers, die auch in Olivers Zeichnungen zum Ausdruck kommt, hat zwar therapeutische Effekte, führt aber nicht zu kommerziellen Erfolgen. Stattdessen beginnt nach einer Party-Begegnung die romantische Liebe zu Anna - das heißt, nach Selbstfindungskrisen und Rückschlägen beginnt dieses Glück erst richtig am Ende des Films. Keine unwichtige Rolle spielt als Glücksbringer ein lebendiges Erbstück: der Jack Russel-Terrier des Vaters. Dieser kleine Hund wird zum Adressaten der Monologe von Oliver und zum emotionalen Bezugspunkt, zum Drehkreuz der Figuren. Die emotionale Kompetenz des kleinen Hundes kommt schließlich auch dem "verwitweten" Andy zugute. Der Einsatz stilistischer Mittel ist großartig gelungen. Ebenso muss das Agieren der Darsteller gewürdigt werden. Keine Figur wird vernachlässigt, selbst Nebenfiguren sind klar konturiert und gut besetzt. Mills ist ein äußerst stimmiger Film gelungen, obwohl im konventionellen Sinne Konfliktkonstellationen nicht aufgebaut werden. Es gibt quasi nur "gute Helden" und keine antagonistischen Gegenspieler. Dass dennoch die Faszination an dieser Geschichte kontinuierlich anwächst und keine Spannungsdefizite auftreten, zeugt von der erstaunlichen Leistung des Regisseurs und der Darsteller. Die Erscheinung des kranken Vaters gewinnt (ebenso wie mancher persönlich bedeutungsvolle Alltags-Gegenstand und manche Routine-Verrichtung) eine sonderbare Schönheit, die beinahe blendet, aber nicht verblendet. Auch die musikalische Untermalung trägt zu einem beeindruckenden Filmerlebnis bei.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • In dem humorvollen romantischen Drama „Beginners“ erzählt Regisseur und Drehbuchautor Mike Mills aus dem eigenen Leben. Sein Vater hatte nach langjähriger Ehe im Alter von 75 Jahren sein Coming-Out und holte spät, aber gründlich die Freuden nach, auf die er so lange verzichtet hatte. Christopher Plummer spielt den alten Mann, der im Film Hal heißt und auch als todgeweihter Krebspatient noch Partys feiert. Ewan McGregor ist in der Rolle des Sohnes Oliver zu sehen, den der Vater ins Staunen versetzt, der aber selbst nicht unbeschwert sein kann. Erst die Beziehung zu der jungen Französin Anna, gespielt von Mélanie Laurent, öffnet ihm die Augen für die eigenen Wünsche und für die Bürde seines Elternhauses.

    Mills erfand die Figur der Anna für den Film frei hinzu, während Plummer die Eigenschaften einer realen Person darstellen sollte. Trotzdem ist der alte Hal erkennbar Plummers Rolle, so gut steht dem Schauspieler dieser kraftvolle, den späten Freuden des Lebens zugewandte Charakter. Hal trägt auf einmal farbenfrohe Halstücher und hat einen Freund, der so jung wie sein Sohn Oliver ist. Dieser Andy, gespielt von Goran Visnjic, bringe Spaß in seinen Alltag, erklärt Hal seinem immer skeptischen Sohn. Andy ist fröhlich, hat aber seine Komplexe als Schwuler. Hal umgibt sich mit Aktivisten, die für die Rechte Homosexueller eintreten und sorgt noch im Krankenhaus für Trubel, indem er mit seinen vielen Freunden Sekt trinkt.

    Ewan McGregor spielt den Sohn als gedrückten Menschen. Während er den Vater am Schluss zuhause pflegt und dieser scheinbar unbeschwert immer noch Geselligkeit und Spaß sucht, dümpelt Olivers soziales Leben vor sich hin. Es ist sowohl irritierend, wie auch Anlass zu mild humorvollen Wortwechseln, wie unbeholfen und unschlüssig Oliver und Anna nach dem Tod des Vaters ihre Freundschaft anpacken. Mills betont die Selbstironie der beiden Charaktere, indem er Oliver einen kleinen Hund an die Seite stellt, der sich dessen Kommentare anhört und ab und zu in Form eines Untertitels stumm antwortet.

