Filmhandlung und Hintergrund

Innovatives Regiedebüt des mysteriösen Graffitikünstlers Banksy, der den Spieß umdreht, als ein Mann auszieht, um einen Film über ihn zu drehen.

Banksy ist der aktuell bedeutsamste Graffitikünstler der Welt. Der Mann aus Bristol, der seine wahre Identität geheim hält, nutzt seine eindringlichen Spraybilder als politisches Statement – Kommunikationsguerilla. Der französische Ladenbesitzer Thierry Guetta macht sich auf, Banksy mit seiner Videokamera auf die Spur zu kommen. Doch Banksy dreht den Spieß um und filmt den Mann, der ihn filmen wollte.

Der Franzose Thierry Guetta betreibt einen Second-Hand-Laden. Seine ganze Freizeit verbringt er damit, den bedeutsamsten Streetart-Künstlern bei der Arbeit zuzusehen und sie auf seiner Videokamera aufzuzeichnen. Sein Ziel: ein Film über die Streetart-Szene. Schließlich nimmt er Kontakt mit dem geheimnisvollen Banksy auf, der schnell feststellt, dass Thierry das Zeug zum Filmemacher fehlt. Banksy selbst will den Film nun schneiden – und schlägt Thierry vor, es in der Zwischenzeit selbst als Künstler – Mr. Brainwash – zu versuchen.

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Kritikerrezensionen

    1. Thierry Guetta kommt durch seinen Cousin mit der Street Art Szene in Kontakt und filmt die spannende Arbeit von zahlreichen Künstlern. Dabei ist Thierry nicht unbedingt ein Filmemacher, sondern nur ein Mann mit Kamera, der wahllos alles filmt, was ihm vor die Linse kommt. Dementsprechend sieht das Material auch aus: Oft unscharf und immer wackelig wird das Leben der Menschen gezeigt, die Thierry begleitet hat. Gleichermaßen gelingt es Thierry aber auch durch sein umfangreiches Filmen, viele groteske Momente aus dem Leben der Künstler und auch die Reaktionen auf ihre Werke mit der Kamera einzufangen.

      Für die Graffitikünstler wird Thierry gleichermaßen zum Freund und auch zum Beschützer, wenn er für diese beim Sprayen Schmiere steht. Dennoch halten sie ihn auch für verrückt: Gemeinsam mit ihnen klettert er auf Dächer und begibt sich auch selbst in Gefahr. Über die Jahre filmt er immer mehr Material und sein angebliches Ziel einer Dokumentation scheint immer weniger glaubwürdig.

      Anfangs steht in „Exit Through the Gift Shop“ immer noch das Werk der Street Artists und auch die Suche nach Banksy im Vordergrund. Fast schon wie Gevatter Tod persönlich präsentiert sich Banksy, als er im Sessel sitzt und ein Interview gibt: Nur die Umrisse einer Kapuze sind zu erkennen, an der Stelle seines Gesichtes ist nur ein schwarzes Loch. Kaum merklich geht es dem Film immer mehr um Thierry selbst, so dass alle anderen Beteiligten nach und nach in den Hintergrund rücken.

      Seinen letzten großen Moment hat Banksy mit einer Ausstellung, in der er einen pink bemalten Elefanten auftreten lässt. Thierry beginnt da schon eigene Kunstwerke anzufertigen und sich weniger auf das Filmen zu konzentrieren. Banksy kritisiert mit seinen Werken oft die Gesellschaft. Indem er Werbeplakate verändert, die Figur eines Guantanamo-Häftlings in Disneyland drapiert oder gar die israelische Mauer in der Westbank bemalt, wird er zum politischen Künstler. Durch das Aufsehen, das er erregt, werden seine Werke zu gefragten Ausstellungsstücken und Kaufobjekten. Banksy möchte aber zeigen, dass es in seiner Kunst nicht um Konsum und das große Geschäft geht, besonders deshalb sei er an einem Film über sich und seine Kollegen interessiert.

      Thierry, der sich inzwischen „Mr. Brainwash“ nennt, beginnt Andy Warhol zu kopieren und stellt eigenes Personal an, um für ihn mit Photoshop und in Massenproduktion zahllose Kunstwerke anzufertigen. Mit seiner ersten Ausstellung gelingt ihm ein Riesenerfolg, der Banksy und alle anderen sprachlos lässt. Mr. Brainwash hat seine gesamten Ersparnisse in eine Ausstellung investiert und ist in kürzester Zeit zu einem gefragten Künstler geworden, der in einer Woche eine Million Dollar umsetzt. Spätestens hier wird deutlich, dass der Film mit unserer Realitätswahrnehmung spielt. Sind Banksy und sein alter Ego Thierry Guetta gar dieselbe Person? Oder handelt es sich bei ihm um den nie gezeigten Space Invader? Mr. Brainwashs Erfolg ist kein erfundener Gag, sondern macht nachdenklich und offenbart in Banksys Film eine kompromisslos ehrliche, kulturpessimistische Vision.