    Die Geschichte wechselt ständig von Olivers und Annas Gegenwart zu Olivers Erinnerungen an Szenen aus seiner Kindheit, vor allem aber mit dem Vater in seinen letzten Tagen. Mills verwendet für die Retrospektiven Diashows, zu denen Olivers Stimme kommentiert. Das Jahr 1955, in dem seine Eltern heirateten, wird in diesen Bildern – etwa des damaligen Präsidenten oder einer typischen Buchillustration – punktuell und witzig heraufbeschworen. Die experimentellen Spielereien beim Vergleich der Zeitepochen und ihrer Unterschiede sind allerdings nicht immer spannend und schlüssig. So bleibt, mit Ausnahme der Rolle des alten Hal, die Tonart ein gedämpftes Moll und die Romantik in der Beziehung von Oliver und Anna kommt nicht so recht in Schwung.

    Fazit: Es wird kompliziert für Oliver, als sich sein Vater mit 75 Jahren zur Homosexualität bekennt und später wieder, als er Anna kennen lernt: Gedankenspielereien und gedämpfter Humor prägen diesen etwas unschlüssigen Film.
  • Eine autobiographische Komödie, in der man vor Freude weinen will: Mike Mills‘ zweiter Film ist wie ein Blättern durch ein ganz persönliches Familienalbum.

    Mike Mills war Anfang 30, als seine Mutter starb und sein 75-jähriger Vater sein Comingout erklärte: Nach 50 Jahren der Geheimnistuerei hatte er keine Lust mehr, im Verborgenen leben zu müssen. Bis zu seinem Tod fünf Jahre später lebte er als glücklicher schwuler Mann, der seinem Sohn in dieser Zeit näher kam als all die Jahre davor. „Beginners“ könnte nicht autobiographischer sein. Mills, einer der einflussreichsten und kreativsten amerikanischen Grafikdesigner und Künstler der letzten 20 Jahre, der Albumcover für Sonic Youth entwarf und Videos für die Beastie Boys drehte, erzählt in seiner zweiten Arbeit als Filmregisseur – das Debüt war „Thumbsucker“ aus dem Jahr 2005 – seine eigene Geschichte. Und er macht es auf die zutiefst persönliche Weise, die möglich erscheint. Bisweilen mutet sein Film an wie ein Blättern durch ein Tagebuch, angefüllt mit Randnotizen, abschweifenden Gedanken und absurden Ideen. Parallel erzählt der Regisseur von der Zeit nach dem Tod der Mutter – und danach dem Tod des Vaters.

    Mit Hilfe seines Alter egos, des von Ewan McGregor gespielten Grafikdesigners Oliver, erzählt Mills von der eigenen Orientierungslosigkeit, seiner Trauer, seiner Schwierigkeit, wieder Fuß im Leben zu fassen nach dem Verlust, und seinen Problemen, sich auf eine Beziehung mit einer jungen französischen Schauspielerin, gespielt von „Inglourious Basterds“-Entdeckung Melanie Laurent, die er in einer wunderbaren Sequenz auf einer Party in den Hollywood Hills kennenlernt, einzulassen. Das klingt zunächst nach einem problembeladenen Drama, ist aber ein entwaffnend hinreißender Film mit einem Sinn für absolut menschlichen Humor. Mills ist frei im Einsatz der Mittel, lässt seinen traurigen Helden Gespräche mit dem Hund des Vaters führen (und den Hund in Untertiteln antworten), er fügt Einschübe ein, die im Stil eines Kalenderblattes von entscheidenden Jahren im Leben der Hauptfiguren berichten. Alles, was dazu beiträgt, ein Verständnis für die Menschen in „Beginners“ und ihre Gefühlswelt zu vertiefen, ihre ganz intimen Anliegen in einen Kontext zu setzen und damit nachvollziehbar zu machen, ist erlaubt. Die Freiheit überträgt sich auf die Schauspieler.

    McGregor und Laurent sind wunderbare Sympathieträger, aber die eigentliche Offenbarung ist Hollywood-Legende Christopher Plummer, der als Olivers Vater, der es sich erlaubt, die letzten Jahre seines Lebens in vollen Zügen zu genießen, die vielleicht mutigste und beste Leistung seiner an ikonischen Rollen nicht gerade armen Karriere abliefert. „Beginners“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde pure Magie, überraschend, aufrichtig, sentimental, ein bisschen drollig, komisch, traurig, immer wahrhaftig – eine wunderbare Arbeit eines Mannes, dessen bekanntestes Kunstprojekt nicht von ungefähr den Titel „Humans“ trägt: Nachhaltig erzählt er, dass wir alle in unserem Leben immer Anfänger sind, egal wie alt und erfahren wir auch sein mögen. Und das ist im ureigenen und ursprünglichen Sinne schön. ts.

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