      Das erinnert an den Titel des Films „Exit Through the Gift Shop“, der auf die Praxis von Museen und Ausstellungen verweist, seine Gäste nur über einen Gang durch den Souvenirladen ins Freie zu lassen. „Exit Through the Gift Shop“, stellt nicht nur die Frage, was Kunst ist, sondern was einen erfolgreichen Künstler ausmacht, was Kunst darf und wie dünn die Linie zwischen Kunst und Kommerz, Illegalität und Anerkennung und auch zwischen Selbstdarstellung und Können ist. „Thierry hat sich nicht an die Regeln gehalten“, stellt Banksy über den schnellen Aufstieg von Mr. Brainwash fest .... andererseits gebe es in seiner Szene ja auch keine Regeln. Wir bleiben ratlos über ein Phänomen zurück.

      Fazit: Spannender und multiperspektivischer filmischer Essay über Kunst und Medien. Ebenso ein gelungener PR-Coup.
    2. Banksy - Exit Through the Gift Shop: Innovatives Regiedebüt des mysteriösen Graffitikünstlers Banksy, der den Spieß umdreht, als ein Mann auszieht, um einen Film über ihn zu drehen.

      Heute Nacht gehören die Straßen uns: Streetart-Meister Banksy wendet sich mit seiner Form des subversiven Agitprop dem Medium Film zu – ein „F wie Fälschung“ für die Generation Punk.

      Ein vermummter Demonstrant nimmt Anlauf und wirft… einen Blumenstrauß. Ein schwer bewaffneter Militärpolizist muss sich mit dem Gesicht an eine Wand stellen… und wird von einem kleinen Mädchen abgetastet. Eine Friedenstaube erhebt sich in die Lüfte… und trägt eine kugelsichere Kevlarweste. Die Stencils des 1975 geborenen Streetart-Künstlers Banksy aus Bristol, eine durch die Graffitikultur gefilterte Weiterentwicklung der wütenden Punkgrafiken aus dem Umfeld der Band Crass, betrachten die einen als „Kunstterrorismus“ („Evening Standard“), andere wiederum finden die hochpolitischen Arbeiten des Mannes, der Gesicht und Identität penibel geheim hält und lieber Taten von London bis zur Westbank sprechen lässt, „witzig, subversiv und überaus produktiv“. Damit lässt sich auch der erste Ausflug Banksys in die Welt des Films vortrefflich beschreiben, eine Dokumentation über die Welt der Sreetart, die so viele kunstvolle Pirouetten um sich selbst dreht, dass man schon während des Betrachtens nicht mehr weiß, was man nun glauben soll und was nicht. Banksy selbst beschrieb seinen Film „über einen Mann, der versucht hat, einen Film über mich zu drehen“ (Pressetext) in einem Einspieler vor der Pressevorführung auf der Berlinale als „guten Film – wenn man niedrige Erwartungen hat“ und verwies darauf, dass man ohne Skript und Plan gearbeitet habe, zumal erst zur Hälfte der Arbeit daran festgestellt wurde, dass man überhaupt einen Film mache. Gerade das (vermeintlich) Spontane, das Unerwartete verleiht „Exit Through the Gift Shop“ seine ganz spezifische Qualität.

      Anhand der Geschichte des Franzosen Thierry Guetta, der in Los Angeles einen erfolgreichen Second-Hand-Laden betreibt und über Jahre hinweg mit seiner allgegenwärtigen Videokamera den Größen der Streetart bei der Arbeit zusieht, wird die Geschichte einer verdeckt arbeitenden Subkultur aufgerollt, bis Guetta sich Banksy zuwendet. Als der ihn drängt, aus dem angesammelten Material einen Film mit dem Titel „Remote Control Life“ zu schneiden, kommt der entscheidende Wendepunkt: Guettas Film ist unanschaubar, weshalb Banksy selbst sich der Aufgabe annimmt, während er Guetta losschickt, selbst eine Ausstellung in Los Angeles auf die Beine zu stellen. Die erweist sich trotz der erkennbaren Talentlosigkeit Guettas als Bombenerfolg, weil er zwar als schaffender Künstler wenig auf dem Kasten hat, dafür die Kunst der Promotion beherrscht wie kein Zweiter. Ein ätzender Kommentar zur Beliebigkeit des Kunstbetriebs. Und zugleich ein raffiniertes Ablenkungsmanöver, denn tatsächlich ist das Ergebnis eben nur an der Oberfläche ein Film über Guetta, sondern eben genau Banksys Statement zu Streetart, ihre Bedeutung, ihre Funktion, ihre Lust auf Revolution und Subversion. In einer frühen der vielen auf Video festgehalten Nachtszenen der Straßenkünstler bei der Arbeit sieht man, wie die Polizei einen Sprayer in flagranti überrascht, er aber doch in letzter Sekunde entwischen kann, weil er eben auch ein ausgezeichneter Traceur ist und wieselflink senkrechte wände hochklettern kann. Später gelingt es Banksy, mitten in Disneyland eine aufblasbare Puppe im Outfit eines Guantanamo-Häftlings aufzustellen und zu entwischen, bevor der Vergnügungspark mit Sicherheitsleuten wimmelt. Message understood: Die Kunst besteht eben darin, sich nicht erwischen zu lassen. Und dazu spielt Richard Hawleys „Tonight the Streets Are Ours“. Schön. ts.

